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Jung-Beethoven, Anselm Bresgott, auf der Suche nach Mozart.
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Jung-Beethoven, Anselm Bresgott, auf der Suche nach Mozart.

„Louis van Beethoven“ (ARD)

TV-Kritik: Mut zur Lücke? Biografie über Beethoven verzichtet auf 35 Jahre – mit Erfolg

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Niki Steins „Louis van Beethoven“ in der ARD ist prächtig besetzt und hat Mut zur kleinen Klitterung und zur großen Lücke. Die TV-Kritik.

  • Am 25.10.2020 zeigt die ARD den Film „Louis van Beethoven“.
  • Das Leben des Komponisten wird in drei Epochen dargestellt, der Fokus liegt beim Anfang und Ende seines Schaffens.
  • Vorab ist der Film von Niki Stein in der ARD-Mediathek zu sehen.

Niki Steins Film „Louis van Beethoven“ probiert was aus, verzichtet auf das eine und erlaubt sich das andere. Stein erzählt vom Anfang und vom Ende, es fehlt der komplette Mittelteil – das gesamte Leben in Wien, 35 Jahre, die Karriere, der Ruhm, die schicksalshafte Ertaubung und der Kampf dagegen, die Frauen, Napoleon, die Entstehung, Aufführung, Rezeption des Werks, also gewissermaßen alles –, und dass man ihn vermisst, spricht unbedingt für die Produktion, die zum Beispiel wir uns sofort auch als Zweiteiler angesehen hätten. Als Dreiteiler, als Vierteiler.

„Louis van Beethoven“ (ARD): Das Leben des Komponisten in drei Epochen

„Louis van Beethoven“ springt zeitlich recht souverän und angenehm erklärungslos zwischen den Bonner Jugendjahren bis zu endgültigen Abreise nach Wien 1792 und der letzten Reise nach Gneixendorf zum Bruder Johann und dessen Familie 1826 – die Rückreise nach Wien führt zur Krankheit zum Tode, wobei auch im Film kein Zweifel aufkommt, dass es Beethoven schon lange nicht mehr gut geht. Aufbruch ins und Abschied vom Leben: Dass die Beethovengestalten durch die Eliminierung der wesentlichen Entwicklungen etwas Statuarisches haben, wird durch die großartigen Schauspieler völlig überdeckt.

Dreimal Beethoven: Das achtjährige Wunderkind wird vom inzwischen 13-jährigen Colin Pütz gespielt, der selbst am Klavier brilliert, sodass die Kamera in den Musizier-Szenen nicht verlegen hinter das Instrument muss, sondern die virtuosen Kinderhände zeigen kann. Und nicht nur Ulrich Noethen als früher Beethoven-Lehrer Christian Gotthold Neefe darf umso glaubwürdiger staunen, wenn Jung-Beethoven atemberaubend flink vom Blatt spielt. Das Authentizitätsmoment ist erfrischend, wenn ein Kind über Noten spricht, die es selbst versteht. Auch mag es dazu beitragen, dass Pütz darstellerisch als echter Glücksgriff erscheint. Nichts Angestrengtes, nichts Gemachtes ist um ihn.

Louis van Beethoven in der ARD zeigt in drei Epochen die wichtigsten Stationen seines Lebens.

Der junge, immer noch Bonner Beethoven wird vom 21-jährigen Anselm Bresgott gespielt, auch er eine optisch einleuchtende und doch originelle Wahl, das Gesicht vor lauter Offenheit schon etwas töricht. Das bezeugte Ungehobelte bricht sich in der Gesamterscheinung überzeugender Bahn als im Fausthieb gegen das dumme Gräfchen.

„Louis van Beethoven“ (ARD): Im Mittelteil zeigt der Film in der ARD Schwächen

In diese Phase fällt allerdings auch die größte und vielleicht unglücklichste Freiheit, die sich Stein nimmt. Dass Eleonore von Breuning, Caroline Hellwig, die große und letztlich einzige Liebe Beethovens gewesen sei – deren Bild beim alten, grimmen Mann als das der damit so deklarierten „fernen Geliebten“ noch immer auf dem Tisch steht –, versimpelt Kompliziertes. Hübsch hingegen, wie beiläufig ihr Bruder Stephan eingeführt wird, ein Lebensfreund Beethovens. Prächtig Silke Bodenbender als Beethoven wohlwollend zugeneigte Mutter von Breuning, der allerdings auch wieder ein etwas sehr melodramatischer Besuch im Hause des Musikers angedichtet wird. Dass Beethoven zu Prostituierten ging, weil er auf die Frau seiner Träume aus Standesgründen verzichten musste: ein Klischee, das der Film nicht nötig hätte.

Unwiderstehlicher die gleichfalls haltlosen Szenen, die Beethoven, immer noch Bresgott, auf seiner ersten Wien-Tour zeigen. Ob er dort, wie geplant, den bewunderten Mozart, Manuel Rubey, tatsächlich traf, ist nicht gewiss. Ganz sicher kam es nicht zu den tollen Begegnungen, die Stein schildert (inklusive eines Klavierduells, was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Beethoven bei anderer Gelegenheiten solche Herausforderungen gerne annahm). Aber manchmal ist die Geschichte so gut, dass man sie einfach dennoch sehen will. Nicht nur hier liegt ein wenig „Amadeus“ in der Luft, zumal „Louis van Beethoven“ detailreich ausgestattet ist. Das tragische Herunterkommen des Vaters übrigens, Ronald Kukulies, wird skizziert, die Geschichte der Beethovens als Geschichte auch von Alkoholikern nicht so deutlich in den Mittelpunkt gerückt, aber nicht verschwiegen.

„Louis van Beethoven“

ARD, Freitag, 25.12.2020, 20.15 Uhr, bereits jetzt in der Mediathek.

Der alte, na ja, der 56-jährige Beethoven wird von Tobias Moretti gespielt, dessen Gesicht die Isolation infolge der Hörschädigung spiegelt, aber auch die Freiheit eines Menschen, der von der herkömmlichen Welt mehr als ein kleines Stück abgetrennt ist. Das Kammerspielhafte der Gneixendorf-Szenen – mit Cornelius Obonya als Bruder Johann und Johanna Gastdorf als seine Frau –, ist handverlesen: ein Treffen mit Musikern, die mit der späten Quartettmusik nicht mitkommen; das angetupfte Verhältnis zum Neffen Karl, Peter Lewys Preston. Moretti kann Verschrobenheit zeigen, ohne sie versehentlich zu karikieren. Die Taubheit wird von ihrer brausenden und sausenden Seite in Töne gesetzt.

Aller Ehren wert und für die Amateurin glaubwürdig, dass jede Figur so gut Dialekt spricht (rheinländisch, sächsisch), wie sie kann.

Kommt die Neunte wirklich nicht vor? Doch, doch, schließlich ist Beethoven ein Genie. (Judith von Sternburg)

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