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„Maischberger. Die Woche“ vom 06.10.2021
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„Maischberger. Die Woche“ vom 06.10.2021

TV-Kritik

Maischberger. Die Woche (ARD): Herbert Reul spricht über Maulwurf in der Union

Gibt es noch eine Chance für eine Koalition aus CDU, Grünen und FDP? Das diskutieren die Gäste bei Sandra Maischberger.

Berlin – Zum Einstieg des „Wochendurchblicks“ bei Sandra Maischberger (ARD) glaubt keiner der geladenen Kommentatoren so recht an eine strahlende Zukunft des CDU-Parteivorsitzenden Armin Laschet. Der Kabarettist Florian Schroeder, die Deutschlandradio-Korrespondentin Katharina Hamberger und der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank stimmen insgesamt darin überein, dass die aktuell eher wahrscheinliche Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und der FDP das Ende von Laschets Laufbahn bedeuten würde.

Im Gespräch mit dem ehemaligen Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir und dem kurz aus Düsseldorf zugeschaltetem NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erfragt Sandra Maischberger weitere Hintergründe zu den Regierungssondierungen. Özdemir ordnet das enttäuschende Wahlergebnis der Union aus CDU und CSU nicht als alleinigen Fehler des Kanzlerkandidaten Armin Laschet ein, sondern als „Gesamtkunstwerk“ aller Beteiligten. Nach sechzehn Jahren Angela Merkel sei ein Wechsel angesagt. Dass Özdemir nachfolgend von „Frau Laschet“ spricht, erscheint wahlweise als freudscher oder absichtlicher Versprecher.

Maischberger. Die Woche (ARD): Cem Özdemir spricht von „Frau Laschet“

Ferner mahnt der Grünen-Politiker Özdemir die „Verlässlichkeit“ der CDU-Gesprächspartner als hemmenden Faktor an, schließlich wurden Inhalte der Sondierungsrunde mit der FDP und den Grünen an die Bild-Zeitung durchgestochen. Auf Maischbergers Frage, wer in der CDU/CSU der „Maulwurf“ sein könne, antwortet Herbert Reul: Auf jeden Fall jemand, der „sein eigenes Interesse und seine Karrierepläne“ über die Zukunftsgestaltung Deutschland stelle. Reul will lieber über Inhalte sprechen und bricht eine Lanze für Laschet, den er als „vertrauenswürdigen“ Mann für eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen sieht.

„Wir führen keine öffentlichen Koalitionsgespräche“, entgegnet Cem Özdemir auf Maischbergers Frage, wo die rote Linie der Grünen liege – oder ob die Partei um jeden Preis regieren wolle. Özdemir will politische Kompromisse nicht „denunziert“ sehen und erkennt eine gute Chance darin, zusammen mit der SPD und der FDP eine „schöne Erzählung“ zu formen, bei der alle als Sieger dastehen – etwa eine ökologische Marktwirtschaft, die auf Modernisierung setze. „Ich will ein modernes Land“, sagt Özdemir, der bei „Maischberger. Die Woche (ARD)“ einen klaren, gewissermaßen weltmännischen Auftritt hinlegt.

Maischberger. Die Woche (ARD): Quo vadis, CDU?

Im Zwischengespräch mit den Kommentatoren will Sandra Maischberger Einschätzungen zu den widersprüchlichen Unions-Äußerungen des Tages hören: Wo Armin Laschet Hoffnung auf eine Jamaika-Koalition machte, schrieb der bayrische Ministerpräsident Markus Söder Jamaika samt Laschet ab. Die Journalistin Katharina Hamberger sieht in den „denkwürdigen“ Pressekonferenzen ein „Symptom des Zustandes der Union“ und vermutet, dass jemand in der CDU eine Jamaika-Koalition verhindern wolle. Rainer Hank fasst Söders Stichelei als Fortführung seiner Seitenhiebe im Wahlkampf auf. Und der Kabarettist Florian Schroeder sieht in der „historisch einmaligen Option“ nach dem Weggang Merkels eine große Gefahr, „dass sich die CDU zerlegt.“

Maischberger. Die Woche vom 06.10.2021 - Die Gäste
Cem ÖzdemirB’90/Grüne (ehem. Parteivorsitzender)
Herbert ReulCDU (Innenminister Nordrhein-Westfalen)
Karl LauterbachSPD (Gesundheitspolitiker)
Andreas Gassen Vorsitzender Kassenärztliche Bundesvereinigung
Florian Schroeder Kabarettist
Katharina HambergerHauptstadtkorrespondentin
Rainer HankKolumnist

Ein weiteres Thema der Woche waren die investigativ enthüllten „Pandora-Papers“ rund um die Steuerhinterziehung zahlreicher Spitzenpolitiker. Schroeder ärgert sich und sieht in den Steuertricks eine „asoziale Schweinerei“, Hank verweist darauf, dass viele der Tricks legal seien, wenngleich nicht legitim. Hamberger erhofft sich eine politische Reaktion auf die Enthüllungen, wenn die neue Regierung steht, immerhin gelte das „Steueroasenabwehrgesetz“.

Maischberger. Die Woche (ARD): Wann endet Corona?

Im abschließenden Debattengespräch zwischen Karl Lauterbach (SPD) und dem KBV-Vorsitzenden Andreas Gassen geht es um den möglichen Fortgang der Corona-Pandemie. „Viele denken, das Ding ist vorbei,“ erklärt Sandra Maischberger und zeigt Lauterbach das viral gegangene Foto seiner Fraktion, auf dem er als einziger von 206 Abgeordneten eine Mundnasenbedeckung trägt.

Lauterbach wiegelt ab und erwartet einen „schwierigen Herbst und Winter“. Es stünde ein Anstieg der Corona-Fallzahlen ins Haus: „Wir werden eine vierte Welle bekommen, die nicht ohne ist.“ Andreas Gassen sieht die Lage entspannter. Auf dem zitierten Foto erkennt er keinen Fehler der SPD-Fraktion – stattdessen hält er die Corona-Regelungen für überarbeitungswürdig.

Maischberger. Die Woche (ARD): Karl Lauterbach sieht Facebook als Quelle falscher Informationen

Die Impfquote sei „gar nicht so schlecht“, meint Gassen, und der skeptische Rest schwer zu überzeugen. Daher plädiert der Arzt für einen „Freedom Day“ mit einem Vorlauf von sechs bis acht Wochen, einen Tag also, an dem sämtliche Corona-Maßnahmen fallen sollen. Wo Gassen die Fürsorgepflicht des Staats am Ende sieht, mahnt Lauterbach, dass man Ungeimpfte, die eine Covid-Erkrankung unterschätzen, nicht „ins offene Messer laufen lassen“ dürfe. Als möglichen Grund für die Impfskepsis mancher sieht Lauterbach „fehlende Bildung“; auch Facebook nennt der Viel-Twitterer als Quelle falscher Informationen.

„Maischberger. Die Woche“ vom 06.10.2021

Grundsätzlich liegen Lauterbach und Gassen bei der Einschätzung der Gefährlichkeit des Coronavirus auseinander. Gassen sieht die Sterblichkeit als nicht so hoch wie anfangs befürchtet („Es ist nicht Ebola“) und beruft sich zum Verdruss Lauterbachs auf den umstrittenen Gesundheitswissenschaftler John Ioannidis aus den USA. Lauterbach warnt beim Thema Maskenpflicht an Schulen vor Long Covid bei Kindern, Gassen sieht Kinder unter 12 Jahren als nicht betroffen und verweist auf die fehlende Evidenz der Long-Covid-Symptome.

Als Sandra Maischberger wissen will, ab welchem Parameter die Pandemie vorbei sei, nennt Karl Lauterbach eine Impfquote der Gesamtbevölkerung von 85 Prozent als „absolutes Minimum“. Um das zu erreichen, will er 2G-Regelungen durchsetzen, die Andreas Gassen medizinisch ebenfalls als „sicherer“ einstuft, aber als gesellschaftlich kaum tragbar. Ob Karl Lauterbach mit seinem ewig mahnenden Corona-Kurs Gesundheitsminister werden kann, bleibt abzuwarten. Maischbergers diesbezügliche Abschlussfrage schmeichelt dem Politiker aber offensichtlich sehr. (Christian Horn)

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