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Machtzentren der Maya
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ZDFinfo-Dokuserie „Machtzentren der Maya“: Erstaunlich, wie sehr die riesigen Hohlräume des Nichtwissens als Projektionsräume für gegenwärtiges Denken gebraucht werden.

TV-Kritik

Machtzentren der Maya auf ZDFinfo: Über die Hohlräume des Nichtwissens

  • VonHans-Jürgen Linke
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Eindrucksvolle Stadt-Anlagen, Pyramiden, Tempel: Eine Dokumentation über archäologische Forschungen in den Überresten dreier urbaner Gebilde in Mesoamerika. Die TV-Kritik. 

Es gibt so vieles, worüber die Experten bis heute streiten. Streiten kann man über Ansichten und Meinungen, nicht über Tatsachen. So ist ein Expertenstreit immer ein Anzeichen dafür, dass man wenig weiß, dass aber erstens die Produktion von Wissen in der Wissenschafts-Öffentlichkeit, also der produktiven Auseinandersetzung der Experten, intakt ist und dass es zweitens immerhin einige Fakten gibt, an die man sich halten kann. 

Archäologen zum Beispiel haben ihre Artefakte und Objekte, ihre eindrucksvollen Bestimmungsmethoden von Materialien, deren Herkunft und Alter – und darüber hinaus haben sie ihre Theorien, über die sich streiten lässt.

Im Falle der präkolumbianischen Geschichte der mesoamerikanischen Zivilisationen sind die Fakten nicht gerade dünn gesät. Mexiko, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica stehen voller Pyramiden und urbaner Reste, häufig verborgen in einer Regenwald-Überwucherung, die etliche Jahrhunderte Zeit hatte, sich die Gegend zu eigen zu machen.

„Machtzentren der Maya“: Irreführender Sammeltitel

Claire Denavarre und Fabrice Buysschaert haben in einer ausgiebigen Dokumentation zusammengetragen, was die Archäologie an Tatsachen über die Frühgeschichte zutage gefördert hat. Sie haben das etwas irreführend zusammengestellt unter dem Sammeltitel „Machtzentren der Maya“. Irreführend, weil die Maya nur eine unter zahlreichen Ethnien der Region waren und die Epoche ihrer größten Machtausdehnung keineswegs die gesamte Frühgeschichte Mesoamerikas prägte. Immerhin spricht auch niemand man vom europäischen Mittelalter und der Renaissance als von der Epoche der Florentiner und Venezianer.

SerieMachtzentren der Maya
SenderZDFinfo
FolgenDrei (Chichén Itzá, Teotihuacán, Tikal)

Die Dokumentation konzentriert sich auf drei urbane Gebilde, die über eine gewisse Zeit ihre je eigene Ausstrahlung in die umgebenden Regionen ausübten: die Stadtstaaten von Teotihuacán, Tikal und Chichén Itzá. Einstmals gab es dort überall eindrucksvolle Pyramiden, Tempel, Stadt-Anlagen und ausgeklügelte landwirtschaftliche Anbau- und Bewässerungssysteme. Letztere waren nötig, weil etwa in Teotihuacán eine Zeit lang immerhin eine Viertelmillion Menschen leben und ernährt werden mussten. 

Bedrohlichkeit dieser Bildwelten: Dokuserie „Machtzentren der Maya“ stellt Bauwerke ins Zentrum

Was diese Menschen dort taten? Nun, was homo sapiens eben so macht: leben, arbeiten und Bauwerke errichten, herrschen und sich beherrschen lassen, Religionen erfinden, Rituale zelebrieren, opfern und sich opfern lassen, Kriege führen, Nachbarn umbringen. 

Die Archäologen können sich da nur an die Fakten halten, die sie ausgraben. Sie lassen die Tempel und Pyramiden und die großen Sichtachsen und Symmetrie-Vorstellungen, die in die Städte eingebaut sind, sprechen. 

Vor allem analysieren sie die Bauwerke, was bleibt ihnen auch sonst übrig. Sie finden allerlei bedrohliche Götterbilder, die mit Jaguaren oder Schlangen zu tun haben, und aus der Bedrohlichkeit dieser Bildwelten schließen sie, dass in Mesoamerika ständig und geradezu verschwenderisch Menschenopfer dargebracht wurden. Überhaupt sind die ethnologischen Forschungsansätze, die hier zur Sprache kommen, recht eintönig. Man erfährt ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen über Landwirtschaft, man hört viel über die beeindruckenden Fähigkeiten der Architekten und Baumeister, über Baumaterialien und die erstaunliche Haltbarkeit der Bauwerke und gelegentlich auch über umfangreiche und ausgeklügelte Wasser-Rückhalte- und Filtersysteme. 

Machtzentren der Maya

ZDFinfo, 13.6., ab 20..15 Uhr und in der ZDF Mediathek.

„Machtzentren der Maya“ im ZDFinfo: Hohlräume des Nichtwissens

Wenn man sich fragt, wozu das alles da war, gibt es ein paar vage Andeutungen über mächtige Autokraten, opferwütige Priester, nachbarschaftliche Feldzüge und immer wieder Menschenopfer. Hatten die Leute damals nichts anderes zu tun als einander abzuschlachten? Doch, einige haben immerhin Handel getrieben, wenn sie zuvor einen wichtigen Hafen erobert hatten.

Einerseits ist wirklich erstaunlich, was die frühen Kulturen Mesoamerikas zu bauen in der Lage waren. Aber genauso erstaunlich ist, wie sehr die riesigen Hohlräume des Nichtwissens als Projektionsräume für gegenwärtiges Denken gebraucht werden. (Hans-Jürgen Linke)

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