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Fritz und Frau Schöllack, Uwe Ochsenknecht und Claudia Michelsen.
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Fritz und Frau Schöllack, Uwe Ochsenknecht und Claudia Michelsen.

Berliner „Ku‘damm 63“ 

Dritte Staffel startet im TV: Liebe, Schmerz und Zeitgeschehen in beliebter ZDF-Serie

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Die dritte Staffel der beliebten deutschen TV-Serie „Ku’damm“ startet im ZDF. In Berlin im Jahr 1963 geht es drunter und drüber - aber wir bleiben dran.

  • Im ZDF läuft „Ku‘damm 63“ an. Es ist der dritte Teil einer TV-Serie und spielt im Jahr 1963.
  • Die ersten beiden Staffeln „Ku‘damm 56“ und „Ku‘damm 59“ waren Publikumslieblinge.
  • Sie verbindet historische Begebenheiten und die fiktive Geschichte einer Berliner Familie.

Frankfurt - Und wieder kann man sich von und mit Frau Schöllack, Inhaberin der Tanzschule Galant, und ihren Töchtern in die wildesten Geschichten verwickeln lassen. Inzwischen ist die Berliner Mauer gebaut, Westberlin wartet auf den US-Präsidenten John F. Kennedy, die lateinamerikanischen Tanzkurse boomen, auf die Ehe als Keimzelle des Staates ist kein Verlass mehr und bei den Schöllacks und um die Schöllacks herum ist die Stimmung aufgewühlt bis ins Suizidale. Aber die Frisuren sitzen.

Die TV-Serie „Ku’damm“ hat ihrer dritte Staffel (nach 1956 und 1959) erreicht, 1963 in Berlin. Warum funktioniert das weiterhin so gut, obwohl es in „Ku’damm 63“ geradezu drunter und drüber geht?

TV-Serie im ZDF: Doppelmoral am Berliner Kudamm - Mutter Schöllack ist ein perfektes Biest

Vor allen Dingen liegt es an Caterina Schöllack selbst, die im Körper, in der Stimme und im Wesen von Claudia Michelsen erneut zum Kleinod übler, aber auch ansehnlicher und vor allem unsterblicher Doppelmoral wird. Frau Schöllacks Leben gerät in der ZDF-Serie in höchste Gefahr, indem sie in einer spektakulären Szene gleich am Anfang in Berlin von einem Bus erfasst wird (da wird die Wendung verständlich: von einem Fahrzeug erfasst zu werden). Schon fürchtet man, jetzt müsse man sich etwas anderes vornehmen, da liegt sie schon wieder recht kregel im Krankenbett und marschiert alsbald mit stählernem Rückengerüst noch aufrechter als zuvor durch das Berlin der 60er Jahre und durch die nächsten TV-Folgen.

Frau Schöllack ist eine Lügnerin und Verdrängerin der Extraklasse, und das TV- Drehbuch-Trio Seraina Nyikos, Johannes Rothe und Marc Terjung legt ihr bei einem ebenfalls markerschütternden Abendessen nicht umsonst die berüchtigte Haltung des Schriftstellers Frank Thiess und der „inneren Emigration“ in den Mund. Laut Frau Schöllack sahen die Emigrierten dem Unglück der Deutschen vielleicht nicht von der „Balkonloge“ aus zu, aber doch bei schamlos gutem Wetter.

ZDF: TV-Serie verknüpft eine Familiengeschichte mit realen historische Berliner Begebenheiten

Das geht gegen die nach Kalifornien emigrierte Sängerin Hannelore Lay, Helen Schneider, deren USA-Karriere in der TV-Serie an die von Marlene Dietrich erinnert. Die TV-Figur „Lore Lay“ hat es faustdick hinter den Ohren, aber glasklar sind ihre politischen Ansagen. „Wer Anstand hatte, konnte nicht in Deutschland bleiben.“ Klar, was soll Frau Schöllack da sagen. Sie also: „Ja, das sagt sich so leicht und lustig dahin“, und es sei sicher angenehm gewesen, während des Kriegselends in Deutschland „mit gutem Gewissen in der Sonne zu braten“. „Lore Lay“ verlässt dann vor dem Nachtisch das Haus.

In der ZDF-Serie ist der Auschwitz-Prozess in Vorbereitung, aber nicht nur Frau Schöllacks Gefühl, mit alledem womöglich doch irgendetwas zu tun zu haben, ist mangelhaft ausgeprägt. Der Holocaust-Überlebende Freddy, Trystan Pütter, schmeißt einige Nazis (sein Alter, also jung, aber im Bilde: ihn habe man wohl vergessen) aus seinem Berliner Musik-Club. Sie schmieren ihm dann ein Hakenkreuz hin.

Dritte Staffel startet im ZDF: Nicht alles, was im 60er-Jahre-Berlin der TV-Serie passiert, ist plausibel

Die TV-Figur Freddy ist in Schmerz und Lebenslust wieder ungemein plausibel. Dagegen muss nachher Monika, Sonja Gerhardt, ihrem Vater Fritz, Uwe Ochsenknecht, mitteilen, dass er mit seiner Enkelin nur Kontakt haben dürfe, wenn er ihr „die Wahrheit über früher“ sage. Der TV-Fritz schaut via Uwe Ochsenknecht einigermaßen neutral drein. Aber wäre dieser Satz (im Gegensatz zu anderen in der Serie) im Jahr 1963 so gefallen?

Es ist eine Entscheidung in der „Ku’damm“-Serie, Geschichte in einer genießerisch detaillierten Ausstattung, aber von heute aus zu erzählen. Das gilt erst recht fürs Thema Emanzipation und kann munter sein, zumal Ensemble und Regisseurin Sabine Bernardi so vergnügt und lebensvoll an viele TV-Szenen herangehen. Aber immer wieder ist die ZDF-Serie auch schal, naiv oder besserwisserisch.

Dritte Staffel im TV: ZDF-Serie um den Berliner Ku‘damm 1963 zeigt, wann die Vergangenheit neu war

Gut funktioniert es mit den Songs von Karim Sebastian Elias für Monika. Man muss die Lieder nicht mögen, um ihre Stimmung zu schätzen. Das ist ein kluger Weg, um zu dokumentieren, dass die Vergangenheit einmal das Neueste vom Neuen war.

Aber wo kommt denn Fritz auf einmal wieder her? Frau Schöllack trifft ihn in der Reha und knüpft unverdrossen an glückliche Tage an, während sie die Liebesaffäre von Helga, Maria Ehrich, mit einem Latin-Lover aus Genua unterläuft. Die merkwürdige Ehe von Eva, Emilia Schüle (der es das Drehbuch der TV-Serie mit krass unlogischem Verhalten schwer macht), und dem unangenehmen Jürgen, Heino Ferch (der vor lauter Unsympathischsein praktisch überhaupt nicht mehr spielt), nimmt unter der mütterlichen Fürsorge weitere fatale Wendungen.

TV-Premiere am Samstag: Am Berliner Ku‘damm der ZDF-Serie geht es rund

Frau Schöllack versucht in der TV-Serie des ZDF wirklich alles, ihre Töchter ins Unglück zu stürzen, aber es gelingt ihr nur teilweise. Tatsächlich geht es am Ku‘damm der 60er rund und es entsteht ein Wettbewerb des Unglücklichseins, bei dem lange offen bleibt, wer ihn gewinnen wird. Ist es dann doch Helgas Mann Wolfgang, August Wittgenstein, der an seiner unterdrückten Homosexualität und seinem hanebüchenen Konservatismus laboriert? Ist es doch Monikas Mann Joachim, Sabin Tambrea, der ungefähr eine halbe Folge lang in die gehasste Rüstungsfirma seiner Familie zurückkehrt?

Das Unstete hat die Schöllacks und die TV-Serie nicht verlassen. Das Ensemble, obwohl es – wie so oft, gerade im ZDF – etwas zu sehr zum Anbeißen ist, beglaubigt, dass im Leben wirklich vieles vorkommen kann. Dass Frau Schöllack selbst, die bigotte Lügnerin, die wahrhaftigste Figur bleibt: eine gesellschaftliche Ironie.

Im Berliner Musical-Theater soll die beliebte TV-Serie des ZDF jetzt in auf die Bühne gebracht werden.

TV-Serie „Ku’damm 63“, ZDF, Teil 1 der dritten Staffel am So., 20.15 Uhr – im Anschluss eine Dokumentation von Heike Nelsen zum Zeitgeschehen. Teile 2 und 3 am 22. und 24. März. Alles schon ab Sa. auch in der ZDF-Mediathek. Dort können auch die ersten beiden Staffeln angesehen werden.

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