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Dieter Kosslick vor Berlinale-Plakat.
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Dieter Kosslick vor Berlinale-Plakat.

Berlinale

Lasst euch nicht verbittern…

Die Berlinale ermutigt mit Wolf Biermann und kündigt einen Wettbewerb mit 22 Weltpremieren an.

Von Anke Westphal

Was für eine erhebende Eröffnung! Zu Beginn der gestrigen Programmpressekonferenz liest der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick Verse von Wolf Biermann vor: „Du, lass dich nicht verbittern / in dieser bittren Zeit…“ Nahezu jeder im Saal der Bundespressekonferenz weiß, auf wen und was das mit dem Verbittern zielt – auch wenn sich Kosslick bis zum Ende weigert, den Namen Donald Trump in den Mund zu nehmen. Biermanns Verse, so sagt der Festspielchef, könnte man jedenfalls über das gesamte Berlinale-Programm stellen.

Diese „Ermutigung“ ist ebenso zu begrüßen wie das vielfältige Filmangebot. Mut, Zuversicht und viel Humor seien hier kennzeichnend, so Kosslick weiter; es geht also um die Konsolidierung der Kräfte. Neben die Weltbeschreibung tritt die Analyse von Familienstrukturen, etwa in neuen Filmen von Aki Kaurismäki, Agnieszka Holland oder Sabu. Und oft wirkt es so, als hätten die Regisseure die aktuelle Entwicklung der Welt schon antizipiert. Der Blick auf die Geschichte findet sich im Berlinale-Programm aber ebenso wie die Künstlerbiografie als visuelle Formulierung von Utopie. Schon der Eröffnungsfilm befasst sich mit einer Künstlerbiografie: Etienne Comar erzählt in seinem Regiedebüt die Geschichte des berühmten Gitarristen und Komponisten Django Reinhardt.

Insgesamt 24 Filme laufen im Wettbewerb, davon 22 Weltpremieren, von denen 18 um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren. Deutschland geht mit drei Beiträgen in den Wettbewerb. Insgesamt werden vom 9. bis 19. Februar in den verschiedenen Sektionen 399 der mehr als 7 400 eingereichten Filme gezeigt.

Vielleicht liegt es auch an unserer Zeit, dass dokumentarische Formen an ästhetischer Autorität gewonnen haben. Jedenfalls werden auffallend viele Dokumentarfilme diese 67. Berlinale prägen, insgesamt sind es 92. Und 2017 ist ein Jubiläumsjahr: die Kinder- und Jugendfilmsektion Generation+ wird 40 Jahre alt und das Panorama 25. „Umbrüche ohne Ende“ werden hier zu sehen sein, so der Panorama-Chef Wieland Speck, dazu Filme über schwarze Welten, „die böse neue Welt“ und natürlich queere Regiearbeiten. Wem das alles noch nicht Entdeckungen genug bietet – das Forum, so dessen Leiter Christoph Terhechte, widme der marokkanischen Filmgeschichte eine kleine Extra-Reihe.

Der diesjährige Ehrenbär für ein Lebenswerk geht an die Kostümbildnerin Milena Canonero, der auch die Hommage gewidmet wird. Die Italienerin arbeitete unter anderen mit den Regisseuren Stanley Kubrick, Francis Ford Coppola und Roman Polanski zusammen. Die Berlinale-Kamera geht an den australischen Theater- und Filmschauspieler Geoffrey Rush, der beim Festival bisher mit acht Filmen vertreten war. Geehrt wird auch der ägyptische Filmkritiker und Autor Samir Farid, der mehr als 60 Bücher über das arabische und internationale Kino schrieb. Dritte Preisträgerin ist die Produzentin und Verleiherin Nansun Shi aus Hongkong, die 2007 Mitglied der Wettbewerbsjury war. Natürlich ist die 25 Millionen Euro teure Berlinale auch ein Ort zum Feiern für die Sponsoren.

Bei dieser 67. Berlinale wird erneut eine kompetente Internationale Jury entscheiden, wer den Goldenen und die Silbernen Bären gewinnt. 18 Filme konkurrieren im Wettbewerb, die Preisträger werden dann am 18. Februar während der Gala im Berlinale-Palast verkündet.

Den Vorsitz der Internationalen Jury übernimmt der Regisseur und Drehbuchautor Paul Verhoeven (u.a. „Robocop“), dessen mit dem Golden Globe ausgezeichneter Film „Elle“, mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle, am 16. Februar in den deutschen Kinos anläuft.

Verhoeven zur Seite stehen der isländische Künstler Olafur Eliasson, der ein Studio in Berlin hat und sich in seinen Arbeiten unter anderem mit dem Klimawandel befasst, die US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal („Crazy Heart“) und der mexikanische Schauspieler und Regisseur Diego Luna, dessen Film „César Chávez“ 2014 im Berlinale-Special lief. Zur Jury gehören zudem der chinesische Regisseur und Drehbuchautor Wang Quan an, der 2007 mit „Tuyas Ehe“ den Goldenen Bären der Berlinale gewann, und die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha Fourati, die Mohamed Ben Attias Langfilmdebüt „Hedis Hochzeit“ produzierte.

Auch die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch ist Mitglied der Jury. Für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (2005) wurde Jentsch mit dem Silbernen Bären der Berlinale sowie dem Deutschen und dem Europäischen Filmpreis geehrt. 2016 war sie mit dem Abtreibungsdrama „24 Wochen“ im Wettbewerb zu sehen.

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