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Wisting und FBI-Agentin Griffin (Mitte) gehen den Dingen auf den Grund.

TV-Kritik

„Kommissar Wisting“: Serienmörder gibt es auch in Norwegen

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Die norwegische Krimi-Serie „Kommissar Wisting“ startet in der ARD.

Man könnte meinen, dass skandinavischen Krimiautoren und in der Folge auch jenen, die diese Krimis verfilmen, eine Checkliste vorgelegt wird. Darauf steht zum Beispiel, dass es in diesen Geschichten kalt sein und eine Menge Schnee liegen sollte. Dass ein resoluter Journalist/eine resolute Journalistin eine wichtige Rolle spielen muss. Dazu ein älterer, einsamer, melancholischer Ermittler. 

In einer nicht sehr großen Stadt – etwa dem norwegischen Larvik, 47.000 Einwohner – ist wider alle Wahrscheinlichkeit ein Serienmörder zugange, der bei einem Dutzend Opfer noch lange nicht aufhört. Und wenn der ältere, einsame, melancholische Ermittler Familienangehörige hat, dann wird eine Familienangehörige genau der (blonde!) Typ des Killers sein.

„Kommissar Wisting“: Krimi-Serie startet am Zweiten Weihnachtsfeiertag

Am Zweiten Weihnachtsfeiertag zur Nach-Tatort-Zeit um 21.45 Uhr beginnt die ARD nun mit der Ausstrahlung der norwegischen Serie „Kommissar Wisting“ und der Doppelfolge „Eisige Schatten“. Ausgedacht hat sich den Polizisten der 1970 geborene Jørn Lier Horst, der selbst als Kriminalhauptkommissar arbeitete, inzwischen aber nur noch schreibt. Und gespielt wird der verwitwete Ermittler von Sven Nordin, einem kantigen Charaktergesicht. Trotzdem ist er eher der sanfte Typ. Als Tochter Line und ehrgeizige junge Journalistin ist Thea Green Lundberg an seiner Seite. Sie sagt tolle Sachen wie „Siri, ruf meinen Vater an“ – und Siri ruft ihren Vater an.

Aber Papa geht nicht ans Telefon, nicht einmal für Siri, denn er hat von zwei just eingeflogenen FBI-Agents erfahren, dass in oder nahe Larvik vermutlich vor Jahren bereits ein amerikanischer Superserienmörder (17 Opfer allein in den USA, mindestens) untergeschlüpft ist. Und „vermutlich“ bedeutet in einem Krimi: Natürlich ist er da. Und späht schon sein nächstes Opfer aus.

„Kommissar Wisting“:  Regisseur greift zu Effekten, die sich glattgeschliffen haben

Ganz so schlecht, wie es hier klingt, ist „Eisige Schatten“ nicht. Aber vorhersehbar und damit zwischendurch ein bisschen langweilig. Auch Regisseur Trygve Allister Diesen greift zu Effekten, die sich in der TV-Krimi-Flut längst glattgeschliffen haben: Aufgerissene Augen, einem hinausgezögerten Gegenschnitt auf Leichenteile, Abstiege in gruselige kalte Brunnen, Gegenschnitt auf Schädel und andere Skelettteile. Feuer, Eis und allzu neugierige blonde Frauen.

Nebenbei kann man immerhin lernen, dass in Norwegen andere Sitten herrschen – „wir sind in Stavern, nicht in Texas“ -, dass die Dienstwaffen in einem kleinen Tresor im Polizeiwagen eingeschlossen und nur mit Genehmigung herauszuholen sind, dass eine Journalistin umstandslos Unterlagen von der Polizei bekommt sowie den Schlüssel zum Haus eines Verstorbenen. Wo sie schlauer ist als die Polizei und à la Sherlock Holmes herausfindet, dass der Tote im falschen Sessel saß.

„Kommissar Wisting“,  ARD, 26., 29. Dezember („Eisige Schatten“), 1., 5. Januar („Jagdhunde“), jeweils 21.45 Uhr.

Von Sylvia Staude

„Obwohl ich dich liebe“: Eine Serie, bei der einem der Atem wegbleibt: Diese atemberaubende französische Mini-Mini-Serie fächert an einem einzigen Abend eine komplexe Krimi-Intrige auf, die sich über Jahrzehnte erstreckt.

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