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Garry Marshall.

Garry Marshall ist tot

Märchen für die Gegenwart

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Wenn Handwerk zur Kunst wird: Der Regisseur Garry Marshall, berühmt geworden mit dem Liebesfilm „Pretty Woman“ ist gestorben.

Ich mag Profis“, sagt Richard Gere anerkennend zu der von Julia Roberts gespielten Prostituierten in Garry Marshalls Liebesfilm „Pretty Woman“. Das musste man auch dem Mann im Regiestuhl attestieren: Er beherrschte sein Handwerk gut genug, dass eine Kunst daraus wurde. Wer ihn kennenlernte, erlebte ihn als entspannten Grandseigneur, dem man seine italienischen Wurzeln vom Scheitel bis zur Sohle ansah. Seiner sympathischen Ausstrahlung bewusst, übernahm er selbst gerne Nebenrollen.

„Ich versuche immer einen neuen Blickwinkel für eine Liebesgeschichte finden“, sagt er gern, und tatsächlich: In „Pretty Woman“ verliebt sich das Paar erst ineinander, nachdem es sich sexuell bereits gut kennengelernt hat, was in der Wirklichkeit alltäglich, in Hollywood aber immer noch die Ausnahme ist. Später vereinigte er das romantische „dream team“ zu einer liebenswerten, aber weit weniger durchschlagenden Wiedervereinigung in „Die Braut die sich nicht traut“.

Marshalls romantische Komödien glaubten an die heilende Kraft der Liebe. In „Frankie und Johnny“ haben Al Pacino und Michelle Pfeiffer einzig ihre Einsamkeit als Verbündete, um ihre Liebesfähigkeit wiederzuentdecken. Carla und Danny, die von Juliette Lewis und Giovanni Ribisi gespielten Liebenden in „Ganz normal verliebt“ passen auf den ersten Blick dagegen so gut zueinander, dass man gar nicht glaubt, dass ihre Geschichte überhaupt einen ganzen Film wert ist. Beide sind leicht geistig behindert, besitzen aber den Mut, die Energie und nicht zuletzt den materiellen Rückhalt, um trotz ihrer Behinderung zu studieren und zu arbeiten.

Wer schon „Pretty Woman“ für eine Neuerzählung der Aschenputtel-Geschichte halten mochte, bekam mit Marshalls Disneyproduktion „Plötzlich Prinzessin“ noch eine Variante mit Pomp und Krönchen: Ein ungelenkes 15-jähriges High-School-Gespött mit dem schönen Namen Mia Thermopolis entuppt sich darin als Enkeltochter der Königin des Operettenreichs Gonovia, gespielt von Julie Andrews.

Marshalls Sorglosigkeit war ansteckend, und sie führte zu einem Kino von altmeisterlicher Leichtigkeit. Mit dem 81-Jährigen, der nach einem Schlaganfall am Dienstag an einer Lungenentzündung starb, geht ein Stück Hollywood – aber noch nicht ganz, denn eine Komödie hat er uns nachgelassen: „Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel“ startet am 25. August.

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