Harald Krassnitzer als Hubert Fischbach und Ann-Kathrin Kramer als seine Frau Henni Fischbach.
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Harald Krassnitzer als Hubert Fischbach und Ann-Kathrin Kramer als seine Frau Henni Fischbach.

TV-Kritik

Komödie "Der Wettbewerb" - selten so wenig gelacht

Maue Gags, billiges Drehbuch - was den Machern von "Der Wettbewerb" durch den Kopf ging, als sie diese Möchtegern-Komödie drehten, das bleibt deren Geheimnis. Wenn Sie den Film gesehen haben, haben sie einen Abend ihres Lebens verschenkt.

Von Klaudia Wick

Dass am Ende nicht wenigstens das ganze Haus samt Pellet-Ofen in die Luft fliegt, ist wohl nicht allein dem schmalen Budget des Ausstatters geschuldet. Klimatechnisch wäre es natürlich auch ein fragwürdiges Happyend für eine Fernsehkomödie, die sich am Ökowahn der „grünen“ Generation abarbeiten will.

In Zeiten von Niedrigenergiehäusern, deren Fenster sich nicht mehr öffnen lassen, und Energiesparlampen, die nach Gebrauch auf Sondermülldeponien entsorgt werden müssen, wäre die Zeit reif für eine bissige Komödie über den Alltag jener Gutmenschen, die allabendlich im Öko-Haus ihre CO2-Bilanz ausrechnen und dann am Wochenende das Filetsteak auf den Holzkohlegrill werfen. (In diesem Zusammenhang ein wenig Aufklärung: bitte auf den Link klicken).

Leider haben sich die drei Autorinnen von „Der Wettbewerb“ nicht sonderlich in die Materie eingewohnt, mit der sie ihr Publikum unterhalten wollten. Ihre Geschichte statten sie überwiegend mit den Absurditäten längst vergangener Öko-Epochen aus. Dabei ist selbstgemachte Seife oder die ökologische Wurmkiste für den Bioabfall nur bedingt ein probates Mittel zur Reduzierung des abgesonderten CO2. Aber letzten Endes ging es im „Wettbewerb“ ja auch gar nicht um moderne Energiegewinnung, sondern um einen archaischen Bruderzwist.

Plumpe Inszenierung

Die Geschwisterrivalität von Hubert (Harald Krasnitzer) und Viktor (Cornelius Obonya) ist der dramaturgische Sprit, der den Hybridmotor dieser Öko-Komödie auf Touren bringen soll: Hubert arbeitet zu viel und nie klimaneutral. Als Manager eines Ölkonzerns fährt er mit dem Auto ins Büro und macht sich auch sonst wenig Sorgen über seine Energiebilanz.

Ganz anders sein jüngerer Bruder Viktor. Als Betreiber des kleinen örtlichen Bioladens achtet er schon seit Jahren auf seinen „ökologischen Fußabdruck“. Dass sich die beiden Streithähne ein Doppelhaus teilen müssen, ist eine plumpe dramatische Setzung, die der Inszenierung lediglich allzu lange Wege ersparen will.

Während im Keller von Huberts Haushälfte das Solarium munter brutzelt, brennt also auf der anderen Seite ein moderner Pellet-Ofen. Während hier der alte Retro-Kühlschrank brummt, wird dort das „Biofresh“ mit Solarenergie betrieben.

Für den Energiesparfimmel seines Bruders beginnt sich Top-Manager Hubert überhaupt erst zu interessieren, als er an einem Öko-Wettbewerb teilnimmt, bei dem alle im Ort – also auch Bruder Viktor mitmacht: Die Ausschreibung der örtlichen Öko-Beauftragten fragt danach, welche Familie den kleinsten „ökologischen Fußabdruck“ hinterlässt.

Die Teilnahme wird für den siegesgewohnten Hubert zu einer Herausforderung, der er sich nicht entziehen kann. Das Schicksal der Eisbären, deren Lebenswelt durch den Klimawandel bedroht wird, ist ihm dabei so wurscht wie das persönliche Wohlbefinden seiner Familie. Mit diversen aberwitzigen Sparmaßnahmen versucht er lediglich, die Klimabilanz seines Bruders einzuholen. Der aber verliert auch nicht gerne. Erst Recht nicht gegen seinen Bruder. Und schon gar nicht auf seinem „eigenen“ (Öko)-Terrain.

Laue Gags

Offenbar wollten sich die Macher von „Der Wettbewerb“ weder mit den Öko-Fundis noch mit den Energiespar-Realos im Publikum anlegen. Deshalb badeten die Gagschreiber eher lau. Das mag im Hinblick auf den Energieverbrauch löblich sein, bildet aber für Regisseur Michi Riebl keine gute Voraussetzung für eine Funken sprühenden Komödie.

Das ist besonders schade, weil Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer sich durchaus spielfreudig am Tempowitz abarbeiten, und Cornelius Obonja unter seinem politisch korrekten Fahrradhelm auch reichlich unterfordert wirkt.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Films, wenn die Figuren etabliert und die Konflikte gesetzt sind, offenbaren sich die Drehbuchhänger von „Der Wettbewerb“ so weithin sichtbar wie ein Windrad, das sich an einem wolkenfreien Sommertag nur müde dreht.

Allzu absehbar steuert der Neu-Ökologe Harald mit seinem blinden Aktionismus auf den Super-GAU im häuslichen Binnenklima zu. Und auch Viktors Sabotage-Akte wirken zumeist eher kindisch als komisch. Nach einem quälend albernen zweiten Akt recyclen die Autorinnen einen ganz alten Trick: wie einst Lysistrata treten die beiden Ehefrauen in den Streik und ziehen aus ihren Doppelhaushälften aus. Und prompt geben sich Harald und Viktor erst geschlagen und dann die Hand!

Nicht einmal in seinem restaurativen Biedermeier-Finale ließ sich dieser Film zu einer originellen Wendung hinreißen. Ein trauter Bionade-Eintracht finden in den Doppelhaushälften alle wieder zueinander. Nur den Eisbären am Pol droht weiterhin die Klimakatastrophe. Selten so wenig gelacht. 

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