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„Buladó“ (Niederlande 2020). Foto: DFF
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„Buladó“ (Niederlande 2020).

Lucas

Lucas-Filmfestival: Eine Zukunft in ihnen sehen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Das Lucas-Filmfestival fürs junge Publikum überzeugt mit tollen Dokumentarfilmen.

Noch ist das Kino nicht geheilt. Das Kino hat immer noch Corona, aber es geht ihm langsam besser. Beim Lucas-Festival, dem Wettstreit der besten internationalen Kinder- und Jugendfilme, darf man wieder rein ins Kino, und die Devise heißt ganz klar 3G. Es sind schließlich Kinder unter zwölf dabei in den Kinos in Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach. Die können noch nicht geimpft sein. Und es ist wichtig, dass sie dabei sind.

Sie können fragen. Aus was der Geisterbaum im ziemlich geisterhaften niederländischen Film „Buladó“ (empfohlen ab zehn Jahre) ist, möchte Carla wissen. Und: ob Tiara Richards, die Hauptdarstellerin, an Geister glaubt. Aus alten Autoteilen, der Geisterbaum, erklärt Tiara, die beim Dreh selbst zehn war. Geister habe sie noch nie gesehen. „Aber ich glaube, es gibt sie.“ Der Leguan und der Hund, die im Film ums Leben kommen, seien schon tot gewesen, erklärt sie dem jungen Fragesteller Florian. Und dass man jemanden lieben kann, selbst wenn man die Person nie kennengelernt hat.

Buladó heißt so viel wie: fliegender Fisch. In Curaçao, wo der Film spielt, gibt es die Geschichte, sagt Tiara, dass man vom Kliff springen und nach Afrika fliegen kann, wenn man Vertrauen hat.

Was für eine Welt, das Kino. Was für ein Sprungbrett für die Fantasie. Es gab viele Patenschaften vorweg diesmal, sagt Festivalleiterin Julia Fleißig. Da machen sich Schulklassen oder Gruppen mit einem Film vertraut und spinnen eigene Gedankenwelten.

In diesem Jahr widmet sich Lucas besonders Dokumentarfilmen. „Es heißt immer: toll, Dokus, aber ins Kino kommen sie dann doch nicht“, sagt Fleißig. Dabei lohne es immer, Dokumentationen zu wagen. „Voriges Jahr hatten wir den supercoolen Gewinner ,Ecstasy‘. Ich bin sicher, es funktioniert. Ich hoffe nur, dass die Leute auch kommen.“

Musiklehrerinnen und -lehrer zog „Soul Kids“ (ab 14) magisch an. Der Film des französischen Regisseurs Hugo Sobelman beobachtet junge Leute in der Stax Music Academy in Memphis, USA, einer Schule, die Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft aufnimmt. Zu sehen sind schwarze Mädchen und Jungen mit überwältigenden Stimmen, egal, ob sie singen oder über ihr Leben sprechen. „Die Leute hier haben mir gezeigt, dass sie eine Zukunft in mir sehen“, sagt jemand.

Es geht nicht nur um Musik in „Soul Kids“. Was sich seit 1968 verändert habe, fragt ein Dozent. Schülerin Rachel sagt: „Weiße hören auf, respektlos zu Schwarzen zu sein. Aber ich sehe Schwarze, die anfangen, respektlos zu Weißen zu sein.“ – „Wo hast du das gesehen?“ – „In meiner Klasse. Wir sind nicht besser, als sie es waren.“ Der Standpunkt ist nicht unumstritten. „Soul Kids“ ist ein umwerfender Dokumentarfilm über Musik und Leidenschaft, über Rassismus und Mut und Hoffnung, der im Onlineprogramm ohne Übersetzung und ohne Untertitel läuft, was ihm guttut, sofern das Publikum Englisch versteht.

Regisseur Hugo Sobelman hat den Film 2018 mit seinem Team in Memphis gedreht. „Wir waren drei weiße Typen aus Frankreich“, sagt er im Filmgespräch, „und wir waren willkommen, wie ich noch nie irgendwo willkommen gewesen bin.“ Hochinteressant hätten die 12- bis 17-Jährigen gefunden, „dass wir Französisch miteinander sprachen“, erzählt Sobelman: „Was seid ihr?, haben sie gefragt, seid ihr Schlümpfe?“ Es sollte ein Film werden über die enge Beziehung zwischen Musik und sozialer Gerechtigkeit. In den US-Südstaaten habe er sich umgeschaut – und die Essenz dessen, was er vorhatte, in der Musikschule entdeckt.

Ebenfalls eine Dokumentation, nicht minder ergreifend: „The Reason I Jump“ (ab 14). Als Drehbuchautor ist Naoki Higashida genannt, ein japanischer Autist, der 2014 ein weltweit beachtetes Buch veröffentlichte – als 13-Jähriger. Regisseur Jerry Rothwell unterlegt seinen Film mit Zitaten aus dem Buch. Naoki muss, um zu verstehen, dass es regnet, sein Gedächtnis nach ähnlichen Ereignissen durchforsten. „Es ist, als ob mein ganzer Körper zu jemand anderem gehörte.“

Dazu begleitet Rothwell weitere Familien mit autistischen Kindern und Jugendlichen. In Indien trifft er Amrit und ihre Mutter, die erst durch Higashidas Buch verstand, was ihre Tochter durchmacht. Sie weint. „Ich wollte sie daran hindern, sie selbst zu sein.“ In England zeigt Rothwell Rituale zwischen dem Jungen Joss und seiner Familie. „Klingt das wie ein schwarzer Staubsauger?“, fragt Joss. Die Eltern: „Nein, wie ein roter Staubsauger“, immer wieder.

Fantastische Bildsprache, gefilmte Poesie, die Angst spürbar macht, aber auch einen Horizont öffnet – schon weil es wieder Kino gibt. Fast alle Filme sind auch zum Abruf im Internet, plus Gespräche mit Filmschaffenden. Es lohnt sich, auch beim 44. Lucas.

Lucas-Festival in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach: bis 7. Oktober. lucas-filmfestival.de

„Soul Kids“ (Frankreich 2021).
„The Reason I Jump“ (USA/Großbritannien 2020).

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