Olaf Scholz zu Gast bei Sandra Maischberger.
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Olaf Scholz zu Gast bei Sandra Maischberger.

„maischberger. die woche“

Olaf Scholz spricht bei „Maischberger“ über die Linke: Ein „Nein“ hört sich anders an

Die ARD-Talkshow von Sandra Maischberger besteht aus drei Teilen: Auf die Olaf-Scholz-Show folgen eine stammtischartige Corona-Diskussion und das Thema „Wir schaffen das!“

  • Sandra Maischberger bietet in ihrem ARD-Talk einen Kessel Buntes
  • Gäste waren: Olaf Scholz, Thomas de Maizière, Hazar Abaza, Anna Planken, Hans Rudolf Wöhrl, Christina Berndt 
  • Olaf Scholz überrascht an einer Stelle seines Einzelgesprächs mit Maischberger

Bundesfinanzminister Olaf Scholz ist der Kanzlerkandidat der SPD, Angela Merkels „Wir schaffen das!“ zur Flüchtlingskrise wird knapp fünf Jahre alt und die jüngsten Corona-Facetten „Impfstoff aus Russland“ und „Maskenpflicht im Klassenzimmer“: Es war mal wieder der berühmt-berüchtigte „Kessel Buntes“, den Sandra Maischberger in 75 Minuten Sendezeit dem TV-Publikum mit Unterstützung von sechs Gesprächspartnern präsentierte.  

Maischberger spricht in der ARD mit Olaf Scholz

Während des Einstiegsgeplänkels mit den eingeladenen Gästen – der ARD-Moderatorin Anna Planken, der Wissenschaftsjournalistin der „Süddeutschen Zeitung“ Christina Berndt und dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl – zu Gewinnern und Verlierern der Woche, rutschte die Talkrunde thematisch durch Wöhrls persönliches Pro- und Kontra-Duo mit dem frisch gekürten SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz auf der einen und der Rot-Rot-Grün-Strategie der linken Parteispitze auf der anderen Seite passgenau in Richtung des darauf folgenden Einzelgesprächs zwischen Maischberger und Scholz.

Wenig überraschend nutzte Olaf Scholz, derzeit drittbeliebtester deutscher Politiker, das ihm gebotene Drittel Sendezeit in klassischer Politikermanier dazu, die kritischeren Fragen der durchaus nachhakenden Moderatorin häufig zu umschiffen oder gar zu ignorieren und es sich stattdessen in massenkompatiblen Positionierungen und vagen Plattitüden bequem zu machen. Lebensziel Kanzleramt à la Gerhard Schröder? Nicht wirklich, aber er selbst und viele Bürgerinnen und Bürger „haben gemeinsam das Gefühl: Kanzler könnte sein.“ Angriffe von Genossinnen und Genossen aus der jüngeren Vergangenheit und das Scheitern bei der Wahl des Parteivorsitzes im letzten Jahr? Schnee von gestern und alles nicht so gemeint – dass es sich hierzulande auszahlt, Einigkeit zu demonstrieren, anstatt sich um die besten Posten zu kloppen, hat die SPD wohl fürs Erste gelernt.

Olaf Scholz weicht einer Frage von Maischberger aus

Aufhorchen lässt allerdings das Ausweichen auf die Frage nach einer möglichen Koalition mit der Linken auf Bundesebene. Eine solche hatten alle SPD-Kanzlerkandidaten vor Olaf Scholz stets ausgeschlossen. Er verweist auf die Diskussionsergebnisse in den kommenden Monaten. Ein „Nein“ hört sich anders an und Fakt ist: Die SPD muss auf einer großen Bandbreite des Wählerspektrums verlorengegangene sowie neue Schäfchen anlocken.

Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der „männlichen Merkel“, wie viele Bürgerinnen und Bürger Olaf Scholz wahrnehmen. Nicht erst als Maischberger ihn auf diese Bezeichnung anspricht, wird man die Vorstellung nicht los, dass der amtierende Vizekanzler mit den Händen gleich die Merkel-Raute bilden wird. „Das ist ein großes Lob“, meint Scholz, wohlwissend, dass die Sowohl-als-auch-Kanzlerin in Umfragen immer noch bestens abschneidet, sie ihm als Teflon-Konkurrentin im nächsten Jahr aber nicht mehr gefährlich werden kann.

Auf Olaf Scholz folgt bei Maischberger die Corona-Diskussion

Auf die Scholz-Show folgt dann im zweiten Abschnitt von „maischberger. die woche“ die beinahe obligatorische Corona-Diskussion mit den drei Kommentatoren, die sich wie so oft nur auf besserem Stammtischniveau bewegt: Putins Impfstoff ist fragwürdig, eine Maskenpflicht im Klassenzimmer wie in den weiterführenden Schulen NRWs ebenso lästig wie eventuell notwendig, aber letztlich doch noch unklar in puncto Nutzen – unterm Strich bleibt hier ein diffuses „Wie Sie wissen, wissen wir nichts, aber wir haben trotzdem eine Meinung dazu.“

Drittes Thema bei Maischberger: Fünf Jahre „Wir schaffen das!“

Es verbleibt das dritte große Thema der Sendung: Fünf Jahre Merkels „Wir schaffen das!“, mit der Frage an Ex-Innenminister Thomas de Maizière: Haben wir es geschafft? Quasi als Antwort kommt die 2015 aus ihrer syrischen Heimat geflüchtete Hazar Abaza zu Wort, die soeben ihr deutsches Abitur bestanden hat – eine Erfolgsgeschichte, von denen es einige gibt und denen die junge Frau ein hoffnungsvolles Gesicht verleiht.

Zur Sendung

 „maischberger. die woche“, Mittwoch, 12. August 2020, 22.45 Uhr, ARD, Mediathek

Für den großen, menschlichen Aha-Moment, den die Redaktion sich hier vermutlich erhofft hat, reicht es dann aber leider nicht. Zu schüchtern und wortkarg erzählt die 20-Jährige von ihrer Heimat, ihrer Odyssee und ihren Plänen für ein BWL-Studium, die sie hoffentlich in Deutschland umsetzen darf, wenn sie denn die Auflagen der „stichtagsunabhängigen Bleiberegelung“ weiterhin erfüllt. Angesichts ihrer schlimmen Erlebnisse, ihrer Jugend und des TV-Lampenfiebers sind ihre kurzen Antworten absolut in Ordnung und nachvollziehbar, bringen aber weder Emotionen noch Erkenntnisgewinn.

Mini-Gegengewicht zur Scholz-Show bei Maischberger

Ähnliches gilt dann auch für die abschließenden Ausführungen de Mazières: Dass viel geschafft wurde – Stichworte Gesundheitsvorsorge, Verhinderung von Obdachlosigkeit – aber auch einiges nicht geschafft wurde – schwierige Integrationsfälle, ein Plus an Straftätern – ist hinlänglich bekannt. Schön ist aber immerhin der Dank des CDU-Mannes in Richtung der vielen Haupt- und Ehrenamtler, die damals wie heute halfen und helfen.

Ganz zum Schluss, etwas unvermittelt und vermutlich als Mini-Gegengewicht zur Scholz-Show befragt Maischberger dann noch de Maizière nach seinen Vorsitz- und Kanzlerkandidaturwünschen für die eigene Partei. Die erste Antwort wird Armin Laschet freuen, die zweite bleibt er schuldig. Gut, dass wir auch darüber noch gesprochen haben ... (Peter Hoch)

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