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Verkehrsminister Andreas Scheuer zu Gast bei Sandra Maischberger.
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Verkehrsminister Andreas Scheuer zu Gast bei Sandra Maischberger.

TV-Kritik

„Maischberger. Die Woche“ (ARD): Heiko Maas wird zum „Verlierer der Woche“

  • Peter Hoch
    VonPeter Hoch
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Bei „Maischberger. Die Woche“ im Ersten ist zentraler Punkt ein Interview mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Berlin - Es gibt wohl schönere Dinge, die man sich zum Geburtstag wünschen kann, als ein Treffen mit Andreas Scheuer von der CSU. Der feste Mittwochprogrammplatz ihrer Sendung in der ARD hat es in diesem Jahr aber nun einmal so bestimmt und Sandra Maischberger präsentiert sich zum 55. mit einem Lächeln im Gesicht, gut vorbereitet und schlagfertig, wenn es darum geht, die selbstgefälligen Statements des umstrittenen Bundesverkehrsministers zu kommentieren.

Das und die anderen geladenen Gäste – die Journalismus-Kolleg:innen Antonia Rados, Gabor Steingart und Hans-Ulrich Jörges sowie der sympathische Olympia-Ringer Frank Stäbler und die Long-Covid-Spezialistin Dr. Jördis Frommhold – sorgen am Ende fürs Gelingen der „Gesamtparty“, wenngleich deren Motto-Mix natürlich ein gewohnt ernsthafter ist.

„Maischberger. Die Woche“: Deutsches Staatsversagen in Afghanistan

Einstieg in die Sendung „Maischberger. Die Woche“ bei der ARD ist die dramatische, unberechenbare und dynamische Lage in Afghanistan, die seit über einer Woche wohl weltweit das Thema der Stunde ist. Maischbergers Kommentator:innen skizzieren den aktuellen Stand der Dinge und werfen der Politik ziemlich unisono völliges Staatsversagen vor. RTL-Auslands-Chefreporterin Antonia Rados ist vor allem für den ersten Teil zuständig. Sie freut sich zwar für diejenigen, die es in Kabul in eines der Flugzeuge geschafft haben.

Gleichzeitig prangert sie aber auch am Beispiel von etwa einhundert Afghaninnen, die in den vergangenen Jahren für Nichtregierungsorganisationen gearbeitet haben, an, dass es noch jede Menge Menschen gebe, denen die Ausreise wohl fürs Erste verwehrt bleibe und die in großer Gefahr seien. In manchen Gegenden würden Entscheidungen von den jeweiligen Taliban-Kämpfern zwar womöglich vergleichsweise gemäßigt gefällt, in anderen drohten hingegen drakonische Scharia-Strafen. Vieles werde sich im Land nun ändern, die neuen Machthaber würden dem Westen versuchen, Bedingungen zu diktieren und zumindest auf Zugeständnisse müsse man sich wohl auch einlassen.

„Maischberger. Die Woche“ vom 25.08.2021 - Die Gäste
Andreas Scheuer Bundesverkehrsminister, CSU
Frank StäblerRinger und Olympia-Bronzemedaillengewinner
Dr. Jördis FrommholdLungenfachärztin
Antonia RadosJournalistin
Hans-Ulrich Jörges Journalist
Gabor SteingartJournalist

Ex-„Stern“-Autor Hans-Ulrich Jörges bringt es auf den Punkt: Die Bundesregierung habe sich im Jahr der Bundestagswahl 2021 um die Aufnahme neuer Flüchtlinge herumdrücken wollen und deshalb nicht schon vor Monaten zuerst die Evakuierungen und dann erst den Truppenabzug durchgeführt. Das Auswärtige Amt und dessen Minister Heiko Maas sind für Jörges dann auch die „Verlierer der Woche“ – seiner Ansicht nach sollte der SPD-Politiker keiner ab Ende September wie auch immer zu bildenden Bundesregierung mehr angehören.

Gabor Steingart äußerst sich ähnlich und benennt mit Maas, Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und BND-Chef Bruno Kahl die drei hauptverantwortlichen Köpfe, die nur per Zufall und politische Vabanquespiele auf ihre Posten gekommen seien, nicht durch Ressortkompetenz. Aber auch die am maßgeblichsten für die Entwicklungen verantwortlichen US-Präsidenten – der alte wie der neue – bekommen ihr Fett weg: Donald Trump, der den Truppenabzug 2020 überhaupt erst eingefädelt hatte und die desaströse Umsetzung jetzt mit erwartbarem Kalkül dem politischen Gegner vorwirft, aber auch Joe Biden, der die Pläne seines Amtsvorgängers hätte stoppen oder anders handhaben können, wenn er denn nur gewollt hätte.

„Maischberger. Die Woche“: Rezo und Andreas Scheuers Achillesferse

Themenwechsel und Auftritt Andreas Scheuer, der Maischberger zunächst zum Geburtstag gratuliert. Der Maut-Minister zeigt sich allerdings alles andere als glücklich über Ausschnitte aus der „heute-show“ und dem Kanal von YouTuber Rezo, in denen er mit Häme und Kritik überschüttet wird. Dennoch macht er klar: er will seinen Job unbedingt weitermachen, wenn man ihn denn nur lässt. Die Investitionen in die Infrastruktur im Land hätten sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Durch den von ihm verantworteten Haushalt werde 2022 erstmals mehr Geld in die Schiene gesteckt, als in den Straßenverkehr. Beim Ausbau des Telekommunikationsnetzes sei ihm die Problematik der unendlich langsamen Genehmigungsverfahren bewusst und ein Dorn im Auge – hier müsse man dringend schneller werden, was 2019 durch Ausbauverpflichtungen für die Anbieter auch angestoßen worden sei. Scheuers Argumentation ist bis hierhin sogar recht schlüssig.

Das ändert sich jedoch, als Maischberger auf seine Achillesverse zu sprechen kommt: die vor dem Europäischen Gerichtshof krachend gescheiterte Pkw-Maut. 500 Millionen Euro aus Steuergeldern seien möglicherweise verheizt worden, weil Scheuer frühzeitig Verträge unterzeichnet habe, obwohl noch nichts in trockenen Tüchern gewesen sei, so die angriffslustige Moderatorin. Hier verweist der CSU-Minister auf die Absicht des Bundes, schadlos aus dem noch laufenden Schiedsverfahren hervorzugehen und seine Absolution durch den Untersuchungsausschuss. Maischberger rückt bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) das meiste davon jedoch zurecht und benennt Unstimmigkeiten und zweifelhafte Vorgehensweisen, die besser im Gedächtnis bleiben, als die unreflektierten Selbstbeweihräucherungs- und Erklärungsversuche des Ministers.

„Maischberger. Die Woche“: Ein bisschen Wahl muss sein

Das Interview endet mit dem Thema Kanzlerschaft, womit Scheuer verabschiedet wird und stattdessen die Journalist*innen wieder aktiv werden dürfen. Hans-Ulrich Jörges sieht eine Vorstufe zur Wahlniederlage von CDU/CSU, weil Armin Laschet von seiner Partei alleine gelassen werde und nennt ihn einen „Nebelkandidaten“, der zwar sympathisch auftrete, aber ideenlos sei und die Menschen nicht mobilisieren könne. Auch die Grünen hätten mit Annalena Baerbock die falsche Kandidatin aufgestellt und Olaf Scholz und die stumm begeisterte SPD vor allem deshalb Chancen, weil die Konkurrenz nicht zünden würde.

Zur Sendung

„Maischberger. Die Woche“ (ARD) vom 25.08.2021, 23.05 Uhr- Die Sendung in der ARD-Mediathek.

Gabor Steingart sieht den Wahlausgang offener und wähnt Laschet als Mann der Mitte nicht aus dem Rennen – immerhin sei es die Mitte, die die Bundestagswahl entscheide. Die Grünen würden „sich berappeln“ und mit ihren Kernthemen punkten, während Scholz tatsächlich derjenige sei, der sich zumindest in jüngerer Zeit keine Fehltritte geleistet habe und deshalb aktuell so viel Aufwind erfahre. Die Österreicherin Antonia Rados wiederum bezieht die Lage ihres Heimatlandes in ihr Statement mit ein. Dort bilden seit 2020 die Grünen mit der konservativen ÖVP die Regierung. Wie in Deutschland würden erstere dort aber keine eigene Kontur entwickeln, weil einst grüne Themen inzwischen von allen Parteien, selbst den Konservativen, in Anspruch genommen würden.

„Maischberger. Die Woche“: Das Phänomen Long Covid

Zum Finale geht es dann noch einmal um die Corona-Pandemie, diesmal um Menschen, die unter „Long Covid“ leiden, also an Langzeitfolgen nach einer durchgestandenen Covid-19-Erkrankung. Rede und Antwort stehen Sandra Maischberger die Lungenfachärztin Dr. Jördis Frommhold und der Ringer Frank Stäbler, der bei den Olympischen Spielen vor drei Wochen die Bronzemedaille gewann. Er erkrankte im Oktober an Covid-19, hatte aber nur leichte Symptome und begann nach zweiwöchiger Auszeit wieder mit dem Training. Bei einem Leistungstest bekam er dann jedoch Atemnot und es wurde festgestellt, dass sich sein Lungenvolumen um zwanzig Prozent verringert hatte. Mit Hilfe einer langwierigen Atemtherapie gelang es dem Profisportler, seine Long-Covid-Symptome in den Griff zu bekommen und sich in Tokio zum Karriereende seinen Lebenstraum zu erfüllen.

Dr. Jördis Frommhold ergänzt seine Schilderungen: Probleme mit der Atemhilfsmuskulatur seien relativ gut behandelbar, schwieriger sei dies bei Erschöpfungs-Symptomen oder auch kognitiven Aussetzern. Betroffen von Long Covid seien in etwa zehn Prozent aller Erkrankten. Die Abkehr von den Inzidenzwerten sieht sie ambivalent: Einerseits sollten Faktoren wie Hospitalisierungen und Intensivbettenbelegungen eine wichtige Rolle spielen. Andererseits müsse die Politik den Gefahren durch Long Covid endlich Beachtung schenken – immerhin seien hiervon oft 20- bis 50-jährige, eigentlich mitten im Leben stehende und arbeitende Menschen betroffen, die sich um Kinder und Angehörige kümmern müssten, dies aber längere Zeit nicht mehr könnten. Mit diesem eindringlichen Schlusswort der Ärztin beendet Sandra Maischberger etwas abrupt und mit dem „Nachtmagazin“ im Nacken ihre Sendung „Maischberger. Die Woche“ (ARD) – und darf im Anschluss hoffentlich noch etwas Geburtstag feiern. Ohne Andreas Scheuer, versteht sich. (Peter Hoch)

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