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Von links (auf dem Bildschirm) Annalena Baerbock, Udo Lielischkies, Cerstin Gammelin, Frank Thelen und Moderatorin Sandra Maischberger.
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Von links (auf dem Bildschirm) Annalena Baerbock, Udo Lielischkies, Cerstin Gammelin, Frank Thelen und Moderatorin Sandra Maischberger.

TV-Kritik

„Maischberger“ (ARD): No-Deal mit Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

  • Peter Hoch
    VonPeter Hoch
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Bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) gerät Annalena Baerbock unter Fragenbeschuss. Ihre Reaktion: nur mittelmäßig souverän.

Köln - Drei große Themenbereiche sind es, die Sandra Maischberger in ihrer Talkshow in der ARD und ihre Gast-Kommentatoren diesmal verhandeln und die in den vergangenen Tagen von besonders hohem Gesprächswert waren. Die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie müssen dabei aber erst einmal hinten anstehen, vorher dreht sich alles um die vom weißrussischen Regime erzwungene Flugzeuglandung in Minsk und um ein Intensiv-Interview mit Annalena Baerbock. Mit letzterer startet die Moderatorin nach dem üblichen Aufwärmgeplänkel in ein fast halbstündiges Gespräch und fühlt der Grünen-Kanzlerkandidatin auf den Zahn – oder versucht es zumindest.

Die Gäste am 26.05.2021 bei Maischberger (ARD)

Annalena BaerbockKanzlerkandidatin für Bündnis 90/Die Grünen
Karl LauterbachSPD-Gesundheitspolitiker
Anne-Sophie MutterStar-Violinistin
Cerstin GammelinJournalistin der Süddeutschen Zeitung
Udo LielischkiesJournalist und ehemaliger ARD-Studioleiter in Moskau
Frank ThelenUnternehmer und Autor

„Maischberger. Die Woche“ in der ARD: Alles in Butter bei Annalena Baerbock?

Natürlich kommt Maischbergers Frage zur verspäteten Nachmeldung von drei Jahren Weihnachtsgeld und eines 2020er-Corona-Bonus gleich zu Beginn. Baerbock beantwortet sie zwar ausführlich, will sie zuletzt aber doch mit einem „Aus Fehlern lernt man“-Mantra beiseite wischen. Das glückt nicht ganz und es bleibt die bittere Erkenntnis, dass das Wiehern eines hohen moralischen Rosses deutlich lauter ist, als kontinuierliches Kungeln in Unions-Hinterzimmern, insbesondere dann, wenn man die BILD-Zeitung zum Gegner hat.

Auf einen seltsamen, um Aufmerksamkeit heischenden „Wir spenden gemeinsam für Kinder“-Deal von Ex-„Die Höhle der Löwen“-Investor Frank Thelen geht die Grünen-Chefin erfreulich souverän nicht ein – gut so, immerhin will die Frau nicht Gast im Promi-Special von „Wer wird Millionär?“ werden, sondern Bundeskanzlerin. Dass sie eine der Parade-Disziplinen dieses Amtes bereits gut beherrscht, beweist Baerbock in Maischbergers folgendem Fragen-Stakkato, das ihr unter anderem Aussagen zu Grenzkontrollen, Defensivwaffen, Mobilität, Energieversorgung, CO2-Bepreisung, Gendern, Robert Habeck, Wladimir Putin und Joe Biden entlockt: Die Moderatorin hakt nach, die Politikerin antwortet versiert, in wenig angreifbarer, sich kaum festlegender Sowohl-als-auch-Haltung, inklusive Wir-hatten-nie-die-Mehrheit-Bonus. Ob auf Teflon-Merkel Butter-Baerbock folgt, wird man Ende September sehen.

„Maischberger. Die Woche“ (ARD) über die Ereignisse in Belarus

Sichtbar betroffen zeigen sich dann zum Themenwechsel alle drei Kommentatoren von den eingespielten Bildern und Tönen des Journalisten Roman Protassewitsch. In den nach erkennbarer Gewalteinwirkung entstandenen Aufnahmen erklärt der junge Blogger vermutlich in Todesangst, korrekt behandelt worden zu sein und kündigt ein Geständnis an, illegale Massenproteste in Minsk organisiert zu haben.

Am Sonntag hatte das Regime eine Ryanair-Linienmaschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius über Belarus abfangen und nach Minsk umleiten lassen, aufgrund einer angeblichen Hamas-Bombendrohung. Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega wurden aus dem Flieger geholt, ihnen drohen im Land des Diktators Alexander Lukaschenko lange Haftstrafen oder gar der Tod.

„Maischberger“ (ARD): Cerstin Gammelin glaubt nicht an eine Freilassung Roman Protassewitschs

ARD-Russland-Spezialist Udo Lielischkies nennt das Vorgefallene „gruselig“ und fühlt sich an Schauprozesse unter Stalin erinnert. Lukaschenkos Treiben sei durchsichtig und der Journalist vermutet Mitwisserschaft bis Zustimmung aus dem Kreml, wo ebenso willkürlich mit politischen Gegnern verfahren werde. Dem geplanten Treffen zwischen Wladimir Putin und Joe Biden Mitte Juni in Genf steht er skeptisch gegenüber und verspricht sich davon keine Veränderungen – Russlands Präsident brauche eine Dämonisierung des Westens, um innenpolitisch punkten zu können.

Zur Sendung

Die Sendung „Maischberger. Die Woche“, ARD, von Mittwoch, 26. Mai 2021, 22.50 Uhr gibt es in der Mediathek der ARD.

Cerstin Gammelin von der Wirtschaftsredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ hofft dennoch auf etwas Gesprächsbereitschaft, trotz der schwierigen Gemengelage, an der auch eine deutsche Absage des umstrittenen Nord-Stream-2-Pipeline-Projekts wenig ändern dürfte. Die Ereignisse in Belarus bezeichnet sie allerdings als „Horrorvorstellung für Passagiere“, glaubt nicht an eine Freilassung Protasewitschs und ist resigniert: Man habe in der EU zwar vorbildlich schnell reagiert, aber kein echtes Druckmittel in der Hand, weil die weißrussische Bevölkerung schon genug leiden müsse – man dürfe diese nicht durch zu starke Sanktionen gegen das gesamte Land in Geiselhaft nehmen.

„Maischberger. Die Woche“ (ARD): Zu späte Öffnungen für Kinder und Kultur?

Es verbleibt das seit fünfzehn Monaten alles beherrschende Thema Covid-19, mit flankierenden Bildern vom Eurovision-Song Contest aus Rotterdam mit 3500 rundum glücklich getesteten, maskenlosen Fans. Zu Wort kommen neben den drei Kommentatoren jetzt auch die aus München zugeschaltete Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter und Deutschlands Pandemie-Wetterfrosch (wahlweise auch -Unkenrufer) Karl Lauterbach.

Erwartbar kommt dieser Teil der Sendung über ein Hin und Her über zu wenige und zu späte Öffnungsmaßnahmen für Kinder und Kultur zwischen der Violinistin, den Journalisten und dem Unternehmer einerseits und ein Richtigstellen und Erklären durch den SPD-Mediziner andererseits nicht hinaus. Hätte, wäre, müsste, sollte, könnte und „die Inzidenzen“ und „die Nachbarländer“ – man kann es einfach nicht mehr hören.

Ganz zum Schluss blüht natürlich auch Lauterbach dann noch die Frage zu seinen zu spät angemeldeten Nebeneinkünften aus vier Vorträgen – vergessen und verbaselt, so sein Tenor, aber zumindest haben nun UNICEF und die Kinder-Coronahilfe in Indien etwas davon, an die er die rund 18.000 Euro gespendet hat. Und wahrlich: den zerstreuten Professor nimmt nicht nur eine grinsende Sandra Maischberger diesem Mann fraglos – und mit dem „Nachtmagazin“ im Nacken – um kurz nach Mitternacht ab. (Peter Hoch)

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