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Alles außer Mord: „Die Kanzlei: Reif für die Insel“ als Sonderfolge im Ersten

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Von: Harald Keller

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In der Sonderfolge „Reif für die Insel“ treffen die Rechtsanwälte Isabel von Brede (Sabine Postel) und Markus Gellert (Herbert Knaup) auf eine verschwiegene Inselgemeinschaft.
In der Sonderfolge „Reif für die Insel“ treffen die Rechtsanwälte Isabel von Brede (Sabine Postel) und Markus Gellert (Herbert Knaup) auf eine verschwiegene Inselgemeinschaft. © Manju Sawhney/NDR

Die Erfolgsserie „Die Kanzlei“ mit Sabine Postel erhält erstmals eine Folge in Spielfilmlänge und liegt mit ihren Drehorten voll im Trend.

Ob Liebesroman oder Krimi – Deutschland befindet sich im Inselfieber. Nähme man Buch- und Fernsehkrimis als bare Realität, wäre das Leben auf den norddeutschen Inseln gefährlicher als in Al Capones Chicago der Zwanzigerjahre. Einige TV-Krimireihen zehren dauerhaft von dieser imaginären Verbrechensrate. Bei anderen, beispielsweise „Wilsberg“, werden publikumswirksame Abstecher zu meerumschlungenen Tatorten eingebaut.

Die Serie „Die Kanzlei“, hervorgegangen aus dem Vorgänger „Der Dicke“, gehört zu den Erfolgstiteln im ARD-Programm, hat sich also redlich verdient, mit einer neunzigminütigen Sonderfolge gewürdigt zu werden. Die Rechtsanwälte Isabel von Brede (Sabine Postel) und Markus Gellert (Herbert Knaup) nebst Mitarbeiterinnenstab planen eigentlich einen Betriebsurlaub auf Gran Canaria.

„Die Kanzlei“ heute in Spielfilmlänge im Ersten: Verschwiegene Inselgemeinschaft

Dann aber wird Brede auf eine andere Insel bestellt. Ihre Mutter Marion (Marie Anne Fliegel) hat sich auf Lasund im eigentlich geschlossenen Hotel eines Bekannten eingenistet und sich dem Alkohol ergeben. Der Hotelier Harald Bruns – gespielt von Peter Franke, der 2007 in der „Der Dicke“ schon einmal eine wiederkehrende Nebenrolle als Cafébesitzer innehatte – ruft Isa von Brede zu Hilfe, die denn auch gleich einer Galionsfigur per Fähre anrauscht.

Auf Lasund erwartet sie nicht nur die in tiefe Schwermut verfallene Mutter. Auch Bruns hat Sorgen. Sein Hotel wurde enteignet, soll in naher Zukunft geräumt werden und einem Flugplatz weichen. Isa von Brede, die angenehme Jugenderinnerungen mit dem Hotel verbindet, wird rasch misstrauisch. Die unverhältnismäßigen Pläne, das rabiate Verhalten des Bürgermeisters, das steinerne Schweigen der Bewohner – das klingt nicht nach einem seriösen Bauvorhaben.

„Reif für die Insel“ („Die Kanzlei“) heute im Ersten: Dreharbeiten an der Nordsee

Sie bittet ihren Sozius Gellert um einige Recherchen. Der lässt Gran Canaria sausen und eilt der Freundin zu Hilfe. Auch die Kanzleiangestellten Gudrun Wohlers (Katrin Pollitt) und Yasmin Meckel (Sophie Dal) reisen an. Auch wieder ironisch: Als Süher Özlügül ermittelt Dal in der ZDF-Reihe „Friesland“. Hauptsächlich in Leer, wenn aber Strandszenen benötigt werden, schippert man schon mal rüber nach Norderney.

„Die Kanzlei: Reif für die Insel“, Freitag, 25.2.2022, 20:15 Uhr, Das Erste

Zu den familiären Drangsalen gesellen sich Korruption, kriminelles Treiben sowie zarte Techtelmechtel, was indes auf einer derart überschaubaren Ostseeinsel selbstredend alles miteinander verquickt ist. Thorsten Näter ist krimierfahren und Stammautor dieser Serie. Er packt so einiges in die Geschichte, Gellert wird Zeuge häuslicher Gewalt und greift ein. Dennoch wirkt die Handlung nie überfrachtet und entfaltet sich relativ schlüssig, ohne die Glaubwürdigkeit über die Maßen zu strapazieren. Bemerkenswert vor allem, dass er ohne Tötungsdelikte auskommt und trotzdem – im Verbund mit Regisseurin Bettina Schoeller Bouju – eine spannende Geschichte zu erzählen versteht.

Allzu großen Übermut in der Handlungsführung oder der Regie darf man folglich nicht erwarten. Der unterhaltende Charakter dominiert. Es zeigt sich aber auch: Dieses Team hat etwas zu sagen. (Harald Keller)

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