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„Der Lissabon-Krimi – Dunkle Spuren“

Olá tristeza oder Traurig am Tejo

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Jürgen Tarrach gibt den Detektiv spielenden Anwalt Eduardo Silva, der seinem Lebensüberdruss frönt. 

Lissabon, die weiße Stadt, ist grau geworden. Schmutzige Betonfassaden, unscheinbare Ecken, nackte Wohnblocks prägen häufig das Bild in dem Film „Dunkle Spuren“, einer neuen Folge der Reihe „Der Lissabon Krimi“. Die Kamera von Christoph Chassée zeigt Portugals Metropole am Tejo anders als beim ersten Film ohne Touristenblick, als ganz normale Millionenstadt.

Dort muss Anwalt Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) diesmal einiges durchmachen, das seinem Lebensüberdruss nicht gerade abträglich ist. So hat der Witwer nach vergeblichen Versuchen, seine Trauer durch ausgiebigen Genuss von Alkohol zu ertränken, auf dem Grab der plötzlich verblichenen Gattin genächtigt, statt sich um die Rettung der Pension seiner Wirtin zu kümmern, weshalb nun beide auf der Straße stehen. Doch sich um eine neue Bleibe zu kümmern, dazu fehlt ihm die Zeit, denn er bekommt einen neuen Fall angetragen: Unternehmer Antonio Alves sitzt in Untersuchungshaft, weil seine Kleiderfabrik in die Luft geflogen ist und er des Mordes verdächtigt wird. Eine seiner Näherinnen ist bei der Explosion umgekommen, nachdem er zuvor an einem Dampfkessel herumgeflickt hatte. Nun fleht er den Anwalt an, ihn aus dem Knast zu holen, weil seine Frau im Sterben liege, und da trifft er beim ohnehin waidwunden Silva ins, naja: Schwarze...

Damit hat das Autoren-Duo Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof ein halbwegs einleuchtendes Motiv für das Engagement des doch eigentlich an Depression leidenden Anwalts konstruiert, der bei seinen Nachforschungen wieder von der alerten Referendarin Marcia Amaya (Vidina Popov) unterstützt wird – wobei die sich als die wahre Spürnase erweist. Was keine geringe Leistung ist bei den verwickelten Verhältnissen: Der Firmenchef liegt mit seinem Sohn im Streit, die Tochter der Getöteten verdächtigt Alves’ Konkurrenten, zufällig der Vater ihres Freundes, Valdemar, der Onkel von Marcia, hat bei Fälschungen der Edel-Klamotten mitgemischt, und ein Versicherungsexperte ist darauf erpicht, seinem Arbeitgeber die Auszahlung der Schadenssumme zu ersparen.

Dazu sind viele Gänge, Fahrten und Dialoge nötig, so dass sich die Geschichte arg zieht, zumal die ansonsten ambitionierte Regie (Jens Wischnewski) und der betreffende Darsteller sofort erkennen lassen, wer hier wirklich Dreck am Stecken hat. Und immer mittendrin, zwar widerstrebend, doch hartnäckig recherchierend: Anwalt Silva als Amateur-Detektiv. Er darf schließlich der siechen Fabrikantengattin auch noch eine Liebesbotschaft ihres Ehemannes überbringen, was er zu einem therapeutischen Selbstheilungsversuch nutzt. Er hatte sich nicht von seiner Frau verabschieden können und holt das nun bei der Sterbenskranken nach. Die Botschaft ist echt, die Adressatin falsch, aber sie kann’s ja auch gebrauchen.

Das hat bisweilen etwas von der den Wienern zugeschriebenen Faszination für das Morbide, aber die portugiesische Hauptstadt ist nun mal – Fado hin, Sodade her – nicht Wien, und Jürgen Tarrach kein Paulus Manker. Mag es auch um Tod und Trauern gehen, so folgt dieser neue „Lissabon-Krimi“ doch letztlich den Gesetzen der leicht verdaulichen Donnerstagabend-Unterhaltung. Am Ende lacht über Lissabon wieder die Sonne.

„Der Lissabon-Krimi – Dunkle Spuren“, ARD, 20.15 Uhr.

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