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Robert Habeck bei Sandra Maischberger.
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Robert Habeck bei Sandra Maischberger.

Maischberger (ARD)

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock: Robert Habeck zeigt sich genervt

  • Jendrik Walendy
    VonJendrik Walendy
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Robert Habeck spricht bei Sandra Maischberger im ARD-Talk über Annalena Baerbock, die Grünen und das Klima. Vorher geht Hubert Aiwanger in die Defensive.

Berlin - In Sandra Maischbergers selbst so bezeichnetem „Wochendurchblick“ in der ARD wurden wie üblich die Debatten der Woche durchlaufen, wobei in dieser Sendung eine Schwäche des Konzepts besonders deutlich wurde: In der schnellen Abhandlung aktueller Themen bleibt oft nur Raum für die Wiederholung von Positionen, nicht für neue Argumente.

Zu Gast im ARD-Talk bei Sandra Maischberger waren diesmal:

  • Robert Habeck (B’90/Grüne, Co-Parteivorsitzender)
  • Hubert Aiwanger (Freie Wähler, bayerischer Wirtschaftsminister)
  • Hape Kerkeling (Entertainer und Bestsellerautor)
  • Amelie Fried (Autorin und Moderatorin)
  • Robin Alexander (stellv. Chefredakteur der Welt)
  • Wolfram Weimer (Verleger The European)

ARD-Talk „Maischberger“: Hubert Aiwanger und die Impfpflicht

In der Auftaktrunde mit der Moderatorin Amelie Fried, dem stellvertretenden Welt-Chefredakteur Robin Alexander und dem Verleger Wolfram Weimer wurde die Impfpflicht diskutiert. Dabei ging es insbesondere um die Aussagen des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger, der von Fried aufgrund seiner Impfverweigerung zum „Verlierer der Woche“ gewählt wurde. Aiwanger sollte sich zu der öffentlichen Entrüstung, die in Folge seines Statements ausgebrochen ist, dann auch selbst äußern und wurde zu diesem Zweck ins Studio zugeschaltet.

Dabei pochte der Freie Wähler-Politiker auf die Selbstbestimmung des Einzelnen, konnte aber von Maischberger auch bei der dritten Nachfrage nicht dazu überredet werden, Begründungen zu liefern für seine Position und die Entscheidung, sich selbst nicht impfen zu lassen. Als Grund nannte Aiwanger die Sorge davor, dass seine Argumente öffentlich „zerpflückt“ werden könnten. Deswegen jegliche Erklärung zu verweigern, mutete wie eine absurde Abwehr dessen an, was im Zentrum der politischen Tätigkeit stehen sollte: Die argumentative Überzeugung des Anderen.

ARD-Talk „Maischberger“: Hubert Aiwanger in der Defensive

Wolfram Weimer erklärte daraufhin, warum er in Aiwangers Vorstoß vor allem ein wahltaktisches Manöver sieht. Die Freien Wähler, die Markus Söder bei den letzten Landtagswahlen den Grünen vorzog, hätten nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern an Stärke zugelegt und dabei Wähler aus dem Umkreis der Union angezogen. Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2021 seien solche polarisierenden Aussagen als Profilschärfung einer Partei zu verstehen, die auf die 5-Prozent-Hürde schiele.

Robin Alexander, der die Freien Wähler als Partei für diejenigen Konservativen bezeichnete, die „kein Bock auf CSU-Filz“ hätten, verdeutlichte noch mal die Widersprüchlichkeit in dieser Angelegenheit, da Aiwanger die strikten Corona-Maßnahmen der CSU-geführten Regierung mittrage, während er diese im gleichen Moment zurückweise.

Sandra Maischberger spricht im ARD-Talk mit Grünen-Chef Robert Habeck

Im darauffolgenden Zweiergespräch mit Sandra Maischberger betonte Robert Habeck entgegen seinen früheren Aussagen seine Überzeugung, dass eine ausreichende Impfquote nicht durch Zwang, sondern als „Solidarleistung“ erreicht werden könne. Schnell ging es der Moderatorin dann aber um die in den letzten Monaten bis zur Erschöpfung diskutierte Frage, ob die Entscheidung für Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin richtig gewesen sei.

Die Gäste bei Sandra Maischberger.

Habeck, dem die Genervtheit angesichts der Debatte deutlich anzumerken war, ließ sich angesichts der Erwähnung des polarisierenden Grünenpolitikers Boris Palmers zu einem kurzen Auflachen hinreißen. Der Einspieler mit den Aussagen des Tübinger Bürgermeisters zu Habecks Kanzlerqualitäten, rang diesem aber doch ein leichtes Lächeln ab, bevor er klar feststellte: „Wenn ich nicht Kanzlerkandidat bin, kann ich nicht ins Kanzleramt.“

SPD-Kanzlerkandidat Scholz wird bei Maischberger (ARD) zum „Gewinner der Woche“ gekürt

Schließlich ging es doch noch um Inhalte, nämlich um das von den Grünen vorgeschlagene „Energiegeld“, dass die durch strengere Klimaschutzmaßnahmen verursachten Kosten ausgleichen soll sowie um die Kompetenzen des neu einzuführenden Klimaschutzministeriums, das weitreichende Veto-Rechte in Bezug auf Gesetzesvorlagen erhalten soll. Habeck war die Erleichterung anzumerken, endlich über die konkreten Zielsetzungen seiner Partei sprechen zu können und verteidigte das Programm souverän gegen Maischbergers Einwände.

maischberger. die woche

Die Sendung in der ARD-Mediathek

Als „Gewinner der Woche“ nannte Robin Alexander indes Olaf Scholz, der zwischen den Skandalen bei CDU und Grünen gut dastehe und dem man damit sogar verzeihen könne, dass er in der SPD ist. Während auch Wolfram Weimar bei der SPD die „klarste Kommunikation“ und „die wenigsten Fehler“ sah, widersprach Amelie Fried dieser positiven Einschätzung mit dem Hinweis, dass Scholz Ballast mit sich herumtrage, solange seine Rolle in den Geschehnissen um Wirecard nicht gänzlich aufgeklärt sei.

Hape Kerkeling bei Maischberger in der ARD: „Alle 12 Minuten im Fernsehen zu sein, ist zu viel“

Mit dem Einspieler eines alten Gags zu Angela Merkel leitete Maischberger notdürftig von den politischen Themen zum Gespräch mit Hape Kerkeling über, der sein neues Katzenbuch vorstellen durfte. Hier geriet die Sendung vollständig aus dem Tritt, denn während die gesellschaftlichen Geschehnisse der Woche zuvor im Schnelldurchgang gestreift wurden, galt es zum Ende hin überschüssige Sendezeit zu füllen und Maischberger verlor sich in detaillierten Nachfragen zu den einzelnen Karrierestationen Kerkelings, die schon lange weithin bekannt sind.

Als zuvor Kerkeling noch nach seiner Einschätzung zu verschiedenen Politikern gefragt wurde, sagte er über die Medienpräsenz Karl Lauterbachs: „Alle 12 Minuten im Fernsehen zu sein, ist zu viel“. In einer Fernsehlandschaft voller oft oberflächlicher Talkformate, bei denen Themen zu häufig lieber abgehandelt statt vertieft werden, braucht es vielleicht viele Auftritte, um Zeit für Inhalte und Argumente zu gewinnen. (Jendrik Walendy)

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