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Mainz-Tatort „In seinen Augen“ heute auf ARD: Von Frauen, die zu sehr in ihrem Beruf aufgehen

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Von: Sylvia Staude

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Vielleicht einfach ein hübsches Paar: Charlotte und Hannes. SWR/P. Porst
Vielleicht einfach ein hübsches Paar: Charlotte und Hannes. SWR/P. Porst © Peter Porst/SWR

Der heutige Mainz-Tatort „In seinen Augen“ mit Heike Makatsch als Kommissarin Ellen Berlinger erzählt von Herz- und Bauchgefühlen.

Frankfurt – Die Kommissarin kann es nicht glauben (die Zuschauerin, ehrlich gesagt, auch nicht): Dass nämlich der sehr ansehnliche Hannes die hübsche, aber dreißig Jahre ältere Charlotte begehrt, gar etwas wie Liebe für sie empfindet. Saß er nicht sechs Jahre wegen Betrugs und Körperverletzung im Knast, weil er alte Damen beklaut hat, einmal auch ausgerastet ist? Schaut Kommissarin Berlinger dem Tierbestatter Hannes Petzold nicht kurz in die Augen und ist gleich überzeugt, dass es die eines Mörders sind? Lag sie mit ihrem Bauchgefühl nicht fast immer richtig? Kollege Martin Rascher führt es gegenüber der die Ermittlungen (verdächtig?) bremsenden Staatsanwältin an: „Sie hat gute Instinkte.“

Zum dritten Mal als Berlinger und Rascher, die mit der ziemlich kurzen Lunte und der Besonnene (Abgeklärte?), ermitteln Heike Makatsch und Sebastian Blomberg beim Tatort heute auf ARD in Mainz (zur Erinnerung: aus familiären Gründen zog Berlinger von Freiburg nach Mainz; dass sie ihre Kinder weggab, um sich auf ihren Job zu konzentrieren, haken Thomas Kirchner, Buch, und Regisseur Tim Trageser diesmal in einem Nebensatz ab. Ja, da war was – aber was nochmal genau?).

Tatort „In seinen Augen“ heute auf ARD: Neckerei, Zärtlichkeit und eine kurze Sexszene

Ulrike Krumbiegel ist Bibiana – man soll sie Bibi nennen –, die sich alles leisten kann, was die Schönheitsindustrie hergibt. Aber sie hat neben einigen Ersatzteilen auch Diabetes. Michaela May ist ihre lebensfrohe, gutherzige, an die Liebe und ans Gute im Menschen glaubende Freundin Charlotte. „Da stirbt dein Hund und prompt findest du ’nen Kerl“, sagt Bibi, womöglich neidisch. Dann ist sie tot. Es kann ein Unfall oder ein Suizid mittels Insulin sein, aber Berlinger glaubt auf der Stelle an Mord (ihr Instinkt!). Denn Alleinerbin ist Charlotte – und von einer reichen Charlotte würde zuallererst Hannes profitieren, den Klaus Steinbacher spielt, so dass man wirklich nicht schlau wird aus ihm. „In seinen Augen“, kann man da Berechnung sehen, wie Berlinger glaubt. Oder Zuneigung, wie Charlotte meint?

RolleDarsteller:in
Ellen BerlingerHeike Makatsch
Martin RascherSebastian Blomberg
Charlotte MühlenMichaela May
Hannes PetzoldKlaus Steinbacher
Bibiana DubinskiUlrike Krumbiegel
Jasmin WintersteinAbak Safaei-Rad
Maja GinoriJule Böwe
Enrico ThieleLinus Moog

Regisseur Trageser traut sich, Neckerei, Zärtlichkeit, auch eine kurze Sexszene zu zeigen zwischen Hannes und Charlotte. Bravo. Charlotte führt Berlinger gegenüber zurecht den Ex-Bundeskanzler an: bei dem nenne es die Boulevardpresse doch auch „Liebesglück“, wenn er seine bereits fünfte Frau heirate. Und der ja gar nicht mehr junge Ermittler Rascher fragt einmal, als könne er sich die Antwort nicht auch selbst geben: „In welchem Alter hört das sexuelle Verlangen eigentlich auf?“ Sollen einsame Witwen damit zufrieden sein, sich einen Hund zuzulegen? Bibiana überrascht da mit einer anderen, nun ja, Dressur-Variante. Sie kann es sich ja leisten.

Tatort „In seinen Augen“ heute auf ARD: Nebenhandlung erzählt von nervöser Staatsanwältin

Und dieser Mainz-Tatort überrascht mit seinem durchaus differenziert, durchaus auch beherzt angegangenen Thema. Freilich auch mit einer hastigen, nach allerlei Rückblenden – Motto: wir haben keinen Beweis, also müssen wir wohl alles noch mal aufrollen – plötzlich in Action ausbrechenden Nebenhandlung, in der die vorher schon seltsam abgelenkte, nervöse Staatsanwältin Winterstein, Abak Safaei-Rad, die entscheidende Rolle spielt. Sie hat eine Tochter und trotzdem eine Küche, in der nichts, aber auch gar nichts rumsteht und -liegt. Geht sie so sehr in ihrem Job auf, dass sie niemals kocht?

„Tatort: In seinen Augen“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

Bevor er etwas überstürzt die Auflösung einfädelt, erzählt dieser Tatort von Frauen, die nicht zu sehr lieben (denn Charlotte liebt wirklich nicht zu sehr), wohl aber wie Berlinger und Winterstein zu sehr in ihrem Beruf aufgehen. Niemand dankt es ihnen. Eher gilt: „Niemals macht man einfach nur irgendwas richtig“, so die weinende Staatsanwältin. (Sylvia Staude)

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