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Louis Klamroth: Ein zaghafter Beginn

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Von: Martin Benninghoff

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Louis Klamroth, neuer Moderator der ARD-Polit-Sendung „Hart aber fair“.
Louis Klamroth, neuer Moderator der ARD-Polit-Sendung „Hart aber fair“. © dpa

Louis Klamroth meistert die erste Folge von „Hart aber fair“ - mit angezogener Handbremse

Es ist ja nur allzu verständlich: Ein Interview wollte Louis Klamroth der FR im Vorfeld lieber nicht geben. Die Erwartung in der ARD dürfte groß gewesen sein angesichts der erstaunlichen Historie, die die Talkshow „Hart aber fair“ im deutschen Fernsehen hat. Mehr als 20 Jahre moderierte Frank Plasberg die Sendung, die unter den Politiktalks weniger Feuilleton, vielmehr Stiftung Warentest ist.

Mit Klamroth hat nun am Montagabend sein Nachfolger die erste Sendung moderiert. Wer die große Formatrevolution erwartet hat, dürfte enttäuscht gewesen sein. Wer gehofft hat, dass Klamroth die Sendung ordentlich und unfallfrei über die Bühne bringt, darf erleichtert aufatmen. Klamroth hat seine Sache sogar gut gemacht - mehr kann man noch nicht sagen nach der ersten Folge.

„Ein Land wird ärmer - wer zahlt die Krisenrechnung?“ lautete der Titel, der - wie häufig - mit einer Mischung aus Politgrößen (SPD-Chef Lars Klingbeil und CDU-Vize Jens Spahn), einer Fachfrau (in diesem Fall die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer), einer Journalistin (die „Spiegel“-Redakteurin Melanie Amann) sowie einem Bürger aufwartete.

Der Niedersachse Engen Kelik ist Familienvater und Metallarbeiter, und was er zu sagen hatte, dürfte vielen Zuschauerinnen und Zuschauern aus der Seele gesprochen haben: „Ich weiß nicht, wo ich noch sparen sollte“, sagte der 40-Jährige. Ob er nach dieser Sendung mehr weiß?

Das Setting der neuen alten Talksendung war nicht darauf angelegt, besondere Erkenntnisse zutage zu fördern. Klamroth war bemüht, wie der Vorgänger Plasberg, neben all den Fakten (und dem berühmten „Faktencheck“) dem Gefühl als politisches Gestaltungsmerkmal Geltung zu verschaffen - klassische Nachfrage: „Was macht das mit Ihnen?“ Da gab es den Moderator schon mal wesentlich konfrontativer, namentlich in seiner n-tv-Talksendung „Klamroths Konter“.

Für Blockbuster-Talksendungen im Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender ist es allerdings immer ein bisschen schwierig, zu konfrontativ zu sein, da das viele im klassischen Fernsehpublikum nicht sonderlich schätzen. Der zaghafte Klamroth darf hier aber wirklich noch eine Schippe an Härte drauflegen. Fair darf es ja dennoch sein. Ein bisschen mutiger darf deshalb auch die Themenwahl sein, die sehr nach Einheitsware aus dem gut abgestaubten Talkarchiv klang. Man muss nicht über Klimaschutz und Lützerath talken, aber in dieser Woche der möglichen Räumung wäre das schon interessant gewesen - oder ging das nicht, weil Klamroth mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer liiert ist? Nicht unbedingt, aber am Anfang wollte die Redaktion wohl auf Nummer sicher gehen. Schade eigentlich für Klamroth, der aber erst am Anfang steht.

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