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Es diskutieren der Intensivmediziner Professor Uwe Janssens und der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (li.).
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Es diskutieren der Intensivmediziner Professor Uwe Janssens und der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (li.).

TV-Talk

„Maischberger. Die Woche“ (ARD): Boris Palmer mit schiefem Vergleich über Corona-Tote und den Lockdown

  • Teresa Vena
    vonTeresa Vena
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In der Sendung „Maischberger. Die Woche“ in der ARD setzt Boris Palmer die bisherigen Opfer der Corona-Pandemie mit zerstörten Existenzen infolge des Lockdowns gleich.

  • Beim Talk „Maischberger. Die Woche“ (ARD) ist der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) zu Gast.
  • Boris Palmer plädiert bei Maischberger in der ARD dafür, nicht nur den Inzidenzwert in den Blick zu nehmen.
  • Die Gäste in der ARD diskutieren über den verlängerten Lockdown und neue Corona-Impfstoffe.

Berlin – Im Anschluss an die heutige Ministerpräsidentenkonferenz, die eine Verlängerung des Lockdowns auf den 7. März beschlossen hat, diskutierte man bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) genau über diese aktuelle Lage in der Corona-Pandemie. Als Gäste kamen die Journalistinnen Anette Dowideit und Anna Mayr, der TV-Moderator und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt, der Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer, Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens und ehemaliger ARD-Russland-Korrespondent Udo Lielischkies zusammen.

Angesichts der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen gaben sich die Anwesenden bei Maischberger in der ARD enttäuscht über die Kommunikation und Handhabe seitens der Politik. Markus Söders griffigen Spruch „Zumachen erfordert Mut, Aufmachen erfordert Klugheit“, den er bei zuvor stattgefundenen Konferenz äußerte, stieß auf Unverständnis. Genau an dieser Klugheit und Fantasie fehle es der Regierungsebene, bemängelte Anna Mayr. Nach kreativeren Lösungen im Vergleich zum bisher verfolgten einzigen Auf-und-Zu-Prinzip werde erst gar nicht gesucht.

Maischberger (ARD) und der Corona-Lockdown: Fahrlässiger Umgang mit Gesundheit der Kinder

Ihre Meinung teilten auch Hubertus Meyer-Burckhardt und Anette Dowideit. Meyer-Burckhardt äußerte seine Bedenken, dass es den wichtigsten Entscheidungsträgern - darunter zählte er an höchster Stelle die Bundeskanzlerin, den Gesundheitsminister und den Wirtschaftsminister -, schlichtweg an der praktischen Erfahrung mangle, um die Härte der Situation beurteilen zu können. Keiner von ihnen habe Kinder noch jemals die Verantwortung für ein Unternehmen getragen. Die Pauschalisierung der Argumentation führe zu Fehleinschätzung und Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen, bestärkte Dowideit bei Maischberger in der ARD.

Sie habe vor allem schockiert, dass mit der anhaltenden Schließung von Kitas und Schulen mit der Gesundheit der Kinder fahrlässig umgegangen werde. Dies sah Meyer-Burckhardt im ARD-Talk von Sandra Maischberger ähnlich und bemängelte, dass seit Beginn der Gesundheitskrise der Kinderschutzbund nie zur Beratung herangezogen wurde. Deutschland verhalte sich in diesem Punkt anders als Frankreich, wo das Interesse und Augenmerk eindeutig auf dem Wohl der Kinder liege.

„Maischberger. Die Woche“ in der ARD: Soziale Funktion der Friseure im Lockdown

An Ideen, mit der Situation differenziert umzugehen, fehle es in erster Linie. Es sei nicht begründbar, wieso körpernahe Berufe wie Friseure bereits wieder als erste auf eine Öffnung hoffen könnten, während Kinos oder Theater weiterhin geschlossen bleiben müssten, meinte Meyer-Burckhardt. Wieso finde Unterricht beispielsweise nicht genau dort statt, da diese Orte dafür geeignet sein könnten? Dowideit brach darauf hin der ARD-Sendung eine Lanze für die Friseure. Man könnte glauben, dass es sich dabei um ein Luxusproblem handle, wenn man nicht mehr zum Haareschneiden gehen könne. Doch übten Friseure auch eine soziale Funktion aus, denn sie seien für viele, gerade ältere Menschen vielfach der einzige soziale Kontakt. Zudem würden sie die Unzufriedenheit aller etwas verbessern.

Mit dem Intensivmediziner Uwe Janssens und dem Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer konfrontierten sich die Vertreter zweier unterschiedlicher Haltungen gegenüber der angestrebten Lockerungsmaßnahmen der Regierung. Janssens gab bei Maischberger in der ARD zu bedenken, dass ein Inzidenzwert von 50 noch vor Monaten als Oberwert angesehen wurde, während er jetzt als Unterwert gelte, nach dem die Öffnung der verschiedenen Lebensbereiche bestimmt werden soll. Er hält es für verantwortungslos, angesichts der zu befürchtenden Verbreitung der Virusmutationen an eine Lockerung der Maßnahmen zu denken. 20 % der Neuinfektionen im Großraum Köln seien bereits auf Mutationen zurückzuführen und könnten wie in England und Irland an der Basis eines explosionsartigen Anstiegs stehen.

Die Gäste von Maischberger in der ARD im Überblick:

Prof. Dr. Uwe JanssensIntensivmediziner
Boris PalmerOberbürgermeister von Tübingen (Grüne)
Tal ZaksChefmediziner Moderna
Udo Lielischkiesehemaliger ARD-Russland-Korrespondent
Hubertus Meyer-BurckhardtTV-Moderator
Anna MayrHauptstadtkorrespondentin „Die Zeit'“
Anette Dowideit„Welt“-Investigativreporterin

Boris Palmer bei Maischberger (ARD): Zerstörte Existenzen durch Corona-Maßnahmen ernst nehmen

Von dieser Angst will sich Boris Palmer allerdings nicht mehr leiten lassen. Für ihn sind die zerstörten Existenzen, die die Corona-Maßnahmen verantworten, genauso dramatisch zu sehen wie die zu beklagenden Opferzahlen. Für Palmer ist der Inzidenzwert nicht der Maßstab, nach dem weitere Handlungen vorgenommen werden müssen. Entscheidend sei die Verfügbarkeit der Intensivbetten. Solange diese gewährleistet sei, könnten auch Bereiche des sozialen Lebens wieder aufgenommen werden, so der Politiker bei Maischberger in der ARD.

Hier widersprach Janssens heftig, denn habe man es mit Krankheitsverläufen zu tun, die eine Behandlung in der Intensivstation erst notwendig machten, könne die Hilfe für die Patienten bereits zu spät kommen. Man vergesse, dass die Intensivstation für die allgemeine Behandlung der Bevölkerung gedacht sei und diese auch abseits von Corona benötigt werde, warf er ein. Im Übrigen gab er im Maischberger-Talk in der ARD zu bedenken, dass dies auf eine weitere Überbelastung des Pflegepersonals hinauslaufe und man damit riskiere, dass dieses irgendwann „wegbreche“. Palmers Herangehensweise könne man durchaus vertreten, meinte Janssens weiter, doch dann müsse die Gesellschaft bereit sein, die Konsequenzen in Kauf zu nehmen, die auf eine wieder steigende Sterblichkeitsrate hinauslaufe.

Maischberger (ARD): Boris Palmer, Oberbürgermeister einer Corona-Vorzeigestadt?

Worüber sich beide einig waren und worin auch die restlichen Gäste einstimmten, war die Notwendigkeit, in allen Bereichen eine höhere Frequenz an Tests zu gewährleisten. Tübingen gelte in dieser Hinsicht als eine Vorzeigestadt, meinte Janssens, da an den Schulen bereits mehrfach wöchentlich getestet würde. An die Verhältnisse in Südkorea, wo eine effiziente Kontaktverfolgung stattfinde, oder in Israel, wo bereits 60 Prozent der Bevölkerung geimpft wurde, während es in Deutschland erst 3,8 Prozent seien, komme Deutschland nicht annähernd heran, kamen die Anwesenden bei Sandra Maischberger in der ARD überein. Dies läge an einem, seiner Meinung nach, übertriebenen Verständnis von Datenschutz, meinte Palmer. Janssens stimmte dem zu, doch gab er auch zu bedenken, dass das föderalistische Regierungssystem Deutschland ebenfalls seine Schwächen habe, wenn es um eine einheitliche Krisenbewältigung gehe.

Ob also weiterhin die einzig wahre Hoffnung auf dem Impfstoff liege, wollte Sandra Maischberger wissen. Damit ebnete sie den Weg für eine neue Diskussion, die zur Schlussfolgerung führte, die Politik habe darin versagt, einen effizienten Impfplan aufzustellen. Deutschland habe zu lange gehadert, stellte Dowideit fest, und sich nicht genug Impfstoffe gesichert. Anders als Israel habe Deutschland nicht den Schutz seiner Bevölkerung als oberste Priorität vorgesehen, sondern finanzielle Erwägungen, bestätigte Mayr. Meyer-Burckhardt warf zudem ein, dass es auch nicht reiche, an sich selbst zu denken, sondern man eben auch für ärmere Länder wie in Afrika und Lateinamerika mitbestellen müsse, um die eigene Lage abzusichern.

Hoffnungsschimmer bei Maischberger (ARD): Zwei neue Corona-Impfstoffe in Sicht

Einen leichten Hoffnungsschimmer brachte die ARD-Sendung, als das Gespräch auf die bevorstehende Zulassung von zwei neuen Impfstoffen kam. Zum einen stehe bald das Präparat von Moderna zur Verfügung, wie dies der aus Boston zugeschaltete Entwickler Tal Zaks bestätigen konnte. Moderna sei auch für Mutationen wirksam, da es auf der MRNA-Technologie beruhe, die eine schnelle Anpassung des Stoffes ermögliche.

Zum anderen sehe man auf den Impfstoff aus Russland, Sputnik 5. Um das angespannte Verhältnis zwischen Deutschland und Russland zu beschreiben, lud Maischberger den ehemaligen ARD-Russlandkorrespondenten Udo Lielischkies ein. Seiner Meinung nach müsse der Handel zwischen den beiden Ländern aufrechterhalten werden. Darüber waren sich die Anwesenden einig. Jetzt diesen Impfstoff boykottieren zu wollen, sei in der aktuellen Situation das denkbar schlechteste Zeichen, dass die deutsche Politik ihrer Bevölkerung geben könne, meinte Anna Mayr abschließend. (Teresa Vena)

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