Rainer Holbe.
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Rainer Holbe.

Rainer Holbe

Im Kreißsaal des Privatfernsehens

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Journalist Rainer Holbe wird 80 Jahre alt.

Diesen smarten Typ im Sakko mit dem gewinnenden Lächeln kannten Generationen von Fernsehzuschauern: Rainer Holbe war das erste prominente Gesicht des deutschen Privatfernsehens. Am Montag (10. Februar 2020) feiert der Journalist und Moderator, der in Frankfurt am Main lebt, seinen 80. Geburtstag.

Sein journalistisches Handwerk hatte er in den 60er Jahren bei der Frankfurter Rundschau gelernt, als Volontär und junger Redakteur. Hier spielte er seine Begabung aus: Er konnte auf Menschen zugehen, besaß Reporter-Talent, konnte improvisieren.

Bei der FR erlebte Holbe die Zeit, in der der junge US-Präsident John F. Kennedy große Hoffnungen auf demokratische Erneuerung in Deutschland auslöste und viele Menschen in seinen Bann schlug. Er berichtete über den Besuch Kennedys in Frankfurt am 25. Juni 1963 und dessen Rede auf dem Römerberg. 60 000 Menschen hatten sich dort und in der angrenzenden Altstadt versammelt. Holbe stand schräg hinter dem Präsidenten, als der ganz locker von seiner Fahrt im offenen Mercedes von Hanau nach Frankfurt berichtete. Nur wenige Monate später, am 22. November 1963, wurde der US-Präsident im texanischen Dallas erschossen.

Als die Todes-Nachricht in Frankfurt eintraf, stand, so Holbe, „die gesamte Stadt still. Intendant Harry Buckwitz hat die Vorstellung des Theaters abgebrochen und wir haben eine Sonderausgabe der FR gemacht, zum Preis von zehn Pfennig.“

Bundesweit bekannt aber wurde Holbe, als am 2. Januar 1984 um 17.27 Uhr in Luxemburg RTL plus als erster privater Fernsehsender seinen Betrieb aufnahm. Der Journalist enthüllte in einem Kreißsaal einen Fernseher, auf dem das RTL-Logo zu sehen war. Holbe moderierte von 1988 bis 1992 die RTL-Talkshow „Die Woche“, für die er mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. „Als am 9. November 1989 die Mauer in Berlin gefallen war, haben wir als erster Fernsehsender am nächsten Morgen live aus Berlin berichtet.“

Auch für ZDF und SAT 1 war er Moderator. Bis 2000 blieb er Redakteur für besondere Aufgaben bei RTL. 1990 war er kurzfristig beim RTL-Frühstücksfernsehen abgelöst worden, als in einem Buch, das er herausgegeben hatte, antisemitische Zitate von Dritten kritisiert wurden. Auch für die FR hat Holbe wieder gearbeitet, etwa, als er zum 80. Geburtstag von Udo Jürgens 2014 ein großes Interview mit dem Sänger führte. Und er schreibt nach wie vor für das „Luxemburger Wort“, die führende Zeitung seiner zweiten Heimat. Er kann gar nicht anders.

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