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Laura Karasek füllt Böhmermanns Lücke - oder versucht es zumindest.

TV-Kritik

„Laura Karasek - Zart am Limit“: Die will ja nur spielen

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Eine Talkshow über Treue und Fremdgehen sollte im TV-Sommerloch Quoten bringen.

Es ist ja in den asozialen Medien üblich, über das öffentlich-rechtliche Fernsehen herzuziehen. Wenn einem eine Sendung nicht passt, dann motzt er, dass er „dafür“ Gebühren zahlen müsse. Diese unterbelichtete Sichtweise verkennt, dass das Fernsehen allen etwas bietet und noch die Freunde entlegener Hobbys bedient werden – ebenso wie Themen, die (fast) jeden und jede interessieren: Sex etwa.

Das hat sich jetzt auch ZDFneo zunutze gemacht, sonst das Programm für eher Ungewöhnliches, abseits vom Mainstream Liegendes, und pflegt seit kurzem eine schillernde Sumpfblüte mit der Talkshow von Laura Karasek. Die Juristin, Autorin und Moderatorin füllt die Lücke, während Jan Böhmermann Sommerpause macht, und sie tut das mit Themen „Zart am Limit“, so der Untertitel ihrer Talkshow. Diesmal ging es um “(Offene) Beziehungen und (falsche) Alibis“. Und das in einem Studiosetting, das den Tatbestand ästhetischer Folter erfüllte.

Eingeladen waren Schauspielerin Lilli Hollunder, Autorin Anna Zimt („In manchen Nächten hab ich einen anderen“) und Stefan Eibel, Eigner einer Agentur, bei der er Ausreden und Alibis verkauft. Es hätte also prickend werden können. Aber es begann damit, dass die Moderatorin ihre Gäste mit der Erkenntnis konfrontierte, dass die Länge des Ringfingers verriet, wer ein Draufgänger sei ... Und das war nur das erste Beispiel von diversem ähnlichen Unsinn, angeblich statistisch belegt, wie etwa der Behauptung, nur 22 Prozent der Deutschen seien untreu.

Darüber wusste am besten Anna Zimt Bescheid, die das Fremdgehen zum Prinzip in ihrer Ehe erhoben und das in ihrem Buch verwertet hat. Dass beim Fremdgehen „das Unbekannte“ der Reiz ist, war nun auch nicht die ganz große Überraschung – eher im Gegenteil. Um ihrem Ruf zu gerecht zu werden, schilderte sie dann detailliert einen „Downer“, die Zeitlupenbewegungen eines Lovers in ihren südlichen Regionen. Muss man nicht haben, aber wenn’s der Wahrheitsfindung dient ... 

Talkshow „Laura Karasek“: Gegen Flachwitz hilft auch kein Alkohol

„Laura Karasek“, ZDF neo, von Donnerstag, 1. August, 22.15, Video (verfügbar bis 1.11.2019)

Stefan Eibel dient eher dem Gegenteil, er verkauft, seit fast 20 Jahren Lügen. Wer eine Ausrede oder ein Alibi für einen Seitensprung oder andere Gelegenheiten braucht, kann das bei ihm bestellen. Dazu gehört auch der Bedarf von Männern, die für offizielle Termine eine Frau an ihrer Seite benötigen, aber Männern zugetan sind. Da hätte die alerte Moderatorin ja nachfragen können, was für eine Gesellschaft das ist, in der so etwas notwendig ist. Aber die wollte lieber spielen und ließ ihrer Gäste raten, etwa, ob Italiener oder Thailänder eher fremdgehen ... Wahnsinnig spannend.

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Lilli Hollunder, die nach ihrer Beziehung zu Ex-Nationalspieler René Adler gefragt wurde, outete sich als komplett monogam, unter anderem mit der Begründung, sie habe „arabisches Blut“. Aber die Frage, ob da nicht etwas Rassismus durchschimmerte, wurde nicht gestellt in der aufgekratzten Fröhlichkeit der Runde. 

Dazu passte die Schlussrunde an der Bar mit Shots und „Wurstwasser“ je nach richtiger oder falscher Antwort auf Fragen wie die, ob man Männer die fremdgehen, „am Hintern erkennen“ könne. Gegen solch Flachwitz hilft allerdings auch kein Alkohol (tut er auch sonst nicht). Muss man eben alles nicht so ernst nehmen. Muss man sich aber auch nicht angucken. Auch wenn dafür Gebühren zu zahlen sind.

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