Moderatorin Saandra Maischberger in ihrem Studio.
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Sandra Maischberger ließ in ihrer Talkshow über Corona diskutieren.

Thema Corona-Krise überschattet alles

Maischberger. Die Woche - Virologe warnt vor zweiter Welle: „Sind in der gleichen Situation wie im März“

  • Teresa Vena
    vonTeresa Vena
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Virologe Alexander Kekulé warnt bei Maischberger (ARD) vor einer zweiten Corona-Welle. Dennoch spricht er sich pro Karneval aus. Die FR-Kritik.

  • Bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) diskutieren Alexander Kekulé, Tobias Hans, Golineh Atai, Amelie Fried, Nikolaus Blome und Richard David Precht
  • Der Virologe Kekulé warnt eindringlich vor einer zweiten Corona-Welle
  • Dennoch spricht er sich pro Karneval aus - auch in der Corona-Krise

Berlin - Die Gäste bei „Maischberger. Die Woche“ vom 19. August 2020 sind der Virologe und Professor an der Universität Halle Alexander S. Kekulé, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans, die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Golineh Atai, die Moderatorin und Schriftstellerin Amelie Fried, der Ressortleiter Politik und Gesellschaft der RTL-Mediengruppe Nikolaus Blome und der Philosoph Richard David Precht.

Nach einem kurzen Exkurs zu den Ereignissen in Belarus, die die anwesenden Gäste als beunruhigend im Hinblick auf eine mögliche Reaktion Putins einstufen, wie vor allem die Russlandexpertin Golineh Atai bemerkte, konzentrierte sich die Gesprächsrunde auf die aktuelle Corona-Krise.

Maischberger (ARD): Virologe Kekulé warnt vor zweiter Corona-Welle

„Wir befinden uns wieder in der gleichen Situation wie im März“, dies sagt Virologe Alexander Kekulé im Gespräch bei „Maischberger. Die Woche“. Die Corona-Infektionszahlen steigen aktuell wieder und 50 Prozent der Neuinfektionen schreibt man den Reiserückkehrern zu. Darauf beruht unter anderem die Entscheidung der Bundesregierung, mittlerweile auch Mallorca, wie den Rest Spaniens (außer den Kanarischen Inseln), als Risikogebiet einzustufen. Für viele deutsche Urlauber und damit auch Reiseunternehmen bedeutet das massive Einschränkungen und Verluste.

Das Schlüsselwort in Bezug auf die zu treffenden, beziehungsweise bestehenden Corona-Eindämmungsmaßnahmen heiße „Akzeptanz“. Die Gäste der Sendung waren sich in diesem Punkt alle einig. Anders als zu Beginn der Krise täten sich immer mehr Menschen lautstark hervor, die sich als Corona-Kritiker sähen und beispielsweise gegen das Tragen einer Maske seien, so die Journalistin und ehemalige Fernsehmoderatorin Amelie Fried. Sei man denn ein Rebell, wenn man keine Maske trage?

Maischberger (ARD) - Kekulé ist sich sicher: Menschen nehmen Ansteckung mit Corona bewusst in Kauf

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch der Virologe Kekulé. Was nämlich aktuell anders sei als im März, sei die Tatsache, dass die Menschen eine Ansteckung mit Corona bewusst in Kauf nähmen. Dass sie geradezu eine Absicht verfolgten, eine Art Ideologie verträten, sich und damit schließlich andere nicht um jeden Preis vor einer Infektion schützen zu wollen. Das Krankheitsgeschehen verschiebe sich auf diese Weise immer mehr in nicht mehr verfolgbare und daher besonders gefährliche Einzelfälle, die zu sogenannten „Superspreader“ mutieren könnten.

Im Saarland setze man weiterhin auf das vernünftige Verhalten der Bürger und sehe vorerst ab von einer strengeren Bussgeldregelung bei Missachten der Maskenpflicht, bestätigt der saarländische Ministerpräsident und CDU-Politiker Tobias Hans. Die Maßnahmen bräuchten in erster Linie Akzeptanz, um wirksam zu sein. Mit grundsätzlichen Verboten von Großveranstaltungen zum Beispiel erreiche man diese nicht, meint er auf die Frage hin, ob es bereits Überlegungen gebe, die traditionellen Karnevalfeierlichkeiten abzusagen. Mit Sicherheit könnten solche Veranstaltungen nicht mehr in der gleichen Form stattfinden wie bisher, aber als kulturelle Tradition ließen sie sich auch nicht völlig verbieten.

Maischberger (ARD): Kekulé spricht sich pro Karneval aus

Genau für ein solches „normales“ Leben trotz und mit Corona plädiert Kekulé auch. Es sei nicht sinnvoll, erstmal alles nur noch virtuell zu machen, bevor es einen Impfstoff gebe. Vor allem nicht deswegen, weil eine echte, machbare Alternative bestehe. Tests müssten für jeden Einzelnen verfügbar sein, sie müssten einfach und schnell zu erhalten sein und möglichst als Selbsttests funktionieren. Solche Tests müsse man sich in ihrer Funktionalität wie Schwangerschaftstest vorstellen, die einem innerhalb von 20 bis 30 Minuten das Resultat mitteilen. Technisch sei das bereits möglich und in Ländern wie den USA oder Taiwan teilweise gängige Praxis. Doch darauf müsse sich nun Deutschland logistisch erstmal vorbereiten.

Es gilt nämlich eine Situation wie in Bayern zu verhindern, in der es massive Verzögerungen in der Testauswertung gab. Markus Söder habe mit dieser Episode einmal mehr bewiesen, dass er zwar ein Machertyp, aber viel zu ungeduldig sei, meint der Journalist Nikolaus Blome. Man bekomme das Gefühl, dass alles, was er mache, ein Wettbewerb sein müsse. Als inoffizieller Kanzlerkandidat habe er sich aber trotzdem nicht diskreditiert, meinen Atai und Fried.

Maischberger nimmt Philosophen den Wind aus den Segeln. „Der Klimawandel bedroht uns mehr als Corona“, ruft kämpferisch, aber auch leicht resigniert, so scheint es, Richard David Precht in die Runde. Seine Gedanken zum Klimawandel und darüber, wieso das Thema immer wieder an der Rücksichtnahme der Politik auf Einzelinteressen scheitere, gehen in der Diskussion unter. Precht gerät in eine Verteidigungshaltung, die ihn zwingt, den Klimawandel selbst als Tatsache erst verteidigen zu müssen. Sein pessimistisches Zukunftsszenario, das den Menschen, den er als biologisch-verletzliches Wesen treffend charakterisiert, in wachsender existentieller Bedrohung sieht, hat hier keinen Platz und kein echtes Interesse gefunden. (Von Teresa Vena)

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