Tilo Prückner im Oktober 2019.
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Tilo Prückner im Oktober 2019.

Fernsehen

Der Listling

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Der Schauspieler Tilo Prückner ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Er war wahrhaftig kein Held. Die Sache, die seine Antihelden anfassen durften, ging dann auch häufig schief. Gründlich schief, auch weil sich Tilo Prückner äußert akribisch in seine Rollen hineinversetzte. Unübersehbar etwa in dem unvergessenen „Willi-Busch-Report“, 1979. Tilo Prückner war der Zeitungsmann Willi Busch, der die „Werra-Post“ geerbt hatte, ein Traditionsblatt direkt an der innerdeutschen Grenze, einst eine Gelddruckmaschine, nun ein Fass ohne Boden, so dass Willi Busch, um gegenzusteuern, seinen Erfindungsreichtum spielen ließ, ein rasender Reporter in einem kanariengelben Messerschmitt-Kabinenroller.

Tilo Prückner, der jetzt im Alter von 79 Jahren gestorben ist, kam in den 70er Jahren immer wieder auf die Rollen der eigenwilligen Erfinder zurück, denen allerdings der Absturz beschieden war, so in „Der Schneider von Ulm“. Unbedingt eine Hauptrolle, damals. Denn irgendwann hatten sich viele Fernsehregisseure ganz offensichtlich darauf verständigt, Prückner zumeist in Nebenrollen zu engagieren, was er in zahlreichen Filmen dann auch findig tat, deshalb unübersehbar. Seine leicht verschrobenen Gestalten oder auch hundsgemein gewissenlosen Typen, die Szene mochte noch so sehr wimmeln von anderen Charakterdarstellern, traten stets aus dem Hintergrund.

Domäne Understatement

Tilo Prückner, ob im grauen Hausmeisterkittel des Biedermanns oder als kecker Frauenversteher oder als „Rentnercop“ war kein Figuren-Vorführer, sondern ein Listling. Seine Domäne war das vollkommen uneifrige und uneitle Understatement. Wenn er in dem einen oder anderen TV-Film mit einer Schirmmütze zu sehen war, dann existierte unter der Kopfbedeckung der Querkopf eines kleinen Mannes, für den selbst die großen Alltagsdramen ziemlich oft ein Nachspiel hatten - als Komödie. Anlässlich von Prückners Tod zeigt das Erste am Mittwoch um 20.15 Uhr den Film „Holger sacht nix“ aus dem Jahr 2011.

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