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Lilli (Karoline Herfurth) steht nachdenklich neben dem Fenster in einer Szene des Films "Im Winter ein Jahr". Die deutsche Regisseurin Caroline Link erzählt in ihrer vierten Kinoarbeit erneut eine bewegende Familiengeschichte.
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Lilli (Karoline Herfurth) steht nachdenklich neben dem Fenster in einer Szene des Films "Im Winter ein Jahr". Die deutsche Regisseurin Caroline Link erzählt in ihrer vierten Kinoarbeit erneut eine bewegende Familiengeschichte.

"Im Winter ein Jahr"

Lange erwartete Familientragödie

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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In Gediegenheit erstarrt: Caroline Links Melodram ist auch von Josef Bierbichler nicht zu retten. Von Daniel Kothenschulte

Caroline Links lange erwarteter neuer Film nach sieben Jahren ist leider vor allem ein langes und erwartbares Werk geworden. Schon das Handlungsgerüst des US-amerikanischen Autors Scott Campbell passt sich allzu widerspruchslos ein in die Konventionen bürgerlicher Psychodramen, wie sie seit Robert Redfords Klassiker "Eine ganz normale Familie" zahllos im Kino variiert wurden.

Dass Links zuerst für den US-amerikanischen Markt konzipiertes Projekt am Ende auf Deutschland umgeschrieben wurde, macht es nur noch deutlicher: Gerade zu auf einen Sockel gerückt erscheinen die üblichen Platzhalter des gehobenen Psychodramas. Corinna Harfouch spielt Mary Tyler Moores Rolle aus Redfords Film: Eine charakterlich verhärtete Mutter, die nach dem Tod ihres Sohns business as usual betreibt und sich keine Schwäche leistet.

Eindimensionale Mutterrolle

Statt über die Gründe des sorgsam vertuschten Selbstmords nachzudenken, bestellt sie bei einem Maler ein repräsentatives Porträt zur Erinnerung. Traulich vereint soll es den toten Alexander gemeinsam mit seiner Schwester Lili zeigen (gespielt von der begabten Karoline Herfurth) vor dem bildungsbürgerlichen Flügel zeigen.

Die Tochter möchte es schnell hinter sich bringen, doch der von Josef Bierbichler gespielte Maler ist dafür viel zu gewissenhaft. Und entdeckt in Lili die schöne Querulantin. Auch für ein Auftragsbild will er sein Credo nicht verraten. Selbst ein ihm unbekannter Toter soll auf dem Bild in seinem Wesen erfasst und mehr als ein gemaltes Foto sein. Also beginnt er mit Lilis Hilfe selbst zu graben nach dem verschütteten Drama.

Auch wenn das Hollywood-Konstrukt so erkennbar nach Bayern verfrachtet wurde, wie man früher in umgekehrter Richtung ganze Schlösser in die USA verschiffte, macht Bierbichler diese Figur erstaunlich lebendig. In seiner typischen Volkstümlichkeit verleiht er ihr die nötige Erdung. Die gemeinsamen Szenen mit Herfurth hätten ein schönes Kammerspiel abgegeben - und wohl die Eindimensionalität der Mutterrolle vergessen lassen.

Doch statt des psychologischen Kammerspiels zeigt Link eine unbändige Liebe zu den Oberflächen bürgerlicher Lebenswelt. Das Haus der Mutter ist der übliche Goldene Käfig im kühlen Schick einer überkommenen Moderne, dem bodenständigen Künstlerbild des Malers entgegen gesetzt. Mit dem gleichen Oberflächenrealismus folgt sie auch in der Psychologie einem Rattenschwanz von Parallel-Konflikten: In der vermuteten Homosexualität des Sohns spiegelt sich die unglückliche Liebe des Malers zu einem seiner Modelle wieder. Wie verhedderter Zwirn werden all diese Handlungsfäden geordnet und säuberlich in eine Reihe gelegt. Und das dauert sehr fühlbare 128 Filmminuten.

Alle übertreiben ihren Eifer

Alles an diesem Film wirkt seltsam äußerlich und exponiert, anrührend aber ist dieses Melodram zu keinem Zeitpunkt. Gewiss, der Stoff handelt von den Folgen einer zu lange unterdrückten Trauerarbeit, doch spätestens in der Lösung dieser Verhärtung müsste es emotional zur Sache gehen. Es werden ja auch alle Register gezogen. Doch alle Kräfte übertreiben es mit ihrem Eifer - und erreichen schlichtweg gar nichts: Niki Reisers omnipräsente Filmmusik und Bella Halbens Kamera verdoppeln nur die Gediegenheit des bürgerlichen Milieus, statt sie aufzubrechen und wirklich zu emotionalisieren. Und wie so oft wenn Malerei im Spielfilm zum Thema wird, kann sie den an sie gerichteten Ansprüchen nicht mehr standhalten.

Bei Redford war es nur ein unscheinbares Familienfoto, hier ist es eben ein Schinken in Öl, der als klärender Spiegel dienen muss. Aber ist das nicht etwas viel erwartet von einem Stück fotorealistischer Salonmalerei?

Im Winter ein Jahr, Regie: Caroline Link, Deutschland 2008, 128 Minuten.

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