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Zu schön, um wahr zu sein? In Italien kann einem das passieren. Foto: Disney/Pixar
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Zu schön, um wahr zu sein? In Italien kann einem das passieren.

Animationsfilm

„Luca“ im Kino: Liebe, Brot und Seemonster

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Der neue Pixar-Film „Luca“, zu sehen auf Disney Plus, ist ein italienisches Sommermärchen.

In der Welt der Märchen mögen sich Aschenputtel zu Prinzessinnen und Frösche zu Prinzen wandeln, aber ein Fisch bleibt doch meistens ein Fisch. Hans-Christian Andersens „kleine Meerjungfrau“ zerbrach an den traurigen Rassenschranken zwischen der Wasser- und der Menschenwelt, und noch ihre etwas glücklicheren Nachfahrinnen im Trickfilm, Disneys „Arielle“ und Miyazakis „Ponyo“, stießen sich an dieser Grenze. Da wurde es Zeit, die Idee vom amphibischen Seemonster, das sich nach festem Boden unter den Füßen sehnt, einmal neu zu überdenken. Immerhin haben wir heute Begriffe zur Verfügung wie Diversität und Inklusion, die noch nicht in Grimms Wörterbuch zu finden waren.

Luca, der Teenager-Held im gleichnamigen Pixarfilm, ist ein glückliches Seewesen, bis er an die Grenzen seines azurblauen Idylls stößt. Ein paar versunkene Gegenstände aus der Menschenwelt, darunter ein Grammophon mit einer Maria-Callas-Platte, reichen, um seine Neugier zu wecken. Auch wenn ihn seine überbehütenden Eltern inständig vor der Intoleranz einer Menschheit warnen, die ihn als Monster jagen würde, kratzt er mutig an der Wasseroberfläche. Und kaum, dass er hinausspäht, zieht ihn auch schon ein anderes Teenager-Seewesen an Land. Das besondere an ihrer Spezies: Sobald ihre Haut mit Luft in Berührung kommt, werden sie zu Menschen. Doch wehe, wenn es regnet, dann ist der Spuk vorbei.

Luca ist überwältigt vom Paradies, das ihm sein neuer Freund Alberto zeigen kann: Wir befinden uns an einem wahren Sehnsuchtsort des Kinos, einem italienischen Fischerdorf der späten fünfziger- oder frühen sechziger Jahre: Ockerfarbene Häuschen türmen sich auf einem malerischen Hügel, verbunden durch Wäscheleinen, die wie bunte Fahnen wehen. Freundliche Menschen tummeln sich dazwischen, alte Damen essen Hörncheneis und hätten für Susi und Strolch sicher auch noch einen Teller Spaghetti übrig. Nur eines mögen diese urigen Leute nicht, und das sind Seemonster – auch wenn wohl noch niemand je eines zu Gesicht bekommen hat. Aber Fischer sind nun einmal abergläubisch, und so ist sogar eine Belohnung ausgesetzt – falls denn jemand eines fängt.

Wer glaubt, ein solches Klischee-Italien wäre doch etwas übertrieben, verkennt die Liebe vieler Italiener zu ihren unsterblichen Heimatbildern. Pixar-Regisseur Enrico Casarosa stammt selbst aus der Gegend, der er hier ein nostalgisches Denkmal setzt, der Cinque Terre. Im Programm des Streaming-Kanals „Disney Plus“ findet sich neben dem Film eine Dokumentation über Recherche in den fünf Dörfern nördlich südlich von Genua. Für einen Pixar-Film ist das Ambiente jedenfalls ausgesprochen realistisch gehalten, und auch die Coming-of-Age-Geschichte der Teenager könnte über weite Strecken ebenso gut im Realfilm funktionieren.

Auch das selbstbewusste rothaarige Mädchen, das sie alsbald treffen, kommt einem gleich bekannt vor. Ebenso wie der gockelhafte Angebertyp mit der glänzenden Vespa, dem sie gerne eines auswischen will. Endlich möchte sie den jährlichen Dreikampf gegen ihn gewinnen, eine Kombination aus Schwimmen, Fahrradfahren und Pasta-Wettessen. Schnell gelingt es den Jungs, von denen noch niemand weiß, dass sie Seemonster sind, mit ihr ein schlagkräftiges Trio zu formieren.

Menschliche Wärme

Es gehört zu den Wundern von Pixar, dass man dort nicht nur die verschiedensten Genres meistert, sondern immer auch neue dazu erfindet – wie die philosophisch-essayistischen Erzählungen „Alles steht Kopf“ und „Soul“ bewiesen. Bei dieser, von den Künstlern im Home-Office realisierten Produktion, scheint man es sich auf den ersten Blick eher leicht gemacht zu haben und sich an liebgewonnenen Filmklassikern zwischen „Don Camillo“ und „Cinema Paradiso“ orientiert zu haben. Aber natürlich ist das Ergebnis dann doch weit komplexer: Die Flucht vor seinen liebevoll-dominanten Eltern (die nun ebenfalls in Menschengestalt im Dorf auflaufen) stürzt Luca in einen heilsamen Loyalitätskonflikt. Nicht bedient wird hingegen die Zuschauererwartung an ein Buhlen der beiden Jungen um das Mädchen – was es erlaubt, eine umso tiefere Freundschaftsgeschichte zu erzählen.

Es ist bekannt, welche Verehrung die leitende Künstler des Pixar-Studios für den japanischen Meisteranimator Hayao Miyazaki hegen. Die Wärme in den menschlichen Beziehungen, verbunden mit einer fließenden Behandlung der Grenzen zwischen Realität zur Irrealität könnte geradewegs aus einem seiner Filme stammen. Das ist schon mehr als genug zu einem kleinen Sommermärchen. Am besten sähe man „Luca“ wohl auf den klapprigen Holzsitzen eines dieser kleinen Freiluftkinos in einem italienischen Badeort. Disney hätte die Kinosaison damit eröffnen können, nun ist es das Glanzstück im Streamingprogramm von Disney Plus.

Luca. Animationsfilm, USA 2021. Regie: Enrico Casarosa. Zu sehen auf Disney Plus. 100 Min.

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