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Die kollektive Kraft der Musik

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Ein Werbeplakat für die Dokumentation "Mein Sommer '88" hängt in Berlin vor dem Kino Kosmos in der Karl-Marx-Allee.
Ein Werbeplakat für die Dokumentation "Mein Sommer '88" hängt in Berlin vor dem Kino Kosmos in der Karl-Marx-Allee. © dpa

„Mein Sommer ´88“ über Rock- und Pop-Megastars in Ostberlin im Jahre 1988 erkennt ausnahmsweise mal nicht nur das Böse an der DDR. Wenn die SED-Führung  doch nur etwas von der kollektiven Kraft der Musik gewusst hätte...

Von Michael Tetzlaff

„Mein Sommer ´88“ über Rock- und Pop-Megastars in Ostberlin im Jahre 1988 erkennt ausnahmsweise mal nicht nur das Böse an der DDR. Wenn die SED-Führung  doch nur etwas von der kollektiven Kraft der Musik gewusst hätte...

Es ist etwas falsch an dieser Sendung. Normalerweise wird in Fernsehdokumentationen über die DDR immer schön mit dem Elend der Menschen, die dort lebten, hausieren gegangen, oder das Unrechtsregime wird bemüht. Dass die Staatssicherheit nicht lieb war und Honecker mit seiner Rentnergang gravierende Fehler am laufenden Band machte, ist hinlänglich bekannt, aber die der Guidoknoppisierung anheim gefallenen Fernsehmacher erkennen nur das Böse an der DDR.

Doch da kommen Carsten Fiebeler und Daniel Remsperger daher und machen etwas völlig anderes. Sie produzierten eine Dokumentation über die DDR, die nicht zu 97 Prozent aus grauen Straßen, grauen Uniformen und grauen Gesichtern besteht. Es gab tatsächlich Farbe in diesem Land, und es gab Menschen, die Spaß hatten. Zumindest einen: „Locke“. Es ist 1988, Locke ist gerade 18 geworden und erblich bedingt Rockmusikfan. Und Locke erlebt 1988 den Sommer seines Lebens.

Katy Perry wäre dort aufgetreten

Da haute nämlich die SED ihrem Volk eine Reihe von Konzerten hin, dass es einem Angst und Bange werden konnte, damals 1988 in der DDR und auch überall sonst auf der Welt. Die Namen lesen sich wie ein Abschiedsgeschenk der Volkskammer an ihr Land. Es traten damals auf, um es nochmals zu erwähnen, in OST-Berlin: Depeche Mode, Bruce Springsteen, Bryan Adams, James Brown und Joe Cocker. Und wenn es sie damals schon gegeben hätte, wäre wahrscheinlich auch Katy Perry noch aufgetreten.

Sie haben eine schöne Mischung aus fiktiver Erzählung (Locke), Aufnahmen aus dem Sommer 1988 und aktuellen Interviews mit Joe Cocker, Depeche-Mode-Frontmann Dave Gahan und beispielsweise Christian „Flake“ Lorenz von Rammstein zusammengestellt, die Herren Fiebeler und Remsperger. Von der kollektiven Kraft der Musik spricht Dave Gahan unter anderem im Interview. Und wenn die DDR-Führung davon mal was gewusst hätte, könnte sie ihr Land vielleicht heute noch regieren.

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