„Maischberger. Die Woche.“ in der ARD.
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„Maischberger. Die Woche.“ in der ARD.

Polit-Talk im Ersten

„Maischberger. Die Woche“ in der ARD: Schlagabtausch über die Grenzen, kein Wort über die Polizei

  • vonRüdiger Suchsland
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Bei „maischberger. die woche“ in der ARD sprechen die Talkgäste zu viele Themen an. Eines der wichtigsten fehlt jedoch.

  • Bei Sandra Maischberger in der ARD wurde viel angerissen, aber nichts weiter gedacht.
  • „maischberger. die woche“ vermied das Thema: Neonazi-Netzwerk bei der Polizei.
  • Die Sendung mit Moderatorin Maischberger scheint nach wie vor ein Experimentierfeld.

„Ich will auch keinen zwingen, in der Europäischen Union zu bleiben“ - ein kleiner utopischer Moment an einem routinierten Abend, für einen Augenblick ein anderes Europa vorstellen: Ohne Bremser, ohne autoritäre Regierungen, die Presse- und Meinungsfreiheit beschneiden, ohne Verhandlungen, die noch den klügsten Kompromiss faul aussehen lassen. Jean Asselborn, der Luxemburgische Außenminister sagte das, als er unter Bezug auf die aktuelle Flüchtlingssituation die „Unmenschlichkeit in einem Europa der Werte“ beklagte. Dies war ein Augenblick der Konzentration in einem unkonzentrierten Abend.

„maischberger. die woche“ im Ersten: Die „Schande bei der Polizei" bleibt unbesprochen

Davon abgesehen blieb Sandra Maischbergers Sendung auch an diesem Mittwoch die Talk-Show zum Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom: Flüchtlinge in Moria, Corona in Deutschland, Bob Woodward über Trump, die Bundesliga und das Weltklima waren die Hauptthemen, immerhin gestreift wurden auch noch Europa und Armin Laschets Chancen auf den CDU-Vorsitz. Alles in knapp 80 Minuten - da kann nichts weitergedacht werden, können Lösungen nicht mal angedeutet werden.

Um so auffälliger, dass eines der wichtigsten Themen der Woche fehlte: Hatte man in der letzten Sendung noch gleich sehr aktuell die Bilder vom brennenden Lager in Moria gezeigt und besprochen, vermied man jede Erwähnung der Pressekonferenz, bei der NRW-Innenminister Reul bereits am Morgen ein Neonazi-Netzwerk von Mühlheim und beim LKA aufgedeckt hatte. Über diese aktuelle „Schande bei der Polizei“ hätte man zwischen dem üblichen Corona-Für-und-Wider, den Flüchtlingsdebatten über „Pull-Effekte“ und den Klimadiskussionen über den Nutzen des Emissionshandels schon mal sprechen können.

„maischberger. die woche“ (ARD): Gesprächsfluss Fehlanzeige!

Warum fehlte das? Offenbar verkannte die Maischberger-Redaktion die Brisanz eines Themas, an der bereits zuvor die „Tagesthemen“ keinen Zweifel gelassen hatten. Dabei hätte die rechtsextreme Unterwanderung der Polizei gut zu einem Format gepasst, das eher funktioniert wie ein Stammtisch, wo jeder mal reinrufen darf, was ihm gerade einfällt. Gesprächsfluss Fehlanzeige!

maischberger. die woche“ befindet sich nach wie vor im Experiment-Modus, und leidet unter einer extremen Durch-Formatierung, die fortwährend Unruhe schafft und keine echte Diskussion aufkommen lässt. Immer wenn es spannend zu werden, setzt sich die Moderatorin um oder wird irgendwohin geschaltet, oder ein Filmchen abgespielt.

„maischberger. die woche“ (ARD): Schlagabtausch zwischen Asselborn und Mandl

Immerhin einen kleinen konzentrierten Schlagabtausch gab es bei Maischberger zwischen Jean Asselborn und dem österreichischen EU-Jungkonservativen Lukas Mandl, der Menschenrechte und Flüchtlingshilfen für „Nabelschau der Europäer“ hält. Die Verhältnisse in den Lagern an Europas Grenzen empörten Mandl nicht, sondern nur Asselborn polemische Bemerkung am Rande, „die Österreicher jodeln vielleicht“, andere engagierten sich. „Ich verstehe es nicht“ klagte Asselborn, nicht resignativ, sondern leidenschaftlich, „es ist das Heute, was zählt.“

Zuvor hatte Cicero-Chef Christoph Schwennicke nur vor dem „Pull-Effekt“ gewarnt, der aufkäme, falls Deutschland Flüchtlinge aufnehmen würde, während Sportreporter Marcel Reif, bevor er über die Bundesliga zu sprechen hatte, erklärte, dass „die Menschheit“ sich verliere, wenn sie in Moria nichts unternehme. Beim Thema Bundesliga waren sich Kaiserslautern-Fan Reif und Fußball-Verächter Schwennecke dann immerhin in einem einig: „Leidenschaft hat etwas mit Kontrollverlust zu tun.“

„maischberger. die woche“ im Erstens: „Die deutsche Seele müsste schauen, dass sie etwas flexibler wird.“

Etwas mehr solchen Kontrollverlusts wünschte sich Asselborn auch bei der deutschen Corona-Politik, und kommentierte eher undiplomatisch: „Unverhältnismäßig“ sei da so einiges, es würde mit Zahlen hantiert ohne den „Bezug zur Zahl der Tests und zur Zahl der Krankenhäuser“ herzustellen. Fazit: „Die deutsche Seele müsste schauen, dass sie etwas flexibler wird.“

Dem stimmte die deutsch-kroatische Autorin Jagoda Marinic zu. Auch sie hätte „leise Zweifel“ und riet den Deutschen zu „ein bisschen Demut“.

Am Ende der Sendung stand ein von Maischberger moderiertes Streitgespräch zwischen Sarna Röser vom „Bund Junger Unternehmer“ und dem Fridays-for-Future Aktivisten Jakob Blasel, der jetzt für die GRÜNEN in den nächsten Bundestag will. Allzuviel Streit gab es dann nicht, weil zum Charme der Jugend die Weisheit des routinierten Funktionärs trat: Röser wie Blasel machten Punkte, ohne ihr Gegenüber direkt anzugreifen, und vermieden alles, was vom Publikum zuhause als Bedrohung verstanden werden könnte.

Man solle bloß die Wirtschaft nicht vernachlässigen, warnte Röser, sonst „werden wir freitags ganz andere Demos erleben!“ Und der Emissionshandel, so Blasel sei „ein supertolles Instrument, nur lasch gestaltet“. Von Maischberger gefragt, ob er denn Kurzflüge oder Fleischverzehr verbieten wolle, betonte Blasel er wolle gar nichts verbieten, Konsumverzicht löse das Generationenproblem der Erderwärmung nicht. Hier haben die GRÜNEN erkennbar vom Veggie-Day-Debakel gelernt. (Von Rüdiger Suchsland)

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