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Wer zahlt die Zeche im Ukraine-Krieg?

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Von: Tina Waldeck

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Bei Sandra Maischberger diskutieren die Gäste über den Ukraine-Krieg.
Bei Sandra Maischberger diskutieren die Gäste über den Ukraine-Krieg. (Screenshot) © ARD

Bei „maischberger.die woche“ diskutieren die Gäste in der ARD über die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges in Deutschland. 

Berlin – Am 3. Mai war der „Oppositionsführer“ Friedrich Merz in Kiew. „Auf Deutschland ruhen viele Hoffnungen“, ist da von ihm zu hören und: „Deutschland muss eine Führungsrolle einnehmen.“ Nach Theo Koll, einer der Gäste bei „maischberger. die woche“ (ARD), füllt er gerade ein Vakuum, das der deutsche Bundeskanzler auf der politischen Bühne hinterlässt. Aber Olaf Scholz (SPD) wolle ja nicht in die Ukraine, nachdem Frank-Walter Steinmeier dort wieder ausgeladen wurde. So eine „beleidigte Leberwurst“. Botschafter Andrij Melnyk, von dem diese Beleidigung wiederum kam, ist bekannt dafür, „dass er nicht sehr diplomatisch redet“, erklärt Hannah Bethke bei Sandra Maischberger.

Sascha Lobo hat da nicht nur überraschende Sympathien für Friedrich Merz (CDU), sondern kann auch den ukrainischen Botschafter verstehen. Dieser agiert zwar ruppig, aber das hänge seiner Meinung nach damit zusammen, dass es sich Deutschland viel zu lange sehr bequem gemacht hat. Bei so eine Situation, die die Ukraine gerade erdulden muss, können „nationalen Befindlichkeiten auch einfach mal hinuntergeschluckt werden.“ An der Spitze der Beliebtheitsskala stehen sowieso gerade weder rot noch schwarz, sondern gleich dreimal grün: Robert Habeck, Annalena Baerbock und Cem Özdemir zählt Sandra Maischberger (ARD) auf. Und das, obwohl besonders Robert Habeck aktuell auch unbequeme Dinge verkünden muss.

„maischberger. die woche“ (ARD): Sie reden nicht um den heißen Brei herum

Auch wenn Sascha Lobo sich bei „maischberger. die woche“ bedeckt hält: Jetzt mag die Stimmung aufgrund der klaren Kommunikation für die Grünen noch gut sein, aber vieles kommt erst wirklich in den Köpfen an, „wenn man es auch spürt“. Und die, die jetzt sagen, „sie können ja auch mal kalt duschen“, sind nicht jene, die am Ende frieren werden. Wahrscheinlich wird es die sozial Schwächeren treffen, die irgendwann in der Summe der Preissteigerungen nicht mehr wissen werden, wie sie die Kosten tragen sollen. Da hilft auch kalt duschen nicht mehr viel. Theo Koll sieht in der ARD Deutschland auf dem Weg in ein „völlig neues Phänomen“: Denn in der Bundesrepublik gab es seiner Ansicht nach noch nie einen „Wohlstandsverlust“, sondern immer nur einen permanenten Anstieg dessen. Erst jetzt sind die Prognosen deutlich, dass die Wirtschaft leiden wird.

Gäste bei Sandra Maischberger am 4. Mai
Theo KollLeiter des ZDF-Hauptstadtstudios
Hannah BethkeJournalistin
Sascha Lobo Spiegel-Kolumnist und Autor
Cem ÖzdemirBündnis 90/Die Grünen

Und viele machen sich auch „noch keinen rechten Begriff davon, was Verzicht eigentlich bedeutet“, überlegt Hannah Bethke bei „maischberger. die woche“. Aber es gibt doch jetzt schon genug Menschen, die im Geldbeutel spüren, „dass der Krieg bei uns angekommen ist“, widerspricht Sandra Maischberger und wendet sich nun einem der erwähnten Grünen zu: Cem Özdemir.

Die Strategie Russlands ist es, die Landwirtschaft in der Ukraine zum Erliegen zu bringen und damit zu verhindern, dass die Ernte aus dem letzten Jahr mit Schiffen hinaustransportiert werden kann, kommuniziert auch dieser deutlich. Das erzeugt Instabilität und das heißt: auch Deutschland muss aktiv daran arbeiten, die Stabilität und die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu gewährleisten. Da geht es nicht um Wohlstand, sondern ums Überleben.

„maischberger. die woche“ (ARD) zum Ukraine-Krieg: „Es ist Zeit, aufzuwachen“

Deutschland muss sich so schnell wie möglich von der Abhängigkeit zu Wladimir Putin lossagen, auch wenn dies vorübergehende Geschäfte mit den anderen „kleinen Putins“ bedeutet, findet Cem Özdemir klare Worte bei Sandra Maischberger. Denn damit kann auch dem Diktator in Russland gezeigt werden, dass das Gegenteil von seiner Einschätzung passieren wird: Dass er innerhalb von wenigen Stunden die Ukraine komplett überrollt und der Westen überfordert, panisch und gespalten reagiert. Russland muss verstehen, dass Europa geschlossener ist, als es den Anschein hat: Trotz der „faulen Eier“ wie Ungarn, die zu Russland eine ganz andere Sicht haben, und der Nato-Länder, die mit allen Seiten Geschäfte machen, wie der Türkei.

Heute sind die Grünen „die Partei, die unbedingt Panzer liefern will“: Wundert ihn das nicht auch manchmal, fragt Sandra Maischberger. Viele kritisieren, „jetzt haben die Grünen eine andere Position. Das stimmt nicht“, ärgert sich Cem Özdemir da. Fast 50 Prozent waren auf dem Parteitag der Grünen damals für Waffenlieferungen an die Kurden im Kampf gegen den IS. Es gibt manchmal nur zwei Möglichkeiten: Entweder selbst einzugreifen – und das geht in der Ukraine nicht, denn dann wäre Deutschland eine Kriegspartei und die Eskalation würde sich noch weit über die Ukraine hinaus steigern – oder diesen Menschen zu helfen, sich selbst zu verteidigen.

„maischberger. die woche“ (ARD) zum Ukraine-Krieg: Putin muss Machtbasis verlieren

Ein Ignorieren wäre Beihilfe zu Mord. Vielleicht sogar zum Völkermord. Russland muss „so hart in die Mangel genommen“ werden, dass Wladimir Putin in seiner Machtbasis einsieht: „Es wird keinen Sieg geben“, verteidigt der Bundeslandwirtschaftsminister seine Position bei „maischberger. die woche“ vehement. Und das sei auch im Sinne von allen, denn: „Wenn der Krieg weiter geht, dann werden die Preise noch weiter steigen.“

Zur Sendung

Sehen Sie hier die Sendung von Sandra Maischberger in der ARD-Mediathek.

Ist es also doch sinnvoll, einen Notfall-Vorrat anzulegen, hakt Sandra Maischberger sofort nach. Dieser Ratschlag ist ja nicht neu, verweist Cem Özdemir auf die Webseite der Grünen, wo dies schon länger als Empfehlung geschrieben steht: Für den eigenen Bedarf sollte immer ein Grundvorrat zu Hause sein. Aber das hat nichts mit Horten oder Hamstern zu tun! Eine Verknappung gibt es derzeit nicht nur bei Sonnenblumenöl, sondern auch bei Mehl: Dabei bezieht Deutschland das Mehl gar nicht aus der Ukraine.

„maischberger. die woche“ (ARD) zum Ukraine-Krieg: Getreide darf nicht im Tank verheizt werden

Die Regierung muss, wenn die Preise aufgrund des Krieges generell noch weiter steigen sollten, sich intensiver damit beschäftigen, was gemacht werden kann, um die Menschen in Deutschland zu entlasten. Es müssen immer weiter Strategien entwickelt werden: Getreide, das wertvoll ist, soll nicht im Tank verheizt werden und wenn für 1 kg Schweinefleisch 5 kg Getreide angebaut werden müssen, heißt das für ihn weniger Tierhaltung. Denn „wenn die Alternative Tank, Trog oder Teller ist“ gilt für Cem Özdemir: „Teller first.“ (Tina Waldeck)

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