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And the winner is... Regisseur Kim Ki-Duk trägt Venedigs Goldenen Löwen für den Besten Film 2012 auf seinem Kopf.

Filmfestspiele von Venedig 2012

Ein Löwe für die Mutter

Beim 69. Filmfestival von Venedig wurden die Preise vergeben. Der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk erhielt verdienterweise den Hauptpreis. Und das Festival bewies darüber hinaus noch politische Souveränität.

Von Anke Westphal

Der Mann war irgendwie dran: Kim Ki-duk ist schon lange mit seinen starken, eigenwilligen Filmen auf den A-Festivals dieser Welt vertreten. Nun hat der südkoreanische Regisseur mit dem Drama „Pieta“ den Goldenen Löwen der 69. Internationalen Filmfestspiele von Venedig gewonnen. Und das keineswegs unverdient: Viele Festivalbeobachter hatten nach der Vorführung das untrügliche Gefühl, einen möglichen Preisträger gesehen zu haben.

„Pieta“ erzählt mit narrativer Raffinesse und kritischer Dringlichkeit von  einer Frau, die nach 30 Jahren  plötzlich im Leben eines Schuldeneintreibers auftaucht und behauptet, seine Mutter zu sein. Sie habe damals ihr Baby verlassen, weil sie so jung und überfordert gewesen sei, erklärt sie ihm. Nach und nach gewinnt sie das Vertrauen und dann die Liebe des eigentlich zu keiner Einfühlung fähigen, grausamen jungen Mannes, der die Schuldner oft zu Krüppeln macht. Es sind kleine Werkstattbesitzer, die verzweifelt um ihre Existenz kämpfen in einem alten Viertel einer südkoreanischen Großstadt. Das soll bald abgerissen werden, um  Hochhaustürmen Platz zu machen. Durch die Liebe der Mutter geläutert, sieht der junge Mann die Welt bald mit anderen Augen, und als Zuschauer ist man fast erstaunt über seine Wandlung – der Film gibt zu erkennen, warum er diesen Titel trägt. Eine „Pieta“ bezeichnet ja das Bild der um Jesus trauernden Gottesmutter. Und auch im Kim Ki-duks Film trauert die Mutter, doch anders als erwartet.

2004 hatte Kim Ki-Duk bereits den Silbernen Löwen erhalten für das  Liebesdrama „Bin-jip“. 2011 zeigte der nunmehr 51-Jährige mit „Arirang“ auf dem Filmfestival Cannes in einer Nebenreihe noch das Dokument seiner eigenen profunden Schaffenskrise. Man freut sich mit ihm über dieses grandiose „Comeback“, das im Sala Grande des Palazzo del Cinema auf dem Lido von Venedig mit dem Hauptpreis geehrt wurde.

Um diesen Preis konkurrierten 18 Filme. Dass es dabei keinen klaren Favoriten gab, sondern gleich mehrere Regiearbeiten für den Goldenen Löwen und den Preis für die beste Regie in Frage kamen, spricht noch einmal für den hochklassigen Wettbewerb, den der Chef des Festivals, Alberto Barbera, in den erst sechs Monaten seiner Amtszeit zusammenstellte. Zu den Favoriten auf eine der Auszeichnungen gehörte auch „The Master" vom US-Regisseurs Paul Thomas Anderson. Gleich zwei Auszeichnungen des Festivals gingen an das Sekten-Drama, das überdies  den FIPRESCI Award der internationalen Filmkritk erhielt. Neben dem Preis für die beste Regie, dem Silbernen Löwen, erhielt „The Master“ auch den Darstellerpreis: Die beiden grandiosen Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix teilen sich die Coppa Volpi. Für die beste weibliche Schauspielerleistung wurde hochverdient die 22-jährige Hadas Yaron mit der Coppa Volpi geehrt für ihre Leistung in dem israelischen Film „Fill the Void“.

Und selbst der Skandal um „Paradis: Glaube“ fand ein gutes Ende: Der Österreicher Ulrich Seidl wurde für seinen Film mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Damit setzt das Festival auch ein Zeichen der Souveränität: Mostra-Chef-Barbera, die Biennale-Leitung, Seidl und seine Hauptdarstellerin Maria Hofstätter waren während der Festspiele von ultrakonservativen Katholiken wegen Blasphemie verklagt worden, vornehmlich wegen einer angedeuteten Masturbationsszene, bei der ein Kruzifix zum Einsatz kommt. Für den französischen Beitrag „Après Mai“ von Olivier Assayas über die Nachwehen des 68er Mai gab es den Preis für das beste Drehbuch.

Gute, kluge Entscheidungen hat die neunköpfige Jury unter Vorsitz des US-amerikanischen Regisseur und Produzent Michael Mann getroffen.

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