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Aleardi mit Christina Hecke als Claire.

„Kommissar Dupin – Bretonische Geheimnisse“, ARD

Grüner Faden durch das Dickicht der Ermittlungen

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Der siebte Dupin-Krimi fängt den Zauber der Umgebung nicht ein.

Was den Briten ihr Inspector Barnaby, ist den Bretonen ihr Kommissar Dupin. Beide dienen sie als Reiseführer zu idealtypischen Orten, verträumt-romantischen Dörfern auf der Insel, wild-romantischen Küsten auf der Halbinsel. Die Idyllen werden allerdings durch unfreundliche Bewohner und unschöne Begebenheiten gestört, bei denen üblicherweise jemand zu Tode kommt. Während aber der Engländer sich meistens mit mehr oder weniger spleenigen Zeitgenossen auseinandersetzen muss, hat es der Franzose mit mehr oder weniger habgierigen Zeitgenossen zu tun, die den Charakter der Region antasten wollen. So wie jetzt im neuen Fall, bei dem der aus Paris strafversetzte Kommissar Georges Dupin „Bretonische Geheimnisse“ kennenlernt. 

Die ranken sich um den Wald von Brocéliande, den es real gar nicht gibt (er heißt Wald von Paimpont), der aber – wir sind hier ja in einem Werbefilm für eine touristische Destination – als ein Locus amoenus der Artussage gilt. Diesen Anspruch erheben zwar auch Tintagel in Cornwall oder die Preseli Mountains in Wales und noch ein paar andere Flecken auf dem Globus, aber wer wird es denn so genau nehmen. 

Immerhin dient die Geschichte um die Ritter von der Tafelrunde und Zauberer Merlin als grüner Faden durch das Dickicht der Ermittlungen, zu denen der Kommissar (Pasquale Aleardi) sich wegen zweier Leichen genötigt sieht. 

Der Manager des örtlichen Fremdenverkehrsvereins wird von seinem Freund, dem Postboten, beim Handgemenge erschossen, wie das Publikum sehen darf. Den Täter ereilt kurz danach dasselbe Schicksal. Dessen Körper wird vom Arzt Bastian Terrier entdeckt, der nicht nett zu seiner Frau ist und somit etwas aufdringlich als Verdächtiger eingeführt wird. Die beiden Toten waren in einem Verein namens „Pendragoner“, der für die Erhaltung des kulturellen Erbes von Brocéliande kämpfen wollte – auch gegen einen alerten Investor, der aus dem geschichtsträchtigen Forst einen Freizeitpark zum Thema Artussage machen will. 

Es bedarf einiger rasanter Autofahrten bei der Recherche, bis Dupin weiß, dass der Postbote einem Geheimnis auf der Spur und einst Gatte der jetzt vom Herrn Doktor geschurigelten Dame war. Die wiederum die beste Freundin der Witwe des Postboten ist – es ist halt jeder mit jedem irgendwie verbandelt, wie das auf dem Dorfe oft der Fall und so praktisch für die Handlung in einem Krimi ist (Buch: Eckhard Vollmar). Und wie schon im allerersten Casus von Dupin geht es wieder um ein Original, von dessen Existenz nur Eingeweihte wissen und das den Lauf der Geschichte ändern könnte ... 

Dem sagenumwobenen Wald wissen Regisseur Bruno Grass und Kameramann Hendrik A. Kley übrigens erstaunlich wenig abzugewinnen – kein Wunder, wenn doch Dupin immer mit seinem Wagen da durchbrettern muss, und die Drohnen-Überflüge zeigen bloß ein freundliches Hellgrün. Diesen Blicken auf die Landschaft geht jeder Zauber ab. Verlockender ist da die neue Heimstatt des Kommissars und seiner Liebsten Claire: eine Villa mit Meerblick, von der aus das Paar am Ende dem Sonnenuntergang entgegenträumt. 

Autor Jörg Bong, dessen Pseudonym Jean-Luc Bannalec längst gelüftet ist, hat bereits die Auszeichnung „Mäzen der Bretagne“ erhalten, und womöglich kommen weitere Ehrungen dazu, denn er hat nun mehr Zeit zum Schreiben weiterer bretonischer Reiseführer, da er die Programmgeschäftsführung bei S. Fischer aufgegeben hat.

„Kommissar Dupin – Bretonische Geheimnisse“, Donnerstag, 11. April, 20.15 Uhr, ARD

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