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Lisa Bitter und ihre „Schlafschafe“-Familie. Raymond Roemke/ZDF
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Lisa Bitter und ihre „Schlafschafe“-Familie. Raymond Roemke/ZDF

TV-Serie „Schlafschafe“

Lisa Bitter: „Innerhalb ihrer Welt ist alles schlüssig“

Die Schauspielerin Lisa Bitter über Menschen, die sich an Verschwörungstheorien halten, und über die Frage, ob die Fernsehserie „Schlafschafe“ sie noch beeindrucken wird.

Frau Bitter, können Sie nachvollziehen, dass, wie in „Schlafschafe“ zu sehen, Menschen irgendwann anfangen zu glauben, dass in den Rauchmeldern in ihrer Wohnung Kameras installiert sind?

Das kann ich nur schwer nachvollziehen. Ich kann verstehen, dass sich Menschen im Angesicht der Pandemie Sorgen machen, so wie Melanie, die Angst um die Gesundheit ihres Sohnes hat, der in der Schule täglich über mehrere Stunden eine Maske tragen soll. Und die im Netz auf vermeintliche Äußerungen von Ärzten stößt, denen zufolge das nicht gesund sei. Die Frage ist, wie man mit diesen Ängsten umgeht. Melanie fühlt sich damit alleingelassen, nicht abgeholt. Ängste sind etwas Subjektives, und wenn man sie nicht ernst nimmt, dann kann es eben passieren, dass sich Betroffene selbst auf die Suche nach Antworten machen und sich am Ende immer tiefer in diesem Netz aus Verschwörung und alternativer Welterklärung verstricken.

Es gibt in der Serie eine Szene, in der jemand eine grotesk überteuerte „Spezialmaske“ anbietet – und Melanie ist entschlossen, sie zu kaufen ...

Ich finde die Szene besonders gut, weil sie zeigt, was Menschen bereit sind zu bezahlen für einen Gegenstand, der ihnen ihre Angst, ihre Verunsicherung nimmt.

Der Titel „Schlafschafe“ klingt zunächst eher ein bisschen nach einer Komödie – allerdings ist es gar nicht so lustig, was man dann da zu sehen und zu hören bekommt ...

Wie im echten Leben können Tragik und Humor sehr nah beieinanderliegen. Es kommt auf den Blickwinkel an, aus dem man das Geschehen betrachtet. Aus der Perspektive meiner Figur gibt es nichts zu lachen.

Und dementsprechend auch nicht für die Zuschauerinnen und Zuschauer ...

Meiner Meinung nach ist Humor die Rettung, wenn sich zwei Menschen streiten. Wenn das nicht mehr möglich ist, wird’s sowieso schwierig – so wie hier. Ich höre inzwischen immer öfters von Freundschaften, die auf der Kippe stehen, oder von Partnerschaften, die gefährdet sind, weil einer von beiden die Gefährlichkeit von Corona leugnet.

Nun sind viele Menschen, die Corona leugnen oder Verschwörungsideologien folgen, nicht gerade Fans des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wie werden die wohl auf die Serie reagieren? Nachdenklich – oder empört?

Zur Person:

Lisa Bitter, 1984 in Erlangen geboren, war nach ihrer Schauspielausbildung in Leipzig an verschiedenen Bühnen – von 2009 bis 2013 am Staatstheater Stuttgart – sowie in Filmen zu sehen. Seit 2014 ist sie die Ermittlerin Johanna Stern an der Seite von Ulrike Folkerts im SWR-Tatort aus Ludwigshafen.

„Schlafschafe“ heißt eine sechsteilige Miniserie (pro Teil circa 15 Minuten), in der Lisa Bitter Melanie spielt, die Frau von Lars (Daniel Donskoy) und die Mutter von Janosch (Emil Brosch). Das Kleinfamilienleben wird bedroht, als Melanie sich in die Überzeugung hineinsteigert, dass hinter Corona eine große Verschwörung stecke. Wer das nicht erkenne, sei ein „Schlafschaf“. Das Drehbuch ist von Zarah Schrade, Matthias Thönnissen führte Regie. ZDF Neo zeigt die Serie in der Nacht zu Do. um 0.45 Uhr. Bereits am Mi., 10 Uhr, wird sie in die Mediathek gestellt.

Vielleicht findet ja beides statt – wobei ich schon glaube, dass wir die, die so denken wie Melanie, kaum beeindrucken können. Das ist für mich übrigens das Gefährliche an diesem Verschwörungsglauben, dass er die Grundpfeiler unserer Demokratie untergräbt. Wer der Meinung ist, dass hinter allem eine geheimnisvolle Macht steckt, die uns in der Hand hat, der glaubt auch nicht, dass die Bürger die Chance der aktiven Mitwirkung an unserem Gemeinwesen haben. Wer so denkt, den wird auch unser Format nicht erreichen. Vielleicht erreicht es Leute, bei denen es auf der Kippe steht. Das hoffe ich natürlich.

Kennen Sie selbst Menschen, die an solche Verschwörungsideologien glauben?

Nein, in meinem engeren Freundes- und Bekanntenkreis glücklicherweise nicht. Ich wüsste auch nicht, wie ich darauf reagieren würde. Aus der Erfahrung mit dieser Serie heraus würde ich sagen, dass ich wohl relativ schnell hilflos wäre. Weil man ja an Melanie sieht, dass sie Argumenten nicht mehr zugänglich ist. Innerhalb ihrer Welt ist alles schlüssig. Und draußen sind die vermeintlich Unwissenden, eben die Schlafschafe.

Wenn das Ihren eigenen Partner betreffen würde ...

Wenn das in aller Konsequenz ausgelebt würde, dann wäre es für mich nicht möglich, mit so jemandem eine Beziehung zu führen.

Hatten Sie schon mit Kolleginnen oder Kollegen zu tun, bei denen Sie sich bezüglich der Pandemie gefragt haben: Auf welchem Trip sind die denn?

Ich habe auf jeden Fall schon die Erfahrung gemacht, dass die Hygieneregeln nicht ernst genommen werden. Am Set hat man ja keine andere Wahl, als die Regeln einzuhalten, darauf wird sehr geachtet. Aber wenn man mitbekommt, dass für Kolleginnen oder Kollegen diese Regeln privat keine Rolle spielen, dann verunsichert das das gesamte Team.

Was sagen Sie zu der Aktion Ihrer Kolleginnen und Kollegen gegen die Corona-Maßnahmen, an der sich ja auch Ulrike Folkerts beteiligt hat?

Ich distanziere mich von Haltungen, die zu einer Spaltung der Gesellschaft beitragen. Ich empfinde die gesamtgesellschaftliche Stimmung als sehr angespannt, umso wichtiger erscheint es mir, mit Bedacht und Feinfühligkeit in Kommunikation zu gehen.

Interview: Rudolf Ogiermann

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