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Nur selten singt sie nicht: Catherine Frot als Marguerite.
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Nur selten singt sie nicht: Catherine Frot als Marguerite.

"Madame Marguerite"

Koloraturen des Grauens

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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„Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“ ist ein ungelenkes Film-Denkmal für die Musikamateurin Florence Foster Jenkins. Über eine Laufzeit von 127 Minuten hat der Masochist in uns reichlich Gelegenheit, Catherine Frots halsbrecherische Koloraturen zu ertragen.

Madame Marguerite“, die Titelfigur in Xavier Giannolis historischer „Dramödie“ hat etliche Vorbilder, allesamt stammen sie aus der Musik. Eines ist Opernstar Caruso, nach dem die wohlhabende Musikliebhaberin einen ihrer Pfauen benannt hat. In ihrem Pariser Anwesen veranstaltet sie in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts regelmäßig musikalische Salons, deren Geschmackssicherheit lediglich bei den eigenen Auftritten als Hobby-Sopranistin jäh zu enden pflegt.

Kinder flüchten sich unter Tische, Katzen treten in lautstarken Wettstreit, nur die feine Gesellschaft reißt sich so gut es geht zusammen. Wäre da nicht ein junger Feuilletonist, der eine Eloge auf die ungestüme Bardin schreibt und gleich die Dada- und Surrealistenszene für diese Heulboje mit Federboa entflammt.

Über eine Laufzeit von 127 Minuten hat der Masochist in uns reichlich Gelegenheit, Hauptdarstellerin Catherine Frots halsbrecherische Koloraturen zu ertragen, die für sich genommen durchaus imponierend sind und ihren Stimmbändern möglicherweise mehr schadeten als unseren Ohren.

So begeistert ist diese dramatische Komödie von ihrer eindimensionalen Heldin und deren unerwiderter Liebe zur Musik, dass man bald ein weiteres historisches Vorbild dahinter vermutet. Spätestens wenn sich Marguerite zu ihrem letzten Auftritt Engelsflügel umhängt, ist sie überführt als Double von Florence Foster Jenkins, einer Amerikanerin, die seit den 1910er Jahren in den New Yorker Salons in ähnlicher Mission zur Nervenprobe wurde.

Heute freilich sind ihre wenigen Aufnahmen Kult. Und wie es der Zufall will, hat Stephen Frears gerade ein Biopic über sie abgedreht – und für die Hauptrolle selbst eine leidenschaftliche Hobbysängerin verpflichtet, eine gewisse Meryl Streep. „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“ wird sich beeilen müssen, vorher noch ein paar Euro einzuspielen.

Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne. F 2015. Regie: Xavier Giannoli. 127 Min.

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