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Svenja Jung als Jolanthe und Merlin Rose als Veit v.Hammerlitz.

"Der süße Brei", ZDF

Märchenfilme an den Weihnachtstagen

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Der etwas gediegen inszenierte Märchenfilm "Der süße Brei" nach den Brüdern Grimm gehorcht dem üblichen ZDF-Schema. Alles über diesen und weitere Märchen an Weihnachten im ZDF.

Es hat seinen Grund, dass die einzelnen Episoden der ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“ stets nur knapp 60 Minuten dauern; auf diese Weise sind die Märchenfilme in der Regel buchstäblich kurzweilig. Die ZDF-Pendants dagegen entsprechen dem klassischen Spielfilmmaß, und das gereicht den Werken nicht immer zum Vorteil: Da nicht alle Märchen genug Handlung für 90 Minuten hergeben, wirken die Stoffe mitunter gestreckt. Das gilt auch für „Der süße Brei“, eine der weniger bekannten Erzählungen der Gebrüder Grimm.

„Der süße Brei“: Parabel auf die Gier

Die Moritat ist eine Parabel auf die Gier: Eine alte Frau schenkt einem hungernden Kind einen Topf, der auf Kommando Brei produziert. Wird der Zauber nicht beendet, kocht der Topf weiter zum Ende aller Tage, weshalb die Mutter des Kindes für eine Brei-Sintflut sorgt. In der Bearbeitung durch die Märchenspezialisten Anja Kömmerling und Thomas Brinx, die für die ARD unter anderem auch „König Drosselbart“ (Robert Geisendörfer Preis) geschrieben haben, wird aus der Vorlage eine der beliebten Heldinnenreisen: In einem Dorf herrscht nach Überschwemmung und anschließender Dürre große Not, die Menschen verhungern reihenweise; die Soldaten des bösen Grafen Ruben von Hammerlitz treiben trotzdem Steuern ein. Eine Mutter (Christina Große) singt den Kindern zum Trost ein Lied, in dem ein Topf mehr süßen Brei kocht, als man essen kann.

Als ihre Tochter Jola (Svenja Jung) im Wald nach Essbarem sucht, begegnet sie einer alten Frau (Maria Mägdefrau), die sofort erkennt, dass das Mädchen ein gutes Herz hat. Sie hat den Topf einst den Menschen überlassen, aber die waren dieses Geschenks nicht würdig, also hat sie ihn in drei Teile zerschlagen. Die erste Scherbe überlässt sie dem Mädchen, die beiden anderen muss sich Jola verdienen. Ein hilfsbereiter junger Mann (Merlin Rose) begleitet sie bei ihrer gefährlichen Suche, aber der schmucke Veit spielt ein doppeltes Spiel: Er ist der Bruder des schurkischen Grafen (Roland Wolf).

Weihnachten 2017 hat das „Zweite“ eine mutige Variation von Goethes „Zauberlehrling“ gezeigt. Das Drehbuch stammte ebenfalls von Kömmerling und Brinx, Regie führte wie auch bei „Der süße Brei“ Frank Stoye, der zuvor das sehenswerte ARD-Märchen „Nussknacker und Mausekönig“ gedreht hatte. Für die Bildgestaltung war hier wie dort Bernd Fischer verantwortlich. Der letztjährige Film wirkte jedoch wegen der namhaften Mitwirkenden, der Ausstattung und der optisch aufwändigen Umsetzung insgesamt eine Nummer größer; außerdem war er spannender als „Der süße Brei“.

Am packendsten sind noch die Herausforderungen, denen sich Jola zu stellen hat. Die letzte Prüfung in einem Nebeltal ist besonders grausam: Ein ätherisches Wesen stellt sie vor die Wahl, Mutter und Schwester oder das ganze Dorf zu retten. Es bricht Jola das Herz, aber mit der Entscheidung für das Dorf besteht sie auch diese moralische Prüfung. Ihr Glück ist indes nur von kurzer Dauer, denn der Topf wird von zwei finsteren Typen (Stipe Erceg, Martin Winkelmann) gestohlen.

„Der süße Brei“ entspricht dem ZDF-Märchenstil

Ansonsten entspricht „Der süße Brei“ dem ZDF-Märchenstil. Die Anmutung wirkt insgesamt sehr bodenständig, weil auch Kostüm und Ausstattung mit gedeckten, erdigen Farben gearbeitet haben; das gibt den Bildern im Vergleich zu den meist sonnigen ARD-Märchen einen zwar realistischen, aber auch etwas freudlosen Anstrich. Einige Einstellungen sind allerdings von großer Schönheit, und wenn sich mitten im Nebel plötzlich zwei riesige Augen öffnen, ist das sehr effektvoll. Zum ZDF-Schema gehört jedoch auch eine meist tempoarme Inszenierung.

Immerhin ist die Besetzung treffend. Sehenswert ist vor allem Svenja Jung als moderne Heldin. Die junge Schauspielerin ist bereits in dem ZDF-Krimi „Ostfriesenkiller“ (2017) positiv aufgefallen. Hier überzeugt sie in den Abenteuerszenen ebenso wie mit Jolas kämpferischen Haltung beim Finale, als sie – „Die Freiheit oder nichts!“ – dem Grafen die Stirn bietet.

ARD-Märchen an den Weihnachtsfeiertagen

Am ersten Weihnachtsfeiertag geht’s wie üblich mit den ARD-Märchen weiter. Diesmal zeigt das „Erste“ im Rahmen von „Sechs auf einen Streich“ allerdings nur zwei neue Produktionen. Die erste, „Das Märchen von der Regentrude“ (14.50 Uhr), ist von verblüffender Aktualität: Das Land wird von einer schlimmen Dürre geplagt; letzte Hoffnung ist die Regentrude (Ina Weisse), die von einer Jungfrau (Janina Fautz) geweckt werden muss. Das Drehbuch (Leonie Bongartz) orientiert sich weitgehend an der Vorlage von Theodor Storm, und wenn es doch mal von der Vorlage abweicht, dann im Guten.

Womöglich musste sich Regisseur Klaus Knoesel zusammenreißen, um den Film nicht mit Parallelen zum amtierenden US-Präsidenten zu überfrachten, der den Klimawandel leugnet, aber die Botschaft wird auch so deutlich: Die in Vergessenheit geratene Regentrude personifiziert die materialistische Beziehung des Menschen zur Natur; nur eine Rückbesinnung auf alte Werte kann eine Katastrophe verhindern. Ein kurzweiliger Film für die ganze Familie, der sich wieder einmal durch eine kluge und mutige Heldin auszeichnet.

Am 26. folgt um 13.15 Uhr „Die Galoschen des Glücks“. Mit dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen hat der Film allerdings mehr oder weniger nur den Titel gemein. Die düstere Geschichte des Dänen wird in der Adaption, die wie „Der süße Brei“ von Kömmerling und Brinx stammt, zu einem fröhlichen Zeitvertreib: Küchenjunge Johann möchte gern hoch hinaus und erkennt am Ende gerade noch rechtzeitig, dass das Glück die ganze Zeit zum Greifen nahe war.

Sehenswert ist der Film vor allem wegen Annette Frier und Inka Friedrich als gegensätzliches Feenpaar: die eine als Bedenkenträgerin, die andere als personifizierte Zuversicht. 

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