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Alexander Skarsgård als Tarzan.
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Alexander Skarsgård als Tarzan.

„Legend of Tarzan“

Lianen und Bananen

In „Legend of Tarzan“ kämpft ein Superheld gegen Kolonialisten. Mit seinem wilden, weißen Helden ist der Film nicht frei von jenem Rassismus, den er selbst anprangert.

Von Anke Westphal

Im Jahr 1977 eroberte der Schlager „Tarzan ist wieder da“ die Hitparade. Der Text ging in etwa so: „Tarzan unser Dschungelheld/ Der niemals auf die Schnauze fällt/ Tarzan ist wieder da“. Auch im Jahr 2016 ist Tarzan wieder da, und zwar in einem Kinofilm des Regisseurs David Yates mit dem Titel „Legend of Tarzan“. Dass der Dschungelheld hier niemals auf die Schnauze fällt, kann man indes schwerlich behaupten – gleich zweimal gerät Tarzan in die Fänge des Bösewichts Leo Rom.

Der wird von Christoph Waltz in eben der Art gegeben, in welcher dieser Oscar-Preisträger alle Bösewichter seiner Karriere gespielt hat: Skrupellos und bösartig ist Rom, dabei aber auch kultiviert, mit Sinn für skurrile Scherze. So benutzt dieser Leo Rom etwa einen Rosenkranz, ja die Gebetskette, um seine Opfer zu würgen und vom Leben zum Tod zu befördern.

Fragt sich: Was hat Leo Rom mit Tarzan zu tun? Die Antwort darauf braucht etwas Platz: Rom ist Ende der 1880er-Jahre im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. im Kongo unterwegs, um die leere Staatskasse des Monarchen mit Hilfe von Diamanten- und Sklavenhandel aufzufüllen. Sehr viele Diamanten soll Rom bekommen, wenn er einem der lokalen Häuptlinge Tarzan (melancholisch und muskulös: Alexander Skarsgård) als Gefangenen bringt. Chief Mongo sinnt nämlich auf Rache, weil Tarzan einst seinen einzigen Sohn getötet hat – weil dieser einzige Sohn wiederum Tarzans Gorilla-Mutter umbrachte.

Man erinnert sich: Als Baby war Tarzan nach dem frühem Tod der Eltern, englischer Adliger, hilflos im Dschungel zurückgeblieben und wäre wohl elendiglich gestorben, wenn sich das erwähnte Gorillaweibchen seiner nicht angenommen hätte. So wuchs das Menschenjunge, stark angefeindet vom Alphatier der Affengruppe, als wildes Kind unter den Tieren in der schönen afrikanischen Natur auf. Dann aber lernte Tarzan im Urwald die bezaubernde Jane Porter (Margot Robbie), Tochter eines amerikanischen Wissenschaftlers, kennen. Er verließ den Dschungel, um sie zu heiraten und fortan als John Clayton III. mit ihr in England, im väterlichen Schloss Greystoke zu leben.

Diese Vorgeschichte etabliert der Film in weichgezeichneten Rückblenden. Tarzans Kindheit erscheint dennoch nicht als Idyll. Immer wieder muss er beschützt werden vor dem Alpha-Gorilla; aber er lernt auch, seine fünf Sinne so zu sensibilisieren, dass er wie ein Tier hören, riechen, Signale und Reize wahrnehmen kann. Diese Fähigkeit benötigt er in England nicht, wohl aber in Afrika, wohin ihn eine Intrige von Leo Rom lockt. Tarzan ist jetzt Manövriermasse in einem Kolonialkrieg. Als Gast eines befreundeten Stammes werden er und Jane bald von den Leuten des Menschenjägers gefangen genommen. Ihre afrikanischen Freunde, stolz und zornig, werden in Ketten fortgetrieben, um in die Sklaverei verkauft zu werden.

Aber nicht sie sind hier die „edlen Wilden“ – ein Begriff, den dieser Film fatalerweise assoziiert. Als „edler Wilder“ überlegen ist den Schwarzen natürlich John Clayton, der in Afrika wieder zu Tarzan werden muss, um sich selbst und die geliebte Frau, aber auch die afrikanischen Freunde aus der Gefangenschaft zu befreien und noch Böseres – die Versklavung des ganzen Landes – zu verhindern.

Das Diskurspotenzial von „Legend of Tarzan“ ist theoretisch groß: Es werden Fragen des Kolonialismus und Rassismus aufgeworfen, und damit wird die westliche Zivilisation selbst zur Debatte gestellt, finanziert sie sich doch auf Kosten anderer Kontinente. Anzuerkennen ist, dass die Macher dieses Unterhaltungsfilms einen weiterführenden, sogar politischen Ansatz suchen, um eine altgediente Figur wie Tarzan für die Gegenwart anschlussfähig zu machen. Praktisch indes kann dieser Films nicht genug kritisiert werden, ist er mit seinem wilden, weißen Helden doch selbst nicht frei von jenem Rassismus, den er anprangert. Zudem sind erwartungsgemäß fast alle Bilder CGI (Computer-generated Images), was letztlich dazu führt, dass man alles schon gesehen zu haben glaubt. Und es ist ja auch so: Derzeit schaut ein Blockbuster wie der andere aus; ganz gleich, ob die Handlung in Afrika oder Asien spielt – es sieht doch immer aus wie Serienware aus dem Hochleistungsrechner.

Öde, pathetisch und platt ist „Legend of Tarzan“. 180 Millionen US-Dollar hat der Film gekostet und wenn überhaupt, so lohnt der enorme finanzielle Einsatz bei den Tieranimationen. Gorillas, Elefanten, Krokodile wirken beängstigend echt. Ein aggressiver Strauß rückt Tarzans Begleiter und Sidekick gefährlich nahe: Mit dem schwarzen Amerikaner Doc Williams (Samuel L. Jackson) stellt der Film die Verbindung zur Sklaverei in der Neuen Welt und zur massenhaften Vernichtung der Indianer her.

Mit Ach und Krach und geradeso kommt Doc Morris seinem Tarzan hinterher, der ja der bessere edle Wilde ist, weil er die Natur, die Tiere zumal besser versteht als die Eingeborenen, die ihm denn auch mehr als willig folgen. Unser Dschungelheld von heute ist keine Legende – dieser Film macht ihn vielmehr zum Superstar.

Legend of Tarzan. USA 2016. Regie: David Yates. 110 Min.

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