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Tatort „Spur des Blutes“: Natalies Geschichte

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Von: Judith von Sternburg

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Natalie, Tinka Fürst, und der Typ, der von Josef Hader gespielt wird. Martin Valentin Menke/WDR/Bavaria Fiction
Natalie, Tinka Fürst, und der Typ, der von Josef Hader gespielt wird. Martin Valentin Menke/WDR/Bavaria Fiction © WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin

Ausgerechnet der Köln-Tatort „Spur des Blutes“ (ARD, heute) ist anämisch geraten.

Köln – Der neue Tatort aus Köln verlässt sich auf einen reizvollen Einfall, der sich in anderthalb Stunden allerdings kaum ausspinnen lässt. Wir wollen kein Sterbenswörtchen über ihn verlieren. Schwerer wiegt ohnehin, dass drumherum Ballauf-Schenksche Routine waltet. Muss man die Mutter einer ermordeten Drogenkonsumentin darüber belehren, dass ihre Kälte der Situation nicht angemessen ist? Lohnt es sich, zum Westentaschenzuhälter, der von einem „Invest“ spricht, zu sagen: „Zu allererst war sie ein Mensch“? Und wenn es sich lohnt, ist es ein guter, spannender, aufwühlender Tatort-Dialog?

Schenk, Dietmar Bär, jedenfalls kann nicht anders, auch Ballauf, Klaus J. Behrendt, kann nicht anders, und das Buch von Jan Martin Scharf und Arne Nolting, inszeniert von Tini Tüllmann, legt ihnen die ausgesprochene Betroffenheit auch allenthalben in den Mund. Ballauf immerhin konzentriert sich auf den wesentlichen Teil: Was ist mit Natalie los, Tinka Fürst, der sonst so sympathischen und aufgeräumten Kriminaltechnikerin, die auf einmal ein ganz anderes Ding am Laufen zu haben scheint?

Tatort aus Köln heute in der ARD: „Spur des Blutes“ belässt es bei einer recht allgemeinen Skizze

Man sieht vorerst zwei Mädchen, Charlotte Lorenzen als Lara und Greta Bohacek als Kim, die ungezogen herumalbern und einander kleine Schmetterlinge hinten auf den Hals tätowieren. Sie nehmen aber auch Heroin und gehen auf den Straßenstrich. Obwohl eine Szene eigens darauf verwendet wird, einen bösen Trip zu visualisieren, bleibt selbst das blutleer (in einer Geschichte, in der Blut die Titelrolle spielt). Gleichwohl ist man neugierig auf die beiden, aber vergebens, weil „Spur des Blutes“ es bei der recht allgemeinen Skizze belässt.

Lara liegt nun tot im rotbraunen Wasser. Einige Sendezeit wird auf das dekorative Bild verwendet, das sich daraus ergibt. Aus dem dekorativen Bild hingegen ergibt sich nichts weiter, ein Nachteil des Dekorativen und eines an der Oberfläche bleibenden Erzählens.

Köln-Tatort heute in der ARD: Robert Stadlober spielt den peinlichen Zuhälter

Eine Spur führt zu dem peinlichen Zuhälter, den Robert Stadlober zumindest auf der sichtbaren Ebene mit angemessen geringfügigem Einsatz verkörpert, eine andere zu einem Typ, den Josef Hader spielt. Das ist eine so schöne Besetzung, dass gleich wieder Hoffnung keimt. Gerade Hader macht auch so viel daraus wie möglich, kommt mit Nathalie so gut und schnell ins Gespräch, wie es unter Fremden gelegentlich vorkommt. Und er stammt wie die vielleicht etwas zu ausführlich eingesetzte, aber melancholische Streichermusik von Reinhold Heil aus einer anderen Sphäre.

Köln-Tatort im TV

„Tatort: Spur des Blutes“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Und noch einmal aus einer anderen Sphäre stammt der Begriff „Verrichtungsbox“. Dass die Polizei das Wort natürlich kennt und es ihr dermaßen leicht über die Lippen kommt, ist stark, aber in diesem insgesamt so braven Krimi wirkt es wie ein Zufall.

Vielleicht lohnt es sich, die Schenk-Wendung „Pass mal auf, du Klobürste“ für Notfälle bereitzuhalten. Nein, eigentlich nicht. (Judith von Sternburg)

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