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Ungeschickt: Markus Lanz verzweifelter Versuch misslingt

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Von: Teresa Vena

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Bei Markus Lanz bestimmt erneut der Ukraine-Krieg die Tagesordnung. Der Versuch, den Bogen zu Corona zu spannen, geht im ZDF massiv schief.

Hamburg – Der Ukraine-Krieg bestimmt seit seinem Beginn die Medien und die öffentliche Meinung. Man ist nahtlos von der Corona- in eine neue, mindestens genauso existenzielle Krise übergegangen. Es wirkte fast schon wie ein verzweifelter Versuch von Moderator Markus Lanz in seiner Sendung vom 7. April 2022 im ZDF, einen Bogen zu beiden Themen zu spannen. Dieser ist gänzlich misslungen. Das war schade, denn es wäre gar nicht notwendig gewesen, die Diskussionsrunde überhaupt mit dem Bezug auf die gescheiterte Impfpflicht zu starten.

Es war mehr als ungeschickt von Markus Lanz, Anton Hofreiter, Grünen-Politiker und Biologe, diesbezüglich in die Mangel nehmen zu wollen. Hofreiter gab sich einsilbig, räumte aber das völlige Scheitern des Vorstosses für eine Impfpflicht seitens der Regierung ein. Er verstrickte sich auf Nachhaken des Moderators im ZDF in belanglose Erklärungen über das für solche ethischen Fragen „nicht-unübliche“ angewandte politische Abstimmungsverfahren, das den Fraktionszwang aufhebe. Diese fahrige Argumentationsweise sollte bis zum Schluss der Sendung nicht nur an Hofreiter haften bleiben.

Markus Lanz (ZDF): Moderator stellt sich vor Karl Lauterbach und fühlt sich selbst als Zielscheibe

Markus Lanz hat das Seinige dazu beigetragen, dass die Stimmung von Anfang an unter den Gästen angespannt war. Erst versteifte er sich, unerklärlicherweise, auf eine Episode zwischen ihm und Karl Lauterbach, die in einer früheren Sendung im ZDF stattfand. Lanz verteidigte leidenschaftlich Lauterbachs Souveränität, vor laufender Kamera auf seine Überzeugungen zurückzukehren, als er sich gegen eine freiwillige Isolation für Corona-Infizierte aussprach. Während die Anwesenden, Hofreiter und die Journalistin Hannah Bethke, Lauterbach kritisierten, seine Entscheidung im Alleingang und im Rahmen einer Talkshow verkündet zu haben, sah sich Lanz selbst unter Beschuss.

Sichtlich pikiert war er von Bethkes Aussage, dass eine Talkshow nicht das richtige Format dafür gewesen sei. „Sie hätten es in der NZZ, die ich im übrigen sehr schätze, doch auch sofort gedruckt“, meinte er angriffig und anbiedernd zugleich. Mit der Entgegnung Bethkes, das gedruckte Wort habe ein anderes Gewicht, war Lanz ganz offensichtlich nicht zufrieden. Die Unterstellung seine Sendung könne vielleicht nicht ernst genug genommen werden, was Bethke nicht einmal versuchte, abzustreiten, traf den Moderator.

Markus Lanz (ZDF): Keine fundierte Analyse zum Ukraine-Krieg

Das war ein merkwürdiger Auftakt in die Sendung im ZDF. Spürbar war, dass sich Markus Lanz auch im weiteren Verlauf immer wieder versuchte, zur Geltung zu bringen. Er beanspruchte dadurch reichlich Sendezeit für sich selbst – meist leider ohne mehr als hülsenhafte Phrasen wiederzugeben. Es scheint fast so, als habe dieses Unwohlsein auf seine Gäste abgefärbt. Weder Hofreiter noch Bethke noch der Soziologe Gerald Knaus trugen zu einer fundierten Analyse über die aktuelle Lage in der Ukraine bei.

Knaus, der sich selbst als Laie bezeichnete und sich damit mehrfach einer Positionierung gegen konkrete Maßnahmen entzog, fiel es schwer, seine Sätze auszuformulieren. Seine Argumentation war assoziativ und fahrig. Er sprach sich aber unmissverständlich gegen das stattfindende Gräuel aus, unter den markantesten Aussagen war allerdings lediglich: „Wir müssen alles tun, was wir verantworten können, um den Krieg so schnell wie möglich zu stoppen“.

Markus Lanz (ZDF): „In der russischen Gesellschaft hat sich ein großes Gewaltpotenzial angestaut“

Das sagte auch die Bürgerrechtlerin und Russin Irina Scherbakowa. Sie hätte, sofern ihr etwas mehr Raum gewährt worden wäre, Interessantes über die Hintergründe der aktuellen politischen Lage zwischen dem Westen, der Ukraine und Russland beisteuern können. „In der russischen Gesellschaft hat sich ein großes Gewaltpotenzial angestaut“, sagte sie. „Für Putin hat menschliches Leben überhaupt keinen Wert“, machte Scherbakowa im ZDF klar. Dass man dies aber erst jetzt sehe, wie sich Putins Ideologie radikalisiert habe, verstehe sie nicht. „Spätestens seit seiner Münchener Rede 2007 wurde alles deutlich gesagt“, meinte sie weiter. Das jüngste Massaker zeige den wahren Charakter dieses Kriegs, „wir haben uns sofort an den Tschetschenien-Krieg erinnert“.

Zum Schluss der Sendung im ZDF knüpfte Markus Lanz wieder an seine anfängliche Intention, über die politische Verantwortung Deutschlands in der aktuellen Lage zu debattieren, an. Als es darum ging, die Sanktionen gegen Russland insofern zu verschärfen, in dem man ein Embargo auf die Öllieferung legt, brach ein letztes Mal ein Streit zwischen Hofreiter und Bethke aus. Dies wurde von Lanz angestachelt, der Hofreiter dazu bringen wollte, zuzugeben, dass sich die Grünen ihrer Gesinnungen nicht mehr treu blieben. Für Bethke war das eine Steilvorlage, doch Hofreiter wurde ungehalten: „Es ist extrem bitter, was wir erleben. Die Realität hat sich auf brutale Art geändert, nicht die Gesinnungen.“, rief der Politiker.

Markus Lanz (ZDF): Verschiedenste Definitionen im Raum

„Wir müssen alles tun, um nicht Kriegspartei zu werden“, sagte er weiter. Man müsse reagieren und alles tun, was man verantworten könne. Letztendlich hatten die Anwesenden aber alle eine andere Definition davon, was dieses „Zumutbare“ für die eigene Bevölkerung genau bedeute. Für Hofreiter gehöre dazu, „im Privaten zu sparen“ und durchaus eine Anzahl an Unternehmen und ihre Angestellten dafür zu opfern. Für Bethke sei das allerdings zu „leichtfertig“ gedacht.

Einig waren sich schließlich alle, dass man möchte, dass sich der Ukraine-Konflikt nicht verbreite und schnell beendet werden könne – doch so optimistisch entliess einen die Sendung zumindest in letzterem Punkt nicht, denn an mehreren Stellen sprach man von einer vermuteten Dauer von mehreren Monaten und darüber hinaus. (Teresa Vena)

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