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Jonas Mekas im Filmmuseum

Dem Leben bei der Arbeit zuschauen

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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„Ich glaube, ich war ein glücklicher Mann“: Der 92-jährige Jonas Mekas, wahrhaftig eine lebende Legende, im Filmmuseum Frankfurt.

Wenn die USA das nächste Mal eine irdische Botschaft in die unendlichen Weiten des Alls schicken, sollte unbedingt eine Dose mit Filmen von Jonas Mekas dabei sein, vielleicht „Diaries, Notes and Sketches“. Denn wohl kaum jemand hat sein Dasein über so lange Zeit so versiert und konsequent mit der Kamera begleitet wie der heute 92-jährige Regisseur und Autor aus Litauen. Jetzt war er im Rahmen seiner Deutschland-Tournee in Frankfurt zu Besuch, wo er sein neues „Scrapbook“ und den Film „Outtakes of the Life of a Happy Man“ vorstellte.

Wenn das überstrapazierte Wort von der „lebenden Legende“ jemals seine Berechtigung hatte, dann im Fall von Jonas Mekas. Er war Autorenfilmer, nahm seit den fünfziger Jahren mit seiner Bolex H16 alles und jeden auf, auf Du und Du mit Andy Warhol, Susan Sontag, Allen Ginsberg, John Lennon und Yoko Ono. Er war der erste Filmkritiker der „Village Voice“, nahm an der documenta 11 teil und an der jüngsten Biennale von Venedig.

Und nun stand da dieser Greis im Filmmuseum, mit grauem Mantel und Schiebermütze, und je länger er erzählte, desto lebendiger wurde er. Korrigierte zunächst unser Verständnis von „Outtakes“: Das seien nicht die beiseite gelegten Teile einer Arbeit, sondern die verwendeten Stücke aus seinen Millionen Metern Film: Er habe keine „Outtakes“, all sein Bestand („footage“) liefere Stoff für einen künftigen Film. Das Material diktiere ihm, was er damit anfangen solle, antwortet er auf die Frage, wie er seine Arbeiten strukturiere, und dass er normales unterbrechungsfreies Filmen nicht mag.

Szenen, Sequenzen, Schnipsel

Er habe viel „junk“ zuhause, das ihm als Arbeitsmaterial diene; er werfe nichts weg und er verwende auch nichts zweimal. Auf diese Idee könnte kommen, wer etwa Mekas’ Arbeit „As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty“ kennt. Auch in diesem Tagebuchfilm sind viele der Szenen, Sequenzen und Schnipsel aus den 60ern und 70ern zu sehen, in den „Outtakes“ aber spielen die Bilder der Familie eine größere Rolle. Immer wieder Kinder – für Mekas ein Bild des Glücks, ähnlich wie es sein Bruder im Geiste, Chris Marker, zu Beginn seines Essayfilms „Ohne Sonne“ zeigt. „Ich glaube, ich war ein glücklicher Mann“, sagt Mekas.

Sein Film vermittelt etwas von diesem Glück, aber auch vom Schatten darüber. Das Werk ist eine Art Vermächtnis aus Anlass seines 90. Geburtstags, und er sinniert an einem vorsintflutlich wirkenden Schneide-Apparat über die Kindheit, die Kraft der Erinnerung, aber auch die Einsamkeit des Filmemachers, der das letztlich alles „nur für sich“ tue.

Jean Cocteau hat den Satz geprägt, filmen heiße, dem Tod bei der Arbeit zuzuschauen. Jonas Mekas zeigt: Filmen heißt, dem Leben bei der Arbeit zuschauen.

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