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Mai Thi Nguyen-Kim bei Maybrit Illner.
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Mai Thi Nguyen-Kim bei Maybrit Illner.

Maybrit Illner im ZDF

#allesdichtmachen: Mai Thi Nguyen-Kim teilt gegen Jan Josef Liefers aus – der bleibt stur

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Bei Maybrit Illner (ZDF) will Jan Josef Liefers nicht verstehen, was an #allesdichtmachen verkehrt sei. Mai Thi Nguyen-Kim bringt etwas Rationalität in die Show.

Frankfurt – „Freiheit, Solidarität, Widerspruch – spaltet Corona das Land?“: Maybrit Illners Talkshow im ZDF widmete sich am Donnerstagabend (29.04.2021) der fragwürdigen Aktion #allesdichtmachen, mit der einige bekannte deutsche Schauspieler:innen sich in der vergangenen Woche in einem Video-Clip zynisch über die deutschen Corona-Maßnahmen äußerten - platte Propaganda, die zu Applaus von AfD, „Querdenkern“ und ganz rechts abgebogenen Coronaleugner:innen führte.

Am bittersten waren die zynischen Worte in dem Videoclip zu #allesdichtmachen aber für das medizinische Personal in Deutschland, das seit mehr als einem Jahr an den Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus arbeitet. Viele der beteiligten Schauspieler:innen distanzierten sich schließlich von der Aktion.

Jan Josef Liefers bei Maybrit Illner (ZDF) auf verlorenem Posten

Über die gespaltene Gesellschaft in der Corona-Pandemie diskutierten bei Maybrit Illner Jan Josef Liefers, einer der prominentesten Protagonisten dieser Aktion #allesdichtmachen, Mai Thi Nguyen-Kim, Wissenschaftsjournalistin, Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), FDP-Politiker Wolfgang Kubicki und der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (theoretisch bei den Grünen).

Liefers will nun klarmachen, was er mit der Aktion erreichen wolle. So richtig erklären kann er das aber auch bei Illner nicht. „Welche Botschaft wollten Sie eigentlich aussenden?“, wird er mehrmals gefragt, eine Antwort aber bleibt er schuldig. Dafür wundert sich Liefers, dass die Aktion „persönlich genommen“ wurde - vielleicht sollte er sich den eigenen Clip dann noch mal anschauen. Und zwar in der Rolle - der Mann ist schließlich Schauspieler - einer Person, die einen geliebten Menschen durch Corona verloren hat.

Gäste bei Maybrit Illner (ZDF)
Jan Josef LiefersSchauspieler, #allesdichtmachen
Mai Thi Nguyen-KimWissenschaftsjournalistin, Chemikerin
Wolfgang KubickiBundestagsvizepräsident, stellv. FDP-Vorsitzender, Jurist
Peter Tschentscher Erster Bürgermeister Hamburg, Mediziner
Boris PalmerOberbürgermeister Tübingen

Auch der Applaus aus der rechten Ecke stört Liefers nicht so richtig, denn zwei plus zwei bleibe vier, auch wenn ein AfD-Mann zu derselben Aussage komme, so Liefers. Insgesamt blieben auch die restlichen Erklärungsversuche von Liefers für die Aktion einfach unangenehm, deplatziert und halb informiert.

Maybrit Illner (ZDF): Kubicki und Palmer tragen nichts Sinnvolles bei

Boris Palmer findet es „großartig, was diese Künstler sich getraut haben“. Trauen ist hier das eigentliche Stichwort, denn es ist mitnichten eine mutige Leistung, wenn reiche, erfolgreiche Menschen unreflektierte und egoistische Aussagen treffen und dann den entsprechenden Gegenwind bekommen. Aber Palmer muss das natürlich als Heldentat werten, schließlich ist das sein Spezialgebiet. Denn sogleich erzählt er davon, dass er ja wisse, wie es ist, in einem Shitstorm zu stehen: „Ich lass mich nicht wegdrücken.“ Schön. Wolfgang Kubicki macht noch ein paar neoliberale Geräusche und damit haben dann alle, die nichts Fruchtbares zur Debatte beizutragen haben ihres dazu gesagt.

Zumindest die Missverständlichkeit der Botschaft von Liefers’ Video erkennt Peter Tschentscher. Bildhaft spricht Tschentscher von benzinhaltiger Luft in der Pandemie, an die Liefers und Kolleg:innen ein „Streichholz“ gehalten haben. Und er erwähnt dann auch endlich die Pflegekräfte und was diese denn empfinden bei so einem Video. „Missglückt“, nennt es SPD-Politiker.

Maybrit Illner (ZDF): Mai Thi Nguyen-Kim bringt Rationaliät in die Sendung

„Sehr unglücklich“, nennt auch Mai Thi Nguyen-Kim die Aktion und ist dabei bemüht, höflich zu bleiben. „Natürlich spaltet das eine Gesellschaft“, sagt sie und kritisiert Liefers´ standhafte sture Meinung, dass die Art des Videos, eben dieses Polarisieren, genau richtig gewesen sei, um Aufmerksamkeit zu erlangen: „Wir belohnen medial die, die am lautesten schreien“, so Nguyen-Kim. Bei allem Verständnis für Liefers’ Motivation würde sie so etwas grundsätzlich nicht machen, „vielleicht bin ich da zu sehr Wissenschaftlerin, aber auch weil ich um diese Verantwortung bewusst bin. Was ist, wenn ich da was unterstütze, was ich nicht durchdacht habe.“

Die Wissenschaftsjournalistin betonte, Jan Josef Liefers hätte sich seines Narrativs, das rechten Positionen und „Querdenkern“ in die Hände spielt, stärker bewusst sein müssen: „Als beliebter Schauspieler haben Sie ja auch Einfluss“. Mai Thi Nguyen-Kim erklärt, sie hätte Liefers auch gleich sagen können, dass ein solch zynisch-satirisches Video leicht vereinnahmt werden könne. Das Video habe den „Sound von Demokratieverächtern“, wie Illner es sehr treffend nennt. Das sieht Liefers natürlich gar nicht so. Es ist eben schwer, eine fruchtbare Diskussion über Debatten und Widerspruch zu führen, wenn der Brandstifter den Kopf in den Sand steckt. (Sonja Thomaser)

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