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Lotte (Alicia von Rittberg, re.) lernt Pauls (Noah Saavedra, re.) Freunde Anni (Marie Hacke), Juppi (Ulrich Brandhoff) und Dörte (Julia Riedler) am Bauhaus Weimar kennen.

„Lotte am Bauhaus“, ARD

Die Geschichte von Lotte und Paul

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Mit „Lotte am Bauhaus“ will die ARD eine populäre und positive Erinnerung an das Bauhaus in die Welt setzen.

Gut gebaute junge Menschen springen lebensreformerisch nackt durch die idyllische Landschaft am See. Lotte würde das auch gern tun.

Lotte ist Tochter eines ehrbaren Schreiners und lebt in Weimar. Sie hat nichts zu tun mit Thomas Manns „Lotte in Weimar“ und erst recht nichts mit Goethe. In Weimar lebt sie, weil sie eine fiktive Person ist, die am Bauhaus studieren will, und das ist Anfang der 20-er Jahre nun mal in Weimar angesiedelt.

Mit „Lotte am Bauhaus“ will die ARD eine populäre und positive Erinnerung an das Bauhaus in die Welt setzen, wobei beide Attribute dem Bauhaus ein Stück weit zu widersprechen scheinen. Populär war das Bauhaus nie, es war eher avantgardistisch – populär waren und sind, sagen wir: Stilmöbel, Stuck und Fachwerk. Und positiv? Vielleicht haftet dazu dem Bauhaus doch immer noch ein wenig zuviel Revoluzzer-Image an – eine Spätfolge von wilhelminischem Konservativismus und Nazi-Propaganda. Mit all dem setzt sich die Produktion „Lotte am Bauhaus“ auseinander.

Eine Liebesgeschichte als Basis

Leider heißt „positiv“ heutzutage wohl unausweichlich, dass eine Liebesgeschichte die Basis sein muss. Also verliebt sich Lotte in den attraktiven Architekturstudenten Paul, studiert selbst auch am Bauhaus, wird Designerin, man gründet eine Familie, es gibt Untreue und Zerwürfnis, berufliche Erfolge, Karrieren und am Ende die obligatorische Versöhnung. Und dann die gemeinsame Auswanderung nach Israel.

Moment: Warum Auswanderung? Warum Israel? Nun, Pauls Familienname ist nun mal „Seligmann“, und da blieben in den Dreißigerjahren in Deutschland nicht viele Möglichkeiten.

Rund um die landläufig-langweilige Liebesgeschichte wird das Bauhaus in signalhaften Verkürzungen drapiert: rechte Winkel, Baukastensysteme, Primärfarben, helle Räume, philosophisch-politische Reflexionen, patriarchalische Strukturen und dennoch der Impetus, das ganze Leben verändern zu wollen. Immerhin war ja das Bauhaus nicht nur Wiege des modernen Industrie-Designs, sondern auch Erbe der Lebensreform-Bewegung und ein umfassend angelegter Versuch, nach dem unfassbaren Zivilisationsbruch des Ersten Weltkrieges eine neue und unbelastete Phase der Zivilisation einzuleiten.

Im Film stehen dem vor allem die Vertreter der alten Zeit im Wege; auch unter Lehrern und Studenten am Bauhaus sind deren Gedankenwelten keineswegs restlos überwunden. Und dann ist da noch ein blonder Student, der völkische Drohungen schreit; später sieht man vergleichsweise (!) ordentlich sich betragende Braunhemden durch die Bauhaus-Räumlichkeiten, nun schon in Dessau, nicht mehr in Weimar, rennen und – Gipfel der Barbarei! – Papier verstreuen. Dass in Deutschland kurz darauf nicht nur das Bauhaus, sondern die Zivilisation ein weiteres Mal beerdigt wurde, kann man sich zusammenreimen. Der Film geht damit überraschend diskret um. Ein kurzer Nachspann informiert darüber, wie es weiterging mit den Protagonisten.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler – allen voran Alicia von Rittberg als Lotte und Jörg Hartmann als Walter Gropius – machen ihre Sache prima, aber gegen den Geist der Trivialisierung, der Regie und Drehbuch dominiert, spielen sie vergeblich an.

„Lotte am Bauhaus“, ARD, Mittwoch, 13.Februar, 20.15 Uhr. Im Netz: ARD Mediathek.

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