Martin an der Fleischtheke, er braucht fünf Lammfilets.
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Martin an der Fleischtheke, er braucht fünf Lammfilets.

Kochshows auf Vox und Kabel eins

Der Magen knurrt

Genießen war gestern, heute gibt es Kochshows: "Fast Food Duell", "Das perfekte Dinner" und "Unter Volldampf". Ein Streifzug durch das Vorabendprogramm. Von Natalie Soondrum

Von NATALIE SOONDRUM

Genießen, oder gar mit der Familie in trauter Runde zu Abend essen, das war gestern. Heute gibt es die Kochshows im Vorabendprogramm. Seitdem die Welt vor wenig mehr als einem halben Jahrzehnt dem hinreißenden, wenn auch hyperaktiven Koch aus England zusah, wie er in völlig alltäglich ausgestatteten Küchen zwischen den Hängeschränken herumsprang, ab und zu etwas in die Pfannen und Töpfe warf und dabei wie ein Wasserfall redete, ist sie süchtig danach.

In "Das Fast Food Duell" auf Kabel 1 verbindet der Koch Ole Plogstedt das Nützliche mit dem Angenehmen: Er klärt seine Schützlinge radikal über ökonomische Lebensmittelbeschaffung ("Man kann auch nur eine Kartoffel und eine Möhre im Supermarkt kaufen"), Inhaltsstoffe (Vitamin A, gut für die Augen - Nutella, schlecht für die Zähne) und die Kunst des Kochens auf.

Dazu sucht er Marco und Laura in Berlin-Willmersdorf auf. Die beiden können nicht kochen, haben aber gottseidank eine vernünftig ausgestattete Küche. Sie zeigen auf ein Bestellmenü beim Perser. "Gewürzreis mit Mandelhähnchen und Joghurtdip", zwei Portionen à 17 Euro. Das wird Plogstedt mit Zahntechniker Marco nachkochen, während sich Laura mit ihrer Mutter Violetta, die zufälligerweise Geburtstag hat, diskret zurückzieht.

Im Schneckentempo Karotten zersäbeln

In einer Parallelmontage sehen wir wie der Restaurantkoch lässig Pistazien in die Pfanne wirft, während Plogstedt Marik zusieht wie er im Schneckentempo eine Karotte zersäbelt. Zum Schluss verkosten Laura und Violetta mit geschlossenen Augen die Reisgerichte. Sie geben Marco zehn Punkte, er hat gewonnen. Hinreißendes Tableau mit Koch, Assisstent, Marik und den beiden sitzenden Wasserstoffblondinen in zyklamfarbenen Oberteilen. Die Sendezeit ist um.

Was der persische Koch über diese Entscheidung denkt, lässt die Sendung diskret unter den Tisch fallen. Dafür gibt es fünf Minuten vor Schluss eine Werbepause, die es erlaubt schon mal durch die Kanallandschaft zu zappen. Auf Vox geht ein weiterer Zahntechniker in Dortmund für "Das perfekte Dinner" gerade im Supermarkt auf die Jagd nach Feigen, Fisch und Reblochon.

Jetzt reicht es, der Magen knurrt. Wer sich auf Kochshows kapriziert, sollte für geeigneten Proviant sorgen. Sonst bleibt ihm am Ende nichts anderes übrig, als in den Werbepausen handgemachte Bandnudeln zu kochen und mit einer fertigen Pestosoße hinunter zu schlingen, während er nebenbei den greinenden Katzen eine Dose öffnet.

Das Lamm schmeckt im Abgang nach Schaf

Im Fernsehen dagegen verköstigt der Zahntechniker vier weitere Mitstreiter mit einem Drei-Gänge-Menü: Lammfilets auf Ratatouille, Edelfisch-Teller mit Wildreis und Spinat und zum Nachtisch lauwarmen Reblochon mit Traubensoße und Früchten. Die Gäste bewerten nicht nur das Essen, sondern auch die Tischdekoration und das Unterhaltungsprogramm zwischen den Gängen. Es kommt zu wegweisenden Aussprüchen wie "Auf die Lebensabschnittsgefährtin ist Verlass", "Das Lamm schmeckt im Abgang nach Schaf" oder "Lothar ist einne geile Sau", wobei letzteres durchaus wörtlich zu nehmen war. Jedenfalls macht Martin einige Punkte mehr als Bärbel mit ihrem Essen tags zuvor.

Schnell nochmal in die Küche gehetzt um einen Schlag Pasta auf den Teller zu laden, dann machen schon fünf weitere Kandidaten "Unter Volldampf" in Düsseldorf eine Restaurantküche unsicher. Es ist Tag zwei, jeder der Kandidaten muss im Wechsel an den fünf Abenden einen von vier Gängen kochen oder das Rudel Restaurantstammgäste bedienen, das am Ende völlig überfressen seine Punkte für die Gänge verteilen.

Jürgen ist nicht teamfähig

Der entnervte Küchenchef versucht die zum Teil sehr selbständigen Kandidaten unter Kontrolle zu bringen, was diese sich nicht gefallen lassen. Der 50-jährige Jürgen taucht ab in eine Welt von Fenchelknollen und schimmernd weißen Kalamaris. "Überhaupt nicht teamfähig", mosert der Koch.Das Modell Mandy ist für den Nachtisch zuständig: Mandeltarte und Quarkcremetörtchen. Mandy ist eine erfahrene Kochshow-Kandidatin, sie war auch schon beim "Perfekten Dinner" dabei und erklärt wie sie ihre Rezepte ausprobiert hat. Übung macht doch den Meister, an diesem Abend gewinnt sie die Runde.

Dann ist alles aufgegessen, aus Versehen zu viele Nudeln, der Magen drückt. Die Küche ist ein Chaos. Das Nudelwasser ist übergekocht, die Katzen haben die leere Dose über den Boden geschleift und auf ihm einen Film von Restfressen hinterlassen. Die übrigen Familienmitglieder sind dagegen klammheimlich ausgeflogen. Vermutlich zur Döner-Pizza-Bude um die Ecke.

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