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"Ich, Immendorf"

Lebensbeweis, Liebesbeweis

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Nicola Graefs bewundernde Künstlerdokumentation "Ich, Immendorf" über die letzten Jahre des Malerfürsten. Von Daniel Kothenschulte

Kein geringerer als Pablo Picasso erkannte früh die Nöte des Künstlerdokumentarfilms. Seit der frühen Stummfilmzeit hatten Kameras Maler und Bildhauer bei der Arbeit gefilmt und das stets nach dem gleichen Prinzip: Die Leinwand, ein Klumpen Ton, ein Brocken Marmor, finden dann Stück für Stück zu ihrer Form, während man immer wieder auf den prüfenden Blick oder die gestaltende Hand des Künstlers schneidet. Nicht umsonst hatte der Pionier des frühen Künstlerfilms, Hans Cürliss, den Titel "Schöpfende Hände" gewählt für seine imponierende Stummfilmserie über die Künstler der 20er Jahre. Picasso aber mochte keine Schnitte. Er wollte gleichzeitig mit den Produkten seiner Schaffenskraft im Bild sein. So malte er hinter Glasscheiben gegen die Zeit.

Auch der Dokumentarfilm "Ich, Immendorf" handelt von einem Kampf eines Künstlers mit der Zeit, doch die klassischen Mittel des Künstlerfilms sind ihm verwehrt. Dem schwer erkrankten Jörg Immendorf war die große malerische Geste in seinen letzten Lebensjahren verwehrt. Die Kamera begleitet ihn in dieser Langzeitdokumentation mit größeren Abständen, in Interviews und diskret beobachteten Atelierbesuchen. Es ist kein analytischer Film. Kritische oder wenigstens kunstkritische Fragen bleiben ebenso ausgespart wie das, was Boulevardmedien damals Ausschweifungen nannten. Letztere entbehrt man gern, ersteres wäre vielleicht auch dem Maler selbst ein dankbares Streitthema gewesen.

Wie verändert sich ein Stil, wenn er auf fremde Hände angewiesen ist? Wie musste man sich jenes Verhältnis beidseitiger Bewunderung vorstellen, dass ihn mit dem amtierenden Bundeskanzler verband, das sich schließlich in einem golden schillernden Herrscherbildnis niederschlug?

Umso anrührender erzählt sich eine andere Freundschaft in diesem Film, die mit seinem leidenschaftlichen Bewunderer Jonathan Meese. So entsteht ein Doppelporträt im wörtlichen Sinne: Meese malt in einer Szene Immendorf und Immendorf malt Meese. Und wie er dann gegen alle körperlichen Widerstände den Pinsel zu einer minimalistischen Farbzeichnung ansetzt, das ist weit mehr als ein Lebensbeweis. Es ist ein Liebesbeweis.

Ich, Immendorf, Regie: Nicola Graef, Deutschland 2007, 98 Minuten.

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