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Lanz feiert die Weltmeister: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Jérôme Boateng und Mario Götze (v.l.n.r.).

TV-Kritik: "Menschen 2014" (ZDF)

Lanz tut keinem weh

Jahresrückblicke sind immer eine Wundertüte. Moderator Markus Lanz fördert in der ZDF-Rückschau "Menschen 2014" trotzdem keine Überraschungen zutage. 

Von Tilmann P. Gangloff

Vermutlich haben sie sich beim ZDF gedacht: Den Jahresrückblick fangen wir am besten mit der WM an, die hat schließlich alle TV-Rekorde gebrochen. Womöglich war das gar nicht so clever, denn für alle Fußballgelegenheitszuschauer war das Thema Mitte Juli durch; seither nervt es sie wieder.

Aber da musste man durch, wenn man wissen wollte, was denn sonst noch so passiert ist in den zurückliegenden elf Monaten. Deshalb gab’s noch mal die kippende Stimme von Tom Bartels („Mach ihn, mach ihn – und er macht ihn!“), dazu ein paar freundliche Belanglosigkeiten von Jérôme Boateng und Mario Götze - und der arme Brasilianer Dante musste ein weiteres Mal das 1:7 über sich ergehen lassen.

Und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach war zu Gast. Der durfte bestätigen, was Jogis Jungs doch für wunderbare Kerle sind. Eigentlich hätte man den Fußball jetzt gleich en bloc abhandeln können, aber Thomas Hitzlspergers Homosexualität wurde erst später thematisiert.

Zuvor wurde auch „Menschen 2014“ dem typischen Wundertütencharakter solcher Sendungen gerecht: Abgang Boateng und Götze, Auftritt Ebola. Vorher feierte das Publikum mit dem neunjährigen Alican, einem angehenden Polizisten aus Recklinghausen, noch rasch den kleinsten größten Star des Abends, dann gehörte die Bühne Bob Geldof, Campino und einem Medizinstudenten, der beim Praktikum in Sierra Leone nicht vor Ebola davongelaufen ist. Länger als zehn Minuten wollte das ZDF seinen Zuschauern allerdings nicht den Spaß verderben; der WM-Titel wurde 30 Minuten lang gefeiert.

Danach holte Markus Lanz den deutschen Astronauten Alexander Gerst aus seiner Wundertüte, um anschließend reibungslos aus dem dunklen All in eine Finsternis ganz anderer Art überzuleiten: Die junge Überraschungsbestsellerautorin Giulia Enders („Darm mit Charme“), Medizinstudentin in Frankfurt, gab charmant und fröhlich ihre Hommage an ein unterschätztes Organ zum Besten.

Lanz spielt Klavier

Hitzlsperger kam aus verständlichen Gründen immer noch nicht an die Reihe, weil erst noch Carolin Kebekus endlich für Ecken und Kanten sorgte. Die Satireabteilung von „Frontal 21“ schlug in die gleiche Kerbe und erlaubte sich mit dem Hinweis auf die ZDF-Schummelei bei „Deutschlands Beste“ sogar ein bisschen Nestbeschmutzung.

Lanz setzte sich später noch ans Klavier, um die singende Nonne Cristina Scuccia zu begleiten. Das machte er so gut, dass einem um die Zukunft des Südtirolers nicht bange sein muss, falls das ZDF demnächst nicht bloß „Wetten, dass..?“, sondern auch noch seine Talkshow einstellt.

Damit allerdings ist nicht zu rechnen, schließlich ist er der perfekte Gastgeber für Fernsehen, das nicht weh tun soll; selbst wenn das Gespräch mit Regisseur Helmut Dietl und Gattin, leider erst nach Mitternacht, ein krönender Abschluss der Show war. 

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