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Branka (Neda Rahmanian, li.) und Gerichtsmedizinerin Brigita Stević (Sarah Bauerett) untersuchen die Leiche der 18-jährigen Eva Tomić (Caroline Hartig).

„Der Kroatien-Krimi: Der Mädchenmörder von Krač“, Das Erste

Auf falschem Kurs

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Die zwei neuen Folgen der Reihe „Der Kroatien-Krimi“ geraten unstimmig und sogar fragwürdig.

Auch wenn die Temperaturen wieder gesunken sind – hier gibt es nichts zu bemänteln: Sowohl der fünfte wie auch der sechste Beitrag der Degeto-Krimireihe mit Schauplatz Split hätten Mängelrügen zur Folge haben müssen. Die Filme entstehen vorwiegend an Originalschauplätzen, zum Teil mit einheimischen Schauspielern. Deren Dialoge werden deutsch – bisweilen irritierenderweise mit Akzent – nachgesprochen, sind aber nicht einmal ansatzweise lippensynchron. Solche Nachlässigkeiten schädigen den Gesamteindruck und lassen einen Spielfilm billig wirken, selbst wenn andere Gewerke gute Arbeit liefern.

Tatmerkmale

In „Der Mädchenmörder von Krač“ müssen Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) und ihr treuer Gehilfe Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) in die dalmatinischen Berge, wo die Leiche einer Achtzehnjährigen gefunden wurde. Tödlich am Kopf verletzt, liegt sie sorgsam hingebettet in den Felsen. Die Tat weckt Erinnerungen an einen älteren Mädchenmord. Damals aber wurde das Opfer vergewaltigt und in die Tiefe geworfen. Völlig andere Tatmerkmale, weshalb sich die Kommissare intensiv im Umfeld der Toten umschauen, zumal der ältere Fall in den unmittelbar angrenzenden Zuständigkeitsbezirk Šibenik und damit in die Verantwortung des dortigen Ermittlungsleiters Ivan Bago (David Rott) gehört.

Soziografischer Stoff, Basis besserer Krimis, ist hinlänglich gegeben. Das Dörfchen Krač wurde durch eine neue Umgehungsstraße abgeschnitten. Keine rastenden Tagesgäste, keine Touristen mehr. Das Gastgewerbe darbt, die Jugend empfindet quälenden Ennui und plant den Umzug. Auch die ermordete Eva Tomic (Caroline Hartig) wollte sich absetzen, gemeinsam mit ihrem Freund Dejan (Gustav Schmidt), mit dem Evas jüngere Schwester Sonja (Emily Kusche) ebenfalls liebäugelt. Wobei nicht nur Dejan motorisiert ist und die Heranwachsenden die circa einstündige Fahrt bis ins aufregendere Split eigentlich flott bewältigen könnten.

Dienstvergehen

Nach einem Buch von Christoph Darnstädt und in der Regie von Michael Kreindl wird Krač zu einem Hort der Selbstaufgabe, des Jammers und geistigen Elends. Der Vater der Geschwister Tomic säuft und tobt, Martin Feifel spielt ihn bäurisch herb, mit der Subtilität einer holzgeschnittenen Marionette. Der beteiligte Thespis-Nachwuchs führt vor, wie es besser geht.

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Stimmig wirkt diese Bergdorf-Kulisse ebenso wenig wie der krachlederne Rassismus und die aufgesetzte Misogynie Ivan Bagos, der in ungemilderter Weise als Ekelpaket ausgestellt wird und nicht die geringste Nuance zugebilligt bekommt. Diese Grobschlächtigkeit fügt sich allerdings passgenau ins Gesamtkonzept mit seiner alles andere als überzeugenden Hauptfigur. Klug soll sie sein, denn das wird Branka Maric alle naslang bewundernd attestiert. Aber kluge Frauen reiferen Alters nennen junge Männer, die ihre Söhne sein könnten, selten „süß“. Kluge Frauen kennen den Unterschied zwischen „Causa“ und „Kasus“ sowie den zwischen „Rechtsmedizinerin“ und „Pathologin“. Kluge Polizistinnen gehen nicht ohne Geleitschutz in das Versteck eines mehrfachen Mörders. Und sie arbeiten nicht – siehe den Korruptionskrimi „Der Henker“ am 21. März – mit fingierten Beweisen. Natürlich dürfen Film-Polizisten Fehler machen und auch sündigen. Aber dann sollte die Umgebung passend reagieren.

Urteilsspruch

Bei genauerer Betrachtung erscheint Kommissarin Maric eher ein bisschen – nennen wir es mal: engstirnig. Zeitweilig auch kindisch. Oder neurotisch. In einer Szene hat sie enormen Hunger, doch wirft sie das vom untreuen Gelegenheitsgeliebten übersandte leckere Essen in den Büropapierkorb. Souveräne Menschen handeln anders. Sie hätten den Küchenmülleimer gewählt. Diese beiden Kroatien-Krimis rangieren qualitativ noch unter den leichtgewichtigen, schmuck bebilderten Touristikkrimis, die lange Zeit das Programm des Ersten am Donnerstag bestimmten. Hier ein weiterer, allerdings verräterischer Beleg, der auf die Auflösung verweist. Wer sich die Spannung erhalten möchte, sollte erst nach dem Film weiterlesen.

In „Der Mädchenmörder von Krač“ nämlich wird ein Mensch als Täter präsentiert – letzte Gelegenheit, das Geheimnis zu wahren und den Text zu verlassen! –, dessen Gesicht entstellt ist. Auf diese Weise hat man früher in schlichten Schauermärchen die ruchlosen Strolche als Soziopathen abgestempelt. Mit anderen Worten: Hier rutscht der vom ARD-Unternehmen Degeto verantwortete Donnerstagskrimi, der doch mit Beiträgen wie dem „Usedom-Krimi“ und „Die Füchsin“ auf gutem Wege schien, auf niedriges Kolportageniveau.

„Der Kroatien-Krimi“, Donnerstag, 14. und 21.3., jeweils 20.15 Uhr, Das Erste

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