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Liza Minnelli, hier bei einem Auftritt in der Dominikanischen Republik 2010, feiert am 12. März ihren 75. Geburtstag.
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Liza Minnelli, hier bei einem Auftritt in der Dominikanischen Republik 2010, feiert am 12. März ihren 75. Geburtstag.

Broadway

Liza mit Zett – Zum 75. Geburtstag von Liza Minnelli

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Schauspielerin, Sängerin, Kämpferin: Am Freitag wird Liza Minnelli 75 Jahre alt.

Es fehlte nicht viel, und sie wäre an der Rolle ihres Lebens schnöde gescheitert. Gut 20-mal, so jedenfalls lautet eine Anekdote zu dem nach autobiografischen Romanen von Christopher Isherwood entstanden Broadway-Musical „Cabaret“, habe Liza Minnelli vergeblich für den Part der Sally Bowles vorgesprochen. Die Theaterproduzenten zweifelten dabei nicht am Talent der Minnelli, sie rieben sich vielmehr an deren US-amerikanischer Herkunft. Eine Sally Bowles jedenfalls, die es als kokettes Londoner Tingeltangel-Girl in das in den Faschismus abgleitende Berlin verschlagen hat, schien mit amerikanischem Akzent unvorstellbar.

Die Bedenken um historische Genauigkeit hielten die längst als Sängerin erfolgreiche Liza Minnelli aber nicht davon ab, den Titelsong des Musicals in ihr Bühnenprogramm aufzunehmen. Das Ergebnis war überwältigend und zwang die Produzenten der geplanten Verfilmung des Stoffs unter der Regie von Bob Fosse geradezu, Liza Minnelli mit der Rolle der Sally Bowles zu betrauen. Travestie und Widerstand vereinten sich in der Person Liza Minnellis plötzlich zu einer spektakulären Gesamterscheinung, und das dazugehörige Lied „Cabaret“ wurde zu einem Jahrhundertsong der Musical- und Filmgeschichte, in dem der naive Glaube an den Aufstieg im Showgeschäft ebenso präsent ist wie schwärmerische Gefühle und die politischen Abgründe eines in den Nationalsozialismus taumelnden Deutschlands.

Für Liza Minnelli war die Episode um ihre Rolle zu schön, um wahr zu sein, ging es in ihr doch um das Gegenteil einer naheliegenden Bevorzugung einer Tochter berühmter Künstlereltern. Als Kind hatte sie am Set von Filmproduktionen ihres Vaters Vincente Minnelli herumgeturnt und zusammen mit Gene Kellys Tochter in einer Ballettszene von „Ein Amerikaner in Paris“ mit Konfetti geworfen. Gemeinsam mit ihrer Mutter, der amerikanischen Starikone Judy Garland, war Liza Minnelli 1956 im Alter von zehn Jahren mit dem Lied „Swanee“ im New Yorker Palace Theatre aufgetreten.

Mit Talenten gesegnet und früher Anerkennung überhäuft sah Liza Minnelli sich allerdings auch gezwungen, ihre Lesart der Geschichte eines Scheidungskindes wiederzugeben. Von 1951 an war sie halbjährlich abwechselnd aufgewachsen, mal bei Vincente Minnelli, mal bei Judy Garland. Ihre Mutter beschrieb sie später als streng und ehrgeizig, wohingegen sie bei ihrem Vater ihre Träume ausleben durfte.

Ihr Drang, nicht nur auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen, war dabei eine Erblast, die Liza Minnelli mitunter auch zur Qual wurde. Die Erfahrung, schon als Kind eine öffentliche Person zu sein, ließ sie in viele Rollen schlüpfen. Liza Minnelli war abwechselnd jugendliche Rebellin, Powerfrau, Ulknudel, Kumpeltyp und sensible Diva, und mittels ihrer stimmlichen Vielfalt verstand sie es als Sängerin, die ganze Bandbreite des Great American Songbooks auszunutzen wie sonst zu der Zeit wohl nur Barbra Streisand.

Bei Showgrößen wie Charles Aznavour, Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. war Liza Minnelli in die Schule gegangen, und mit Oscar, Emmy, Tony, Golden Globe und Grammy gewann sie alle wichtigen Preise der amerikanischen Kulturindustrie. Diverse Affären, scheiternde Ehen sowie Alkohol- und Drogenabstürze prägten die Biografie der Liza Minnelli ebenso wie zahlreiche Comebacks.

In einem ihrer Hits reagierte sie selbstironisch darauf, trotz all der Erfolge ihren Namen immer noch buchstabieren zu müssen. „It’s Liza with a Z, not Lisa with an I.“ Der Up-tempo-Stil vieler ihrer Songs schien dabei nicht nur ihrem Temperament zu entsprechen, sondern auch der Fähigkeit, mit großer Kraft zurückzukommen.

Tatsächlich säumten eine Reihe von Flops den künstlerischen Weg Liza Minnellis; Launen und Desorientierung dürften hinzugekommen sein. So soll sie mehr als 400 Drehbücher nach dem Erfolg von „Cabaret“ abgelehnt haben, und „New York, New York“ von Martin Scorcese, mit dem Liza Minnelli vorübergehend liiert war, zählte eher zu den schwächeren Werken des Großmeisters. Aber was heißt schon „schwach“, wenn ein Lied daraus hervorgeht, das wie kein anderes mit der Metropole am Hudson River verknüpft wird. Und mal ehrlich: Die Minnelli-Version von „Theme From New York, New York“ ist auch nach Jahrzehnten immer noch aufwühlender als die Crooner-Fassung Frank Sinatras, in der der Song zum bleibenden Wahrzeichen der Stadt wurde.

Wegen ihrer geradezu körperlich-kraftvollen Art zu singen attestierte man Liza Minnelli einen immensen Überlebenswillen, den sie später angesichts vieler Krankheiten und Krisen tatsächlich immer wieder unter Beweis stellen musste. Aufgrund ihrer Camouflage in „Cabaret“ wurde Liza Minnelli früh von der Schwulenbewegung vereinnahmt, und Freddy Mercury, Madonna und Lady Gaga gaben an, künstlerisch und stilistisch von ihr inspiriert worden zu sein. Das hätte vielleicht sogar die strenge Mutter Judy Garland gerührt.

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