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Roboter auf der Cebit in Hannover.

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Künstliche Intelligenz ? schlauer als wir?

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Eine Dokumentation von Guilain Depardieu und Thibaut Martin.

Beunruhigend ist das schon: Schach, Go und Poker, automatische Bilderkennungssysteme, medizinische Diagnostik, autonom fahrende Autos, sogar (scheinbar) kreative Arbeiten wie die Produktion von Werbespots, virtuelle Dialogsysteme wie Chatbots oder die nette Frau Siri –  das ist schon allerhand und gibt hinreichend Anlass zu der besorgten Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) in naher Zukunft immer mehr Bereiche unseres Lebens erobern und uns vielleicht eines Tages ersetzen wird.

Das ist natürlich Science Fiction.

Aber keine vorschnelle Beruhigung: Noch, so könnte man sich sagen, können wir einfach den Stecker ziehen und die Stromversorgung unterbrechen, wenn wir von der künstlichen Intelligenz die Nase voll haben. Andererseits: Es gäbe es sicher hier und da Lebewesen in der menschlichen Gesellschaft, die ein Interesse daran hätten, dass die Künstliche Intelligenz weiter arbeitet, die also die Stromversorgung wieder herstellen oder sogar sicherstellen würden. Und unter anderem kann KI eine Funktion schon sehr gut erfüllen: Sie kann helfen, uns zu überwachen.

Halten wir also fest: Künstliche Intelligenz dient vorerst Zwecken der menschlichen Gesellschaft. Nur: vielleicht nicht den klügsten.

Das Argument aber, dass die KI sich nicht selbst als eigentlichen Zweck ihrer Verbreitung definieren könnte, sondern immer einen Impuls, einen gesetzten Zweck, eine Aufgabe braucht, um in Aktion zu treten und ihre eigenen holprigen Lernprozesse in Gang zu setzen, ist zwar unabweisbar, lappt aber ebenfalls in den Bereich der Science Fiction. Schon der große SF-Autor Stanislaw Lem hatte ja vor Jahrzehnten literarisch die Existenz von Maschinen erprobt, die selbst nicht mehr wussten, ob sie Mensch oder technisches Gerät seien. Was wird dabei herauskommen, wenn unüberwachtes Lernen demnächst eine Fähigkeit von Software wird? Gruselig.

KI kann Menschen überflüssig machen

Noch gruseliger allerdings fallen in dem Film, den Guilain Depardieu und Thibaut Martin kompiliert haben, die Interviews aus, in denen Firmenvertreter von Betrieben, die an der Entwicklung von KI arbeiten, zu Wort kommen und mit mühsam von Vernunft gezähmter Begeisterung über eine Zukunft faseln, in der KI den Menschen überflüssig machen könnte. Einerseits mag man das gern glauben: den idiotisch Auto fahrenden, schlecht Poker und mäßig Schach spielenden, unzulängliche Diagnosen stellenden, schlechte Werbesports kreierenden, kommunikationsfaulen Menschen – den sähe man zuweilen gern ersetzt. Aber was soll das ganze Kommunizieren, Spielen, Dialogisieren und Werben, wenn nicht immer noch der Mensch das Ziel dieser Tätigkeiten wäre und die Zwecke setzen würde? Wäre die KI sich selbst genug? Würden Computer miteinander Schach spielen oder sich gegenseitig mit Werbespots nerven?

Das Hauptproblem scheint zu sein, dass die KI Arbeiten verrichtet, die sonst mäßig begabte Menschen übernehmen. Und es sind wohl die meisten von uns, die sich unter dem Label „mäßig begabt“ zusammenfinden könnten. Mit gekonnt sorgenvoller Stirnfalte fragt sich der KI-Entwickler einer IT-Firma also: Was machen wir mit diesen Menschen? Was sollen sie tun, wovon sollen sie leben, und wovon sollen sie den Strom für ihre intelligenten Techniken bezahlen?

Würde künstliche Intelligenz ihren Namen und vor allem den suggestiven Partikel „Intelligenz“ darin verdienen, würde sie an Lösungen für dieses Problem arbeiten. Denn es handelt sich hier um nichts Anderes als die Voraussetzung ihrer Existenz. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre ja wohl das Mindeste, was wir mäßig Begabten erwarten könnten.

Samstag, 6. Oktober, 21:50 Uhr, Arte.

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