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ZDF Magazin Royale: Jan Böhmermann kratzt nur an der Oberfläche

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Von: Lukas Rogalla

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ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann mit dem Thema „Kampf ums Wasser“
Im ersten ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann nach der Sommerpause geht es um den „Kampf ums Wasser“ in Deutschland. © ZDF

In der ersten Folge nach der Sommerpause stellt ein hydrierter Jan Böhmermann fest: Wir haben viele Probleme mit unserer kostbarsten Ressource.

Kurz vor Weihnachten 2021: Als Zeichen der Wertschätzung erhält der oben genannte Autor von seinem Arbeitgeber ein Starterset von „Air-Up“. Allein durch Duft soll Wasser so Geschmack von Kola und Tangerine verliehen werden. Das Produkt, in das der berüchtigte Unternehmer Frank Thelen einst investiert hatte, fängt in seiner Verpackung allerdings nur Staub. Dabei soll es ein Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit sein. Und nicht nur das: Die Werbung verspricht ein „Trinkerlebnis, das die Welt noch nicht gesehen hat“. Thelen nennt es gar „revolutionär“. Was tatsächlich hinter dem Produkt steckt, sind vor allem viel Plastik und gewaltig lange, klimaschädliche Lieferketten.

Diese Form des Greenwashings ist nur ein Aspekt, den Jan Böhmermann im ersten ZDF Magazin Royale nach der Sommerpause kritisch aufzugreifen versucht. Das Thema der Sendung lautet also Wasser – und wie fahrlässig Deutschland mit der Ressource umgehe.

ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann: Wasser und Greenwashing

„Air-Up“ ist nicht das einzige Konzept, das in diesem Zusammenhang kritisiert wird. Auch „Viva con Agua“ gebe sich als nachhaltig, cool und versuche, junge Leute anzusprechen, meint Böhmermann. Die Non-Profit-Organisation setzt sich nach eigenen Angaben weltweit für den Zugang zu sauberem Wasser ein. So sollen Umweltschutz und Aktivismus Spaß machen. Schaut man genauer hin, handele es sich aber um eine Marke Mineralwasser wie die meisten anderen, nur hipper: Neben Merchandise, das im Shop angeboten wird, agieren zahlreiche Tochterunternehmen, sogar im Immobilienbereich. Das Mineralwasser von „Viva con Agua“, wie es im Handel erhältlich ist, wird vom norddeutschen Unternehmen Husumer Mineralbrunnen abgefüllt.

Jan BöhmermannSatiriker und Moderator
Geburtstag23. Februar 1981
GeburtsortBremen
SendungZDF Magazin Royale

Doch hilft die Initiative in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit wirklich? Aus Sicht des Moderators nicht. „Würden alle Deutschen Leitungs- statt Mineralwasser trinken, ließe sich mehr CO2 einsparen, als der innerdeutsche Flugverkehr verursacht“, schrieb die Zeit im April laut einer Einblendung. Will man sich umweltbewusst verhalten, sollte man also schlicht und einfach Leitungswasser trinken und nicht auf Unternehmen oder Organisationen hereinfallen, die einem Umweltschutz vorgaukeln, folgert Böhmermann.

ZDF Magazin Royale: „Der Kampf ums Wasser“

Allerdings werde genau das zunehmend zum Problem. Die „verkorkste Landwirtschaft“ sowie Massentierhaltung sorgen in Form von Dünger dafür, dass Nitrat ins Grundwasser sickern kann – nicht nur aus gesundheitlicher Sicht, sondern auch für die Umwelt könne das äußerst schädlich sein. So habe Deutschland laut einem Untersuchungsbericht der EU-Kommission 2018 den zweithöchsten Nitratgehalt im Grundwasser in der gesamten Europäischen Union. Trinkwasser wird also immer knapper. Gleichzeitig gebe es mehr und mehr juristische Auseinandersetzungen um die kostbare, doch unscheinbare Ressource.

Im „Kampf ums Wasser“ stehe in Deutschland bereits ein Sieger fest: die Wirtschaft. Und damit sei selbstverständlich nicht das Gemeinwohl gemeint, sondern Profite, vorrangig von Konzernen, die Unmengen Wasser verbrauchen. Dies werde laut einer Correctiv-Recherche unter anderem durch jahrzehntealte Abmachungen ermöglicht, die die Klimakrise nur selten berücksichtigen. Auch etwa Autobauer würden von diesen Regelungen profitieren und die Klimakrise durch ihre Erzeugnisse weiter anfachen.

ZDF Magazin Royale

„Deutsche und ihr Wasser: Es ist kompliziert“ am Freitag, 09. September, 23 Uhr im ZDFLink zur Mediathek

Das erste ZDF Magazin Royale nach der Sommerpause spricht viel Wichtiges an, kratzt jedoch nur an der Oberfläche. Besonders wenn man bedenkt, dass Böhmermann aus den ersten 15 Minuten einen völlig humorbefreiten Sommerrückblick gemacht hat, inklusive Sprüche zur Hochzeit von Christian Lindner. Aufgrund einiger weiterer Kalauer, die selbst ironisch gemeint höchst unangenehm sind („Blindgänger im Po entschärft“), dauert es, bis die Sendung an Fahrt aufnimmt. Entsprechend schnell verabschiedet sich Böhmermann schon wieder vom Publikum, als es gerade interessant wird.

ZDF Magazin Royale: „Deutsche und ihr Wasser: Es ist kompliziert“ – wirklich ein deutsches Problem?

Zum Schluss der Folge eine Art Cliffhanger. Auf eine entsprechende Anfrage der ZDF-Redaktion antwortete das Bundesumweltministerium: „Die Frage der Notwasserversorgung in Krisenfällen [...] ist nicht Gegenstand der Nationalen Wasserstrategie. Die Nationale Wasserstrategie selbst wird die Frage der Priorisierung von unterschiedlichen Wassernutzungen daher nicht klären.“ Mitten im extremen Dürre-Sommer ist die Frage nach der Priorisierung des Wasserverbrauchs mehr als berechtigt. Was passiert also, wenn es in Zukunft ernster wird? Dass es keinen klaren Plan der Regierung gibt, überrascht zwar nicht unbedingt, hätte allerdings deutlich mehr Ausführung verdient.

Gleich die ganze Sendung hätte auf genau diesem Aspekt der Priorisierung aufbauen können. Allerdings wurden in dieser Folge zu viele Punkte, die einfach irgendetwas mit Wasser zu tun haben, durcheinandergeworfen und nur flüchtig behandelt. Auch der Titel der Sendung („Deutsche und ihr Wasser: Es ist kompliziert“), der ein deutsches anstatt eines globalen Problems suggeriert, hinterlässt einige Fragezeichen. Zudem spricht Böhmermann wiederholt von einer hochneurotischen Beziehung der Deutschen zu Wasser, lässt aber offen, warum die genannten Probleme nur auf Deutsche zutreffen sollten. (Lukas Rogalla)

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