+
Ist das nun Bandit, Bailey oder Buddy? Auf jeden Fall Nico Marischka als Flo.

Kino

„Lassie“ im Kino: Es ist zum Winseln

  • schließen

„Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ will modern sein, ist aber nur schablonenhaft.

Unter einem Dackel kann sich jeder etwas vorstellen, wie eine Dogge aussieht, vermutlich auch. Beim Collie ist das Hunderasseraten besonders einfach. Man muss nur „Lassie“ sagen. 1943 kam in den USA der erste Film in die Kinos über den Hund, den seine Besitzer weggeben müssen, der aber den Weg zurück findet. Die letzte internationale Produktion stammt von 2005. Und 2011 bekam Lassie endlich einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

In der deutschen Neuverfilmung der zu Herzen gehenden Geschichte wird der Mindestanspruch ausführlich befriedigt: Der Filmhund sieht auch in „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ sehr schön aus, mit braunem Rücken- und weißem Brusthaar, einer Blesse auf der Schnauze und lustigen Kippohren. Lassie läuft und springt anmutig, bellt mit angemessen tiefer Stimme, winselt allerdings ungewöhnlich häufig.

„Lassie – Eine abenteuerliche Reise“, D 2020. Regie: Hanno Olderdissen. 96 Minuten.

Lassie, obwohl offiziell weiblich, wird traditionell von Rüden gespielt, so auch in der neuesten Fassung. In den meisten Szenen agiert der Collie Bandit, entnehmen wir den Produktionsnotizen, wenige Male wird er von Bailey oder Buddy ersetzt – die Unterschiede sind nicht sichtbar.

Lassies Besitzer, ein zwölfjähriger, etwas schüchterner Junge, leidet sehr, als seine Eltern (Anna Maria Mühe und Sebastian Bezzel) von ihrer Vermieterin gezwungen werden, den Hund wegzugeben. Das Problem des Films besteht darin, dass er sich in der Handlung an der guten alten Vorlage zu orientieren versucht und gleichzeitig modern sein will. Einerseits lassen der Regisseur Hanno Olderdissen und seine Drehbuchautorin Jane Ainscough Flos Vater für heute glaubwürdig in einem sterbenden Gewerbe arbeiten, als Glasbläser, andererseits muss die reiche Familie auf der Gegenseite adlig sein wie in einem Heimatfilm von früher.

Lassie nimmt vor einem bösen Angestellten Reißaus. Die „abenteuerliche Reise“ führt von Nord nach Süd, gezeigt werden – neben Küste und Bergen – seltsam unzusammenhängende Landschaften. Es wirkt wie eine gute Idee, als sich Flos Klassenlehrerin mit ihren Schülern über eine Deutschlandkarte beugt, aber der Film setzt sie nicht um. Einmal steigt Flo in einen Bus nach Berlin, aber um wohin zu kommen? Das erfährt man nicht.

Einerseits entschieden sich die Filmemacher dafür, nach dem Hund zeitgemäß in sozialen Netzwerken suchen zu lassen. Andererseits besitzt ausgerechnet Flo kein Handy. Damit hilft ihm die gleichaltrige Priscilla, die Enkelin aus der adligen Familie. Sie muss von der ersten Szene an Freche-Mädchen-Klischees bedienen. So beschimpft sie den Opa für sein großes Auto, weil er wohl noch nichts vom Klimawandel gehört hätte.

Es ist zum Winseln, wie schablonenhaft heutzutage noch Familienfilme gedreht und finanziert werden. Das Berliner Publikum hat mit der mit dem Filmstart gleichzeitig beginnenden Berlinale und deren Sektion Generation wenigstens ein Gegengewicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion