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„Die Verteidigerin“ (ARD): Martina Gedeck als hartnäckige, aber gelassene Anwältin

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Von: Sylvia Staude

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Anna Notrup (M.) guckt, wie oft, still zu, als Katharina Samuel im Knast besucht.
Anna Notrup (M.) guckt, wie oft, still zu, als Katharina Samuel im Knast besucht. © SWR/Maria Wiesler

Der TV-Film „Die Verteidigerin“ lädt die dunklen Tiefen des Schwarzwalds ein bisschen mystisch auf, mit Wölfen, Raben und Raben fütternden Einzelgängern.

Frankfurt - Alles andere als eine Faber’sche Drama Queen ist die Schauspielerin Martina Gedeck in einer neuen (Krimi-)Rolle, die sie in der ARD bei genügend Publikumszuspruch sicherlich fortsetzen können wird: „Die Verteidigerin“. Ob die Bremsen ihres Wagens versagen oder jemand das Auto mit den Wörtern „Verpiss dich“ besprüht, ob ihr Klient ausflippt oder die Chefin des „Waldhotels“ sie umstandslos rauswirft – Anna Notrup, in diesem Fall Pflichtverteidigerin in einer Wiederaufnahme, bringt eine schöne Gelassenheit, eine beruhigende äußerliche Biederkeit (diese geknoteten Halstücher!) und einen großen Variantenreichtum an Blicken mit: mitfühlend, interessiert, skeptisch, ironisch, spöttisch. Angstvoll ist eher weniger darunter.

Damit ist Martina Gedeck/Anna Notrup die besonnene Mitte in einem Film, der kaum auf Spektakel und krasse Charaktere setzt. Jedoch lädt Mara Eibl-Eibesfeldt – Regie und, mit Carola Dieckmann, auch Buch – die dunklen Tiefen des Schwarzwalds ein bisschen mystisch auf, mit Wölfen, Raben und Raben fütternden Einzelgängern (Untertitel des Films: „Der Gesang des Raben“). Zwar versichert Anna Notrup ihrer Enkelin – sie liest ihr abends die Geschichte vom Rotkäppchen vor –, dass es Wölfe nur im Märchen gibt. Aber die Zuschauerin weiß es da schon besser.

RolleDarsteller:in
Anna NotrupMartina Gedeck
Samuel BlissGustav Schmidt
Clemens NeumannJörg Witte
Renate LässerTherese Hämer
Wolfgang LässerWolfgang Packhäuser
Paul LässerLukas B. Ambberger
Maja JungDeniz Orta
Katharina SchwarzVanessa Liobl
SaskiaRosa Wirtz

„Die Verteidigerin“ (ARD): Eine komplette Leiche? Dann ist das Geständnis falsch

Aus einem Schwarzwald-See werden ein Auto und eine komplette Leiche gezogen – „komplett“ ist relevant, weil vor fünf Jahren, als das Opfer verschwand, der junge Samuel Brunner (Gustav Schmidt) angab, den Vater seiner Freundin erschlagen, zerstückelt und an seine Schweine verfüttert zu haben. Das Geständnis des jungen Mannes kann also so nicht stimmen. Mit einem Achselzucken der Behörden – dann war es halt anders –, möchte sich Brunners Verteidigerin nicht zufriedengeben. So nimmt sich Anna Notrup ein Zimmer im „Waldhotel“, macht sich, wir ahnen es, im Ort und bei den damals Beteiligten unbeliebt, stiefelt dem Leiter der örtlichen Polizeidienststelle und Freizeit-Jäger Neumann (Jörg Witte) notfalls bis zu seinem Hochsitz nach.

Das mit den Bremsen waren Marder, meint der Automechaniker, der, leider, die Schläuche schon entsorgt hat: Einige Male lassen Eibl-Eibesfeldt und Dieckmann Fragen lässig unbeantwortet. Und Martina Gedeck guckt zwar zweifelnd, macht dann aber auch keine große Sache mehr draus. Fährt halt dann mit dem Mietwagen einmal mehr zur ehemaligen Freundin des Verurteilten (Vanessa Loibl), überredet sie dann doch, ihren Ex-Freund, von dem sie ja auch ein Kind hat, im Knast zu besuchen.

„Die Verteidigerin – Der Gesang des Raben“

Mittwoch, 25. Januar, 20.15 Uhr, ARD, auch in der Mediathek (Video verfügbar bis 25. April 2023)

„Die Verteidigerin“ (ARD): Ein TV-Krimi, der in den Dialogen ein wenig schwächelt

Überredet? Eher: stellt sich hin und schaut. Und schaut die Leut’ an. Diese wortlosen Momente sind das Besondere an einem TV-Krimi, der in den Dialogen dann doch ein wenig schwächelt. Würde man Bingo spielen mit den abgenutztesten Sätzen, wäre vom „Gefühl, dass mehr dahintersteckt“ bis zu „Sie dürfen jetzt nicht aufgeben“ (Notrup) bis zu „mir kann keiner helfen“ (Brunner) alles dabei. Aber da die „Verteidigerin“-Basis schon mal stimmt, ließe sich hier ja noch nachjustieren und schärfen. (Sylvia Staude)

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