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„Wie alle anderen auch“, der Köln-Tatort: Ella (Ricarda Seifried) versteckt sich.
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„Wie alle anderen auch“, der Köln-Tatort: Ella (Ricarda Seifried) versteckt sich.

ARD

Köln-Tatort „Wie alle anderen auch“: Im Aushalten ist sie gut

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Der Köln-Tatort „Wie alle anderen auch“ erzählt von Männergewalt und der Sehnsucht nach einem Zuhause

Nina Wolfrum, Regie, und Jürgen Werner, Buch, lassen im neuen Köln-Tatort zwar die ikonografische Szene „Ballauf und Schenk nachdenklich an der Wurstbraterei in ihre Currywurst beißend“ nicht weg, erzählen aber rundherum nüchtern und straff, wie einem der Boden unter den Füßen weggezogen werden kann. Im Mittelpunkt Ella Jung, Ricarda Seifried, die gerade noch „einen Job, eine Wohnung, einen Mann“ hatte. Der Haken: es handelt sich um einen gewalttätigen Mann. Gleich nach dem Tatort-Vorspann wischen Bilder vorbei, Andeutungen, und hört man: „Ich schlag dich tot!“ Dann freilich liegt nicht sie, sondern er in seinem Blut, packt Ella hastig ein paar Sachen zusammen, geht.

Und muss nun auf der Straße leben. „Warum?“ Das fragt allein der junge Axel (Niklas Kohrt), Tellerwäscher, Tischabräumer, Niedriglohner in einem Imbiss. So groß ist Ellas Sehnsucht nach einem Schlafplatz drinnen und einer Dusche, dass sie bereit ist, sich Axels Zudringlichkeiten auszusetzen. „Ich hab das schon mal ausgehalten“, denkt sie (und spricht hier, wie am Anfang, Zuschauerinnen und Zuschauer an), „im Aushalten bin ich gut, wirklich gut“.

Der Köln-Tatort „Wie alle anderen auch“ führt ins Obdachlosen-Milieu – sie wollen leben können wie alle anderen auch, gern in einer Wohnung, sie darf auch winzig und bescheiden sein. Listig läuft einmal Daisy Dashs gedimmte, geraunte Version von „New York, New York“ und der Zeile „I want to be a part of it“, ich möchte ein Teil davon sein.

Wolfrum und Werner zeigen die Wohnungslosen keineswegs als bessere Menschen, aber als solche, die irgendwann die letzte Reserve eingebüßt haben, die sie noch vor der Straße bewahrte. Sie zeigen den manchmal handgreiflich werdenden Streit um die zum Betteln geeignetsten Plätze, auf der Domplatte etwa. Sie zeigen Freundschaft und Solidarität unter Wohnungslosen. Sie wagen ein bisschen Humor, ein bisschen Sentimentalität, mit Trosthundchen zum Beispiel, tragen jedoch nicht dick auf. Aber vor allem scheint es ihnen wichtig zu sein, hinzuweisen auf die höhere Gefährung von auf der Straße lebenden und schlafenden Frauen. Die eine Vergewaltigung hinnehmen wie eine Naturgewalt.

Regisseurin Wolfrum pflegt das Detail, die Spinne an der Wand, den achtlosen Pinkler vorm Untergeschoss-Fenster, die Achselhaar-Rasur. Und wie Frau Weigand, Hildegard Schroedter, die in der Obdachlosen-Unterkunft resolut die Aufsicht führt, in ihrer – noch einmal möchte man das Wort „bescheidenen“ verwenden – Wohnung das Bett runterklappt und die Toilette schrubbt. Man sieht sie bei Letzterem gleichsam durch die Türe, auf Knien, man spürt, wie wichtig es ihr ist.

Ballauf und Schenk, Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, sind einmal mehr wohlmeinenden Volkes Stimme – aber gut, warum auch sollte Kommissaren zum Leben der Ärmsten Originelleres einfallen als die Stammtisch-Klage, dass der Staat mit seinen Sozialmilliarden wohl nur teure Berater bezahlt. Und zuletzt das Entsetzen, dass jemand wegen eines so geringen Betrags ermordet wurde. Wegen eines für Kommissare und Redakteurinnen geringen Betrags, muss man sagen.

Während Ballauf und Schenk routiniert (und ein bisschen gelangweilt?) ihrer Arbeit nachgehen, darf der von ihnen gern barsch behandelte Jütte, Roland Riebeling, gute Arbeit und Herz zeigen und eine kleine Schwärmerei pflegen. Überhaupt gönnt einem „Wie alle anderen auch“ ein kleines Happy-End.

„Tatort: Wie alle anderen auch“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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