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Boris Palmer, OB von Tübingen, mit radikaler Haltung zur Corona-Impfpflicht.
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Boris Palmer, OB von Tübingen, mit radikaler Haltung zur Corona-Impfpflicht.

TV-Talk in der ARD

Palmer fordert bei Maischberger 5000 Euro Strafe für Ungeimpfte - „Hätten 98 Prozent Quote“

  • Teresa Vena
    VonTeresa Vena
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Die Omikron-Welle hat Deutschland erreicht und heizt die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht an – auch bei Maischberger. Die Woche im Ersten.

Berlin - Die Welt-Nummer 1 im Tennis gilt bei Maischberger. Die Woche in der ARD als Verlierer der Woche. Die Gäste der Moderatorin, nämlich selbst TV-Moderator Jörg Pilawa, der Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen und die Journalistin bei der FAZ Helene Bubrowski, waren sich am 12. Januar 2022 einig, dass Navok Djokovic sich die Teilnahme am Turnier in Australien erschleichen und sich über geltende Gesetze, vermutlich aus Hochmut, hinwegsetzen wollte. Insbesondere aus Bubrowskis Aussagen war die Enttäuschung herauszuhören, dass ein berühmter Sportler, die Vorbildfunktion, die man ihm gerne zuschreiben möchte, diese nicht zwangsläufig erfüllt.

Damit spannte sie den Bogen zu den polarisierenden Demonstrationen, die sich in den letzten Wochen und Tagen in Deutschland formierten, um ihren Unmut gegen die Corona-Maßnahmen und eine drohende Einführung der allgemeinen Impfpflicht auszudrücken. Für Jörg Pilawa seien sie eine Folge der fehlgeleiteten Politik der letzten eineinhalb Jahre: „Die Politik hat viel geredet und viele Menschen sind tief verunsichert.“

Maischberger.Die Woche (ARD): Impfen als Mittel gegen Corona Konsens

Sowohl für Helene Bubrowski als auch für Markus Feldenkirchen sei das eine gefährliche Entwicklung. Feldenkirchen sagte bei Maischberger. Die Woche in der ARD: „Ein Teil der Demonstrierenden führt einen rechtsmotivierten Protest an. Das sind Leute, die bereits 2015 auf die Straße gingen, um gegen die Flüchtlingspolitik zu protestieren.“ Jetzt hätten sie aber etwas Konkreteres in der Hand: „Sie wissen, dass wir sie brauchen und sie verweigern sich ganz bewusst.“, meinte er weiter.

Dass man sich impfen lassen soll, steht für die Anwesenden bei Sandra Maischberger im Ersten außer Frage. Unsicher sind sie sich eher darüber, wie schnell und effektiv sich das Impfen auf den Verlauf der Pandemie und die Dynamik des gesellschaftlichen Lebens auswirken werde. Mit fast schon brutaler Offenheit begegnete die Virologin Prof. Helga Rübsam-Schaeff diesen Fragen: „Omikron ist nicht harmlos“, meinte sie zunächst.

Maischberger. Die Woche (ARD): Nach Omikron weitere Virusvariante möglich

Es stimme, dass die Menschen daran weniger schwer erkranken, trotzdem landeten viele Menschen im Krankenhaus. „Man muss davon ausgehen, dass man dem Virus nicht ausweichen kann.“ An einer Corona-Impfung komme man aber trotzdem nicht vorbei, denn „der Schutz vor schwerer Krankheit funktioniert“. Und das sei, ihrer Meinung nach, das Ziel, das man mit der Impfung verfolgen sollte. „Der Grund für eine Impfung muss sein, die Krankenhäuser und Leichenhallen freizuhalten.“

Sicher ist sich Rübsam-Schaeff, dass die Impfung allein nicht aus der Pandemie führen wird. Sie setzt auf Medikamente, die bereits kurz vor ihrem Einsatz stünden, und die insbesondere Risikopatienten zuverlässig behandeln könnten. „Die Medikamente können der Pandemie viele Schrecken nehmen“, sagte sie. Die Virologin gab aber auch zu, dass sie glaube, dass nach Omikron sehr wahrscheinlich eine weitere Virusvariante kommen werde, und die Impfstoffe angepasst werden müssten.

„Maischberger. Die Woche“ (ARD)Die Gäste der Sendung
Boris PalmerB‘90/Grüne (Oberbürgermeister von Tübingen)
Linda TeutebergFDP (Bundestagsabgeordnete)
Prof. Helga Rübsamen-Schaeff Virologin
Jörg Pilawa Moderator
Helene Bubrowski FAZ
Markus Feldenkirchen Der Spiegel

Die wahre Bombe ließ sie schließlich dann platzen, als Sandra Maischberger sie fragte, wann ihrer Meinung nach die Pandemie zu Ende sein werde. „Wir müssen mit fünf Jahren rechnen“, gab sie bekannt. Ob Maischbergers Überraschung echt oder gespielt war, sei dahingestellt, doch hatte die Aussage eindeutig ihre ernüchternde Wirkung. Da half es auch nicht wirklich, dass Rübsam-Schaeff ergänzte, „zwei Jahre haben wir schon hinter uns“ und „ich erwarte, dass wir im nächsten Winter deutlich weiter sein werden“.

Maischberger. Die Woche (ARD): Boris Palmer (Grüne) Gast beim Corona-Talk

Mit Sicherheit war es nicht die Aufgabe der Virologin, in der Sendung in der ARD falsche Versprechen zu machen – dafür sei die Politik zuständig, wie es später Boris Palmer wenig charmant ausdrückte – oder mit waghalsigen Spekulationen für die allgemeine Beruhigung zu sorgen. Im Gegenteil hat sie mit ein paar trockenen Fakten die momentane Lage mittelfristig als ausweglos geschildert. Und auch, dass es ohne Impfung, das stellte sie klar, es keine Entspannung geben werde. Allen Menschen, die daran zweifeln, erwidert sie „der Nutzen, der eine Impfung bringt, ist höher als jede denkbare Nebenwirkung“. „Ich halte eine Impfpflicht für sinnvoll“, meinte sie schließlich.

So präzise auch Prof. Rübsam-Schaeff argumentierte, so wässrig und kaum zielführend gestaltete sich die Diskussion im Anschluss zwischen Boris Palmer von den Grünen und Linda Teuteberg von der FDP. Bei Maischberger. Die Woche im Ersten konfrontierten sie sich zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht, wie sie Bundeskanzler Olaf Scholz vorgeschlagen hat.

Zur Sendung

„Maischberger. Die Woche“ vom Mittwoch, 12. Januar 2022 um 22.50 Uhr im Ersten. Die Sendung im Netz.

Während Palmer seine Position für die Impfpflicht vielseitig verteidigte - „wir diskutieren so lange, bis es zu spät ist. Wenn die Omikronwelle durch ist, brauchen wir die Impfpflicht nicht mehr. Wir müssen jetzt Ergebnisse liefern“ - argumentierte Teuteberg gegen eine Impfpflicht. Sie vertrat konstant das Konzept der „körperlichen Unversehrtheit“ als höchstes menschliches Recht, das zunehmend zur Worthülse wurde.

Boris Palmer hingegen vertrat seine Positionen denn auch gewohnt zugespitzt. Er forderte bei Maischerber. Die Woche bei Einführung einer allgemeinen Impfpflicht hohe Bußgelder: „Wenn die Leute wüssten, es kostet 5000 Euro, ungeimpft zu sein, dann hätten wir 98 Prozent Impfquote“, sagte Palmer in der ARD-Talksendung.

Der Grünen-Politiker begründete seine Haltung damit, dass er nicht an den Erfolg einer weiteren Imfpkampagne glaubt. „Wir haben alles getan, die Argumente liegen alle auf dem Tisch. Jetzt überzeugen wir kaum noch jemanden zur Erstimpfung. Und deswegen kommen ich zum dem Schluss: Weil die Quote nicht reicht, ist die Impfpflicht jetzt die richtige Antwort.“
 

Diskussion bei Maischberger. Die Woche (ARD): Corona-Impfpflicht eher gering

Da diese Diskussion als exemplarisch gelten kann, lässt sich eigentlich davon ausgehen, dass die Gefahr, dass eine Corona-Impfpflicht tatsächlich beschlossen wird, gering ist. Vielleicht kommt sie irgendwann, wenn alle Für und Wider, die ganze Verfassungskonformität geprüft und neben der politischen auch die rechtliche und praktische Machbarkeit durchleuchtet wurde, doch dann könnte es, wie es Jörg Pilawa zum Schluss sagte, „vielleicht schon zu spät sein“. Die Drohung einer Einführung scheint zumindest nicht unmittelbar. (Teresa Vena)

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