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Die Komödienbaustelle

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Im Bad des Traumhauses gibt es eine böse Überraschung. Nicht nur Stefans (Oliver Mommsen) Nerven steht ein Balanceakt bevor. Das ist der Beginn des ganz normalen Wahnsinn auf der Dauerbaustelle Eigenheim.
Im Bad des Traumhauses gibt es eine böse Überraschung. Nicht nur Stefans (Oliver Mommsen) Nerven steht ein Balanceakt bevor. Das ist der Beginn des ganz normalen Wahnsinn auf der Dauerbaustelle Eigenheim. © ZDF und Julia von Vietinghoff

Diese Handwerkerkomödie gleicht selbst einer Bauruine: Die reingesteckten Erwartungen verpuffen, es gibt viel Geschluder, und nichts daran ist wirklich lustig.

Von D.J. Frederiksson

Es ist ein weitverbreitetes Vorurteil, daß die Deutschen keine Komödien können. Das stimmt so nicht. Sie tun sich nur mit diversen Unterarten davon schockierend schwer. Slapstick ist so ein Beispiel: Gleich in der ersten Szene dieses Films darf ein Handwerker versuchen, ein Loch in der Wasserleitung abzudrücken, das ihn direkt ins Gesicht spritzt. Chaplin, Keaton, Laurel und Hardy – selbst der kleine Maulwurf im Kinerprogram hat aus solchen Situationen schon ein kleines Kunstwerke geschaffen.

Thilo Prothmann, der hier den Bauarbeiter Hein spielt, gehört nicht in diese Reihe: er drückt ein Handtuch drauf, was eindeutig ausreicht, nimmt es dann aus unerfindlichen Gründen wieder weg, woraufhin er wieder angespritzt wird. Dann drückt er ein anderes drauf, was auch funktioniert, nimmt auch dieses wieder weg, wird wieder angespritzt. Dann drückt er eine neues Handtuch drauf. Das soll dann der Witz gewesen sein.

Gleich die erste Szene, eine Kulmination auf Chaos, Streit und Kindsgeburt, soll als vorangestellter Höhepunkt Lust auf mehr machen. Es ist eine klassische Strategie: Man zeigt seinen Höhepunkt früh und baut fleißig Erwartung auf, damit der Zuschauer in den folgenden 70 Minuten Rückblende bis zum Erreichen dieser Szene dranbleibt, weil er den Höhepunkt nochmal sehen will und verstehen will, wie es soweit kommen konnte. Allein, wenn schon dieser Höhepunkt lahm und gestelzt wirkt, bleibt jede Vorfreude aus.

Es ist natürlich nicht das fehlende Talent für Slapstick, das alleinverantwortlich ist für die mangelnde Komik dieses Films. Sowohl Autor Stefan Kuhlmann („Überleben an der Wickelfront“, „Besser spät als nie“) als auch Regisseur Matthias Steurer („Vier kriegen ein Kind“, „Kleine Schiffe“) haben ausgiebige Erfahrung mit der harmlosen öffentlich-rechtlichen Familienkomödie. Insofern sollte es vielleicht nicht überraschen, dass auch die Dialogkomik, ein weiterer Humorzweig, bei dem sich die Deutschen notorisch schwertun, gar erst nicht stattfindet. Kuhlmann und Steurer liefern ein professionell produziertes, aber langweiliges, routiniertes und glattgeschliffenes Massenprodukt ab, ohne Biss, ohne Entgleisung und entsprechend ohne echte Komik.

Klischeehafte Motive

Nun könnte Humor sicherlich auch aus einer gewissen Originalität entstehen, aus einer atmosphärischen Schieflage, wie sie im amerikanischen und französischen Kino gerne benutzt wird, um drollige und völlig unerwartete Wendungen aufzubauen. Aber auch hier ist Fehlanzeige: Die klischeehaften Motive, die hier aufgetischt werden, kennt man längst aus den zahlreichen und zyklisch wiederkehrenden deutschen Handwerkerkomödien: überlaufende Klos, reinredende Eltern, spiralisierende Kosten, Fachkräfte ohne Deutschkenntnisse, Unfälle auf der Baustelle... und bald darauf natürlich Schuldzuweisungen, Unsicherheiten, Ehekrise. Das alles hat man vor dreißig Jahren im Tom-Hanks-Film „Geschenkt ist noch zu teuer“ schon einmal gesehen, und seitdem sehr oft und immer wieder.

Falls der Film auf richtige Lacher aus war, ist davon im Endprodukt nichts mehr zu spüren. Komik entsteht aus rabiaten Überraschungen und rasanten Umschwüngen im Schicksal und den kuriosen Arten und Weisen, wie Menschen damit umgehen. "Handwerker und andere Katastrophen" hat schlicht und ergreifend nichts dergleichen zu bieten: Der Film dümpelt von Problemchen zu Problemchen. Letztlich schauen wir zwei nur leidlich interessanten Hauptfiguren dabei zu, wie sie ihr frisch gekauftes Haus nicht renoviert kriegen. Und wer schon mal auf einer Party neben so jemandem gesessen ist, der weiß, dass das keine ausreichende Unterhaltung ist.

Der Film, seines Zeichens eine Komödie, hakt also keine einziges Humor-Kästchen ab. Wenn es aber nicht wirklich um Humor geht sondern, wie das bei Regisseur Steurer in der Vergangenheit schon häufiger der Fall war, eher um zufriedenes Schmunzeln und um ein wohliges Gefühl für die alltäglichen Freuden, dann scheitert er dank heimeliger Streichermusik und wenig sympathischer Figuren diesmal selbst daran.

Sogar der Film selbst, der die beiden Protagonisten aus Drehbuchgründen mit optimistischer Überheblichkeit und sehr geringer Frustrationsschwelle ausgestattet hat, scheint sich nicht sicher zu sein, ob vielleicht Schadenfreude statt Sympathie angebracht ist, wenn diese beiden immer wieder scheitern. Und so bleibt, wie bei einer Bauruine, die verwirrte Frage, was es denn nun eigentlich mal werden sollte. Aber letztlich, auch das macht der Film in seinem Finale schmerzhaft klar, war es eh alles nicht so wichtig.

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